Impulse September 2015

Generationenwechsel (22.09.2015)

Im neuen Pfarrblatt von Allhaming (neuerdings auch bekannt durch die Autobahnabfahrt auf der A1 zwischen Traun und Sattledt) verabschiedet sich unser P. Hubert nach 25 Jahren als Pfarrer. Er schreibt: „Ich ziehe mich nun in meinem 77. Lebensjahr in mein geliebtes Kloster Kremsmünster zurück; dort habe ich viel Zeit zum Gebet für Euch und ich bitte Euch um Euer Gebet für Allhaming, für die Aufgaben unseres Klosters Kremsmünster und die gesamte Weltkirche. “Klaus, der so alt ist wie ich, wird neben Neuhofen nun Allhaming übernehmen. Er gibt im Pfarrblatt zu: „Mir ist durchaus bewusst, dass so eine Veränderung, nur mehr einen ‚halben‘ Pfarrer zu bekommen, bei manchen auch Unsicherheit und Unbehagen auslöst.“ Weiters sagt P. Klaus dann: „Vielleicht ist die Mangelsituation ja auch eine gute Gelegenheit, die Vielfalt unserer liturgischen Feiern zu entdecken: Wortgottesdienstfeiern, Vesper, Rosenkranz … Alle sind gefragt, hier aktiv zu werden, den Glauben mit anderen zu teilen, mitzuwirken, damit das Pfarrleben aktiv und attraktiv bleibt. Die Gemeinde hängt mit Sicherheit nicht davon ab, ob es den ‚Einen‘ gibt, sondern ob es viele gibt, denen das gemeinsame Feiern wichtig und bedeutend ist.“

Bedenkenswerte Worte für uns alle – und für Allhaming ein gelungener Generationenwechsel.

Sprachlos

Still saß er da beim ganzen Mittagessen. Da reden wir ja nach der Tischlesung, die es während der Suppe gibt. Pater David war zwei Plätze weiter von mir. Obwohl mehrere ihn ins Gespräch einbinden wollten, blieb er ganz stumm. Das sind wir nicht gewohnt, unser kleinster Mitbruder redet und spaßt sonst gerne während des Essens; die besten Meldungen kommen wirklich von ihm.

Nach dem Mittagessen gingen wir in die Klerikatsrekreation, ein Raum im Trakt der jungen Mitbrüder, wo wir uns öfters zusammensetzen. P. Daniel, fr. Fabian, fr. Philipp und waren schon da, schlürften Kaffee und aßen Süßigkeiten (P. Daniel immer nur 10% von mir, dafür hat er noch keinen Bauch und ich schon). Da stapfte P. David herein. Er setzte sich zu uns und sagte aus tiefsten Herzen: „Es ist so furchtbar!“ Wir merkten, dass etwas passiert war. Wenn ein Mitbruder so betreten schaut, hat er meistens in der Seelsorge etwas Schreckliches erlebt. David war am vorigen Abend zu einem Arbeitsunfall nach Steyregg gerufen worden. Ein Mann war dort von einem vom Kran herunterfallenden Drum getötet worden. „Unfassbar: Da lag der Tote, seine Frau war schon zur Unfallstelle gekommen, ich gab ihm die letzte Ölung, wir beteten.“ Erst 27 Jahre sei er gewesen, hinterlasse ein einjähriges und ein fünfjähriges Kind, wollte in einem halben Jahr den Bauernhof seiner Eltern übernehmen, worauf er sich so gefreut hatte. P. David schwieg. Ihm standen die Tränen in den Augen, uns anderen auch.

„Um 1 Uhr nachts kam ich zurück ins Kloster. Ich hätte die ganze Nacht weinen können und konnte nach diesem Vorfall bis jetzt nicht schlafen. Der Verstorbene war tiefgläubig, ein toller Firmleiter, er konnte in Kematen die Jugend begeistern. Vor ein paar Jahren hat er seinen Managerjob aufgegeben, weil dieser ihn zu viel ins Ausland geführt hatte. Er wollte aber mehr bei seiner Familie sein. Deshalb nahm er einen Job als Bauleiter an. Jetzt ist er auf einer Baustelle gestorben. Was sagt da eigentlich Gott dazu?“ Daniel erzählte von einem Todesfall in Pettenbach, wo kürzlich auch ein jüngerer Mensch verstarb. Da sei wichtig, einfach da zu sein, man brauche und könne nicht viel zu sagen. – Sich so auszutauschen ist wichtig für uns, das finde ich auch als großes Plus unserer Mönchs- und Priestergemeinschaft, wo sich jeder bei verschiedenen Gelegenheiten mit Gleichgesinnten, den Mitbrüdern, austauschen kann. David fragte noch einmal, sichtlich gezeichnet vom nächtlichen Vorfall: „Warum geschieht so etwas?“ Ein Seminarist, der gerade bei uns ist und in der Runde dabei saß, zitierte Romano Guardini, der angesichts des Leids in der Welt einmal schrieb: „Wenn ich zum letzten Gericht komme, werde auch ich einige Fragen an Gott haben.“

Auf Leben und Tod

Mich hat jemand gefragt, warum ich länger keinen Impuls mehr geschrieben habe. Nun, wir waren mit 18 Benediktinern von Kremsmünster und 300 Pilgern eine Woche in Italien. Mehr darüber bei Mehrwert Glaube und Treffpunkt Benedikt am 2 bzw. 3. Oktober. Da gab es viel vorzubereiten und einiges nachzubereiten. Und an neuen Herausforderungen mangelt es ja nie. J Ich will mich aber nicht drücken und einfach einige Zeilen weitergeben, die mir der Vater von Martina geschrieben hat, die jetzt Novizin der Missionaries of Charity in Rom ist. Er gibt eine starke Botschaft dieser Schwestern der Mutter Theresa weiter, die uns alle viel zu sagen hat. Für mich z.B. sehr aufrüttelnd in Tagen, in denen ich mir Sorgen mache, wie ich alles hinbekomme – eigentlich lauter Kleinigkeiten gegenüber dem, was hier junge und ältere Schwestern zu bewältigen haben:

„Martina hat erzählt, dass ihre Gemeinschaft 2 Häuser in den Krisenzonen des Nahen Ostens, an der Grenze zum Territorium des IS, hat und dass dort von den Schwestern ein Altersheim geführt wird. Wenn die Schwestern weggehen, sterben die alten Leute. Daher bleiben sie, in dem Wissen, dass jeder Tag der letzte sein kann. Die Schwestern auf der ganzen Welt beten ganz intensiv für diese Niederlassungen. Martina sagt, von diesen Häusern strahlt die größte Freude aus.“

Reise zu den Heiligen (01.09.2015)

Wir fahren jetzt nach Italien: 18 Benediktiner von Kremsmünster mit 300 Menschen, die mit uns verbunden sind. Darunter ein Teil junge Leute. Sie finden sich in verschiedenen Bussen, je nach Zugehörigkeit der Pfarren, aber auch geballt in einem Bus, in dem auch ich bin. Nun schrieb mir Agnes (20) kurz vor der Abreise:

„Ich freue mich schon sehr endlich Rom zu sehen, weil dort einige Hl. gelebt/gestorben sind.
Rom ist für mich sehr bedeutsam, denn es hat mich schon in der Schule fasziniert und natürlich ist ja auch unser lieber Papst in Rom.“
Eine schöne Haltung, eine Pilgerreise zu beginnen. Betet für uns alle, damit die Reise geistliche Früchte trägt und uns menschlich bereichert!