Impulse September 2012

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Katholisch (26.09.2012)

Katholisch heißt weltumspannend. Das geht mir in diesen Tagen hier in Rom wieder neu auf. Ein Koreaner ist neben einem Abt aus Nigeria, zu ihnen gesellt sich ein Peruaner, dahinter stehen drei amerikanische Äbte und zu mir kommt gerade ein Benediktiner aus Frankreich, der sonst nicht weiter weiß, weil ihn niemand versteht (und er keine anderen Sprachen kann). Faszinierend, dass so unterschiedliche Menschen nach der gleichen Ordensregel (recht verschieden) leben und in der Kirche vereint sind – gemeinsam gregorianischen Choral singen und täglich die Eucharistie feiern (auf Latein, Lesung und Evangelium und Predigten in verschiedenen Sprachen).

Ein Geschenk auf diese Weise zusammenzugehören; das Leben zu teilen, den Glauben zu bekennen und auch ausgelassen sein zu dürfen. Die Äbte können nämlich recht kindisch sein – und da rennt wirklich der Schmäh, in den einzelnen Sprachgruppen und darüber hinaus. Eigenheiten anderer geben Anlass zum verschmitzten Lächeln – und das Schönste ist die Selbstironie, wenn jemand sich oder sein Land oder seine Sprache aufs Korn nimmt und dann herzlich mit den anderen lacht.

Ich bin überwältigt darüber, wie wir in den vergangen 10 Tagen zusammengewachsen sind. Viele der Äbte laden herzlich in ihre Klöster ein; ich weiß, ich werde die meisten nie besuchen. Aber es stärkt mich zu wissen, dass sie – bei aller Schwierigkeit und menschlichen Nachlässigkeit – so wie wir in Kremsmünster Gott ins Zentrum stellen wollen und die Sehnsucht nach einem geglückten Menschsein haben. Und – wie es ein Mönch in einer Wortmeldung ausdrückte: „Wenn auf dem einen Erdteil die Mönche nach der Komplet die Gebetsbücher schließen, schlagen in einem anderen Erdteil die Mönche die Gebetsbücher auf zur Vigil.“ Das ist katholisch!

Vietnam (25.09.2012)

Der internationale Äbtekongress, der hier stattfindet, ist eigentlich unbeschreiblich: 250 Vertreter der Benediktinerklöster aus der ganzen Welt! Als Koordinator habe ich zwar viel zu tun und bin dauernd mit irgendwelchen Problemen konfrontiert, die es in Italien besonders gibt, die hier aber auch – irgendwie – recht schnell gelöst werden können. Aber dennoch bleibt Zeit zum Austausch. So haben mich bereits letzte Woche die vietnamesischen Äbte fasziniert. Einmal eine Kolonie von Frankreich gewesen, sprechen sie zwar ein fast unverständliches Französisch, aber beim letzten Mittagessen habe ich mir einen einmal vorgeknöpft und wollte wissen, wie der Glaube in Vietnam gelebt wird. Und was ich da hörte ließ mich vergessen, dass ich eine grandiose Pasta vor mir hatte.

Die Klöster sind in Vietnam äußerst lebendig und asketisch im besten Sinn. Der Abt erzählte mir, dass in der Diözese, wo er herkommt, jährlich 400 junge Männer sich beim Priesterseminar bewerben, wo dann dreißig genommen werden. Klingt ja fast nach Auswahl zum Medizinstudium. Das alles ist freilich nur ein Ausdruck einer blühenden religiösen Landschaft.

Mehrheitlich buddhistisch, sind 8 Millionen Vietnamesen katholisch, d.h. 8% der Gesamtbevölkerung. Besonders in den Familien am Land wird der Glaube intensiv gelebt: Er selbst wurde von seiner Mutter als Kind in der Früh und am Abend in die Kirche geschickt. Nach wie vor liege am Land der Kirchenbesuch unter den Katholiken bei 100%. Und die Familien würden viel zuhause beten, sagte er mit glänzenden Augen. Einmal mehr merkte ich bei diesem Gespräch: Die Erneuerung und Vermittlung des Glaubens geschieht vor allem über die Familie. Welcher Schatz, wenn es wo katholische Familien gibt, für die der Glaube nicht nur so nebenher rennt, sondern für sie das Zentrum ihres Lebens geworden ist!

„Weil Gott Euch liebt …!“ (24.09.2012)

Gestern wurde hier in Rom unser P. Klaus zum Priester geweiht – in der Kirche Santa Maria dell’Anima, wo Franz Xaver Brandmayr Rektor ist, der beim Treffpunkt Benedikt im Jänner gesprochen hat. Im Beisein der meisten österreichischen Äbte fand diese schöne Feier mit der deutschen Gemeinde in Rom statt. Der Bischof, Erzabt Asztrik aus der ungarischen Abtei Pannonhalma sagte am Beginn seiner Predigt: „Gott liebt Kremsmünster. Er schenkt dieser Gemeinschaft einen neuen Priester.“

Ich war betroffen über diese Worte: Gott liebt uns! Er liebt uns und zeigt das, indem er uns reich beschenkt. Und so möchte ich Euch für heute, für diese Woche aus Rom zurufen: Gott liebt Euch! Achtet doch darauf, was Euch alles geschenkt wird – und dankt Gott dafür, dass er Euch liebt. Welch großartige Begegnungen, Erlebnisse, kleine Freuden des Alltags wir doch haben. Sie sind ein Ausdruck der innigen Liebe Gottes!

Hier der Satz im Kontext des ganzen Predigtbeginns: „Es mir eine große Freude heute mit Euch feiern zu dürfen, einem Mitbruder, unserem Bruder Klaus die Priesterweihe zu spenden. Gott segne Kremsmünster, seinen Abt und seine klösterliche Gemeinschaft!

Jede Priesterweihe ist Geschenk für die Kirche. Geschenk für uns, für Menschen in der Kirche, die nach Heil dürsten. Wir freuen uns, weil wir erfahren dürfen, Gott liebt uns. Gott liebt Kremsmünster, Er schenkt Euch Nachwuchs, heute einen neuen Presbyter, unseren Frater Klaus.“

Gegenbesuch bei Radio Vatikan (21.09.2012)

Ich habe Euch noch gar nicht gesagt, warum ich eigentlich drei Wochen in Rom bin: Es findet alle vier Jahre der internationale Äbtekongress statt, wo die Leiter benediktinischer Klöster für 10 Tage zusammen kommen.

P. Hagenkord ist der Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan, wohnt und arbeitet nahe des Petersdoms und kennt sich voll aus (sein Vorgänger war P. Eberhard von Gemmingen SJ, älteren Semestern vielleicht bekannt durch viele Analysen zu Kirchenfragen). Die Weltkirche lebt und verlebendigt sich und auch die deutschsprachige Kirche wandelt sich und bricht in vielerlei Weise neu auf.

Wir können entweder jammern, dass sich manches ändert und es vieles in Zukunft nicht mehr so geben wird wir früher (das machen aber ohnehin schon die meisten); oder wir können staunend wahrnehmen, wie Gott uns in eine spannende Zukunft führt und das Christentum neu unter heutigen Voraussetzungen entdeckt werden kann. Ich möchte mich der zweiten Zugangsweise widmen und mit Euch in die Zukunft des Glaubens aufbrechen! Und die Probleme in der Kirche (und im Vatikan) zwar nicht ausblenden, aber ihnen eine untergeordnete Stellung geben, um nicht ins Murren zu verfallen und das Großartige, das geschieht und aufblüht, zu übersehen.

P. Hagenkord sagte übrigens, er wäre vom Treffpunkt Benedikt sehr beeindruckt gewesen. So etwas sei in dieser Form einzigartig im deutschen Sprachraum. Erstaunlich, meinte er, dass die Auseinandersetzung mit dem Glauben durch einen einstündigen Vortrag junge Leute nicht abschreckt. Dieses Kompliment gilt Euch. Und so bitte ich Euch aus dem sonnigen Rom: Bleibt Gott treu und führt die Kirche in die Zukunft – – – in Eurer kleinen Welt, die doch individuell gesehen Euer Leben ausmacht. Es ist schön, glauben zu können! Es ist schön, katholisch zu sein! Es ist schön, mit anderen auf dem Weg zu gehen!

Römische Liturgie (20.09.2012)

Jetzt am Wochenende war ich mit unserem P. Klaus hier in Rom in der Sonntagsmesse von Sant’Egidio, einer Laiengemeinschaft, die aus einer Studentenbewegung der 1960er Jahre entsprang und sich vor allem mit den Armen der Stadt beschäftigt, ja sie zu Freunden macht. Jeden Tag kommen abends in mehreren Kirchen der Stadt viele ihrer Mitglieder und Anhänger zusammen, um die Vesper zu feiern. Sant’Egidio ist eine von vielen Erneuerungsbewegungen, die die Kirche Italiens auffrischen.

Klaus und ich waren wieder beindruckt von der Messe dieser Gemeinschaft in der alten Kirche Santa Maria in Trastevere. Es war immer etwas los in der vollen Kirche und dennoch eine ruhige, besinnliche Atmosphäre. Großer Einzug, während des Glorialiedes wurde die Osterkerze mit dem Evangelium von hinten nach vorne getragen, dann das Evangelium von der Kanzel gelesen, mit dem Evangelienbuch das Volk gesegnet und während des gesungenen Glaubensbekenntnisses gingen zwei erwachsene Ministranten durch die Reihen, um die Leute mit Weihrauch zu inzensieren. Viele junge Leute!

Bei der Kommunion bekam ich Tränen in den Augen, weil ich berührt war, wie die Gläubigen Brot und Wein verwandelt in Leib und Blut Christi empfingen. Welche Innigkeit und sehnsuchtsvolle Offenheit! Ein Behinderter mitten unter den Leuten, der niemanden störte, sondern durch seine unkontrollierten Bewegungen und teilweisen Ausrufe die liebende Aufmerksamkeit der Umstehenden an sich zog und einige ihn beim Friedensgruß einfach umarmten.

Das ist Liebesmahl, das ist christliche Gemeinschaft! Ich habe einen Besuch bei der Erneuerungsbewegung von Sant’Egidio gleich fix auf das Programm vom „Treffpunkt Benedikt in Rom“ im September 2013 gesetzt …

(Un)verständlicher Glaube (19.09.2012)

In einem Interview sagte der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Perisset kürzlich: „Wir sagen Sachen, die die Leute nicht mehr verstehen. Wir müssen zurück zu den Grundelementen des Glaubens und diese mit einfachen Worten und einer bildreichen Sprache neu vermitteln.“

Genau das ist es: Wir brauchen eine grundlegende Einführung in den Glauben, die die Schönheit und Größe des Christentums für den Einzelnen und ganze Gemeinschaften neu zum Leuchten bringt. Das versuchen wir z.B. bei Treffpunkt Benedikt und Mehrwert Glaube. Es gibt noch viele andere Veranstaltungen, Videoclips und Impulse die zeigen: Die Menschen (gerade die jungen Leute) brauchen und wollen die „Grundelemente des Glaubens“ neu erschlossen haben, „mit einfachen Worten und einer bildreichen Sprache“.

Das bedeutet für jeden von uns: Bemühen wir uns zunächst einmal selbst, den Glauben neu zu verstehen. Und was uns dabei hilft, das sollen wir weitergeben. Gute Bücher lesen und hilfreiche Dinge anschauen, sich mit anderen über die wesentlichen Sachen im Leben austauschen. Und das weitergeben!

Mein Blog (17.09.2012)

Ein junger Mann hat mir heute geschrieben, dem ich persönlich leider noch nie begegnet bin und der in einem anderen Bundesland wohnt: „Es scheint, dass Sie einen spannenden Sommer verbringen dürfen. Übrigens ein sehr interessanter Blog: Ich halte es für eine sehr gute Idee, Menschen am Leben eines Mönches teilhaben zu lassen. So verliert das Klosterleben und das Priestertum etwas von seiner vermeintlichen Verstaubtheit.“

Gerade das will ich mit meinem Blog, dessen Idee ja nicht von mir kam: Ich möchte Euch einfach mitteilen, was ich tue und denke – und hoffe, dass das hilfreiche Impulse sind, das eigene Leben bewusster wahrzunehmen und immer wieder den Glauben hereinzunehmen. Der junge Mann hat es genau erfasst, worum es mir geht – und aufgrund vieler solcher Rückmeldungen tue ich auch weiter. Wenn das jemanden nicht interessiert: Einfach nicht mehr lesen!

Missverständnisse (14.09.2012)

Wenn wir etwas sagen riskieren wir immer, Missverständnisse auszulösen. Das ist mir auch jetzt bei diesem Blog passiert. Zwei liebe Menschen, deren Freundschaft ich mir sehr schätze, nahmen Anstoß an diesem Satz eines der letzten Impulse, als ich die Frage anregte: „Welchen Personen möchte ich mehr Zeit schenken, die sich nicht so aufdrängen, die aber für mich ganz wichtig sind?“ Beide fühlten sich angesprochen, sie wären Menschen, die sich mir vielleicht aufdrängen würden. Dabei hatte ich gar nicht im Sinn gehabt, hier von Menschen zu sprechen, die mir Zeit rauben. Sondern ich dachte an die vielen Dinge, die wir tun, die aber nicht so wichtig sind. Gegenüber DIESEN Dingen sollten wir Distanz einnehmen und Zeit für Menschen haben, die sich uns oft nicht aufdrängen, für die wir aber viel Zeit haben sollten. Und ich dachte da an manches Gespräch mit jungen Menschen, wo ich merkte, dass das eigene Geschwisterchen oder die Oma oder der Opa mehr Aufmerksamkeit verdienen würden – obwohl sie sich nicht so aufdrängen wie andere Sachen (oder auch Personen, die keinen guten Einfluss auf uns haben).

Ich lerne aus diesem Missverständnis: Auch wenn mir alles klar ist heißt das noch nicht, andere würden mich nicht missverstehen. Im Gegenteil, Missverständnisse sind Teil unseres Lebens. Wie leicht auch ich oft Schlüsse aus etwas ziehe, was vom anderen nie so gemeint war.

P.S. an meine guten Freunde: Ihr nehmt mir doch keine Zeit und dürft ruhig aufdringlicher sein!

Medienaskese! (13.09.2012)

Ich bin jetzt für drei Wochen in Rom. Warum ich hier bin und was ich erlebe werde ich Euch in den nächsten zwei  Wochen wohl hin und wieder schildern und das Erlebte zum Anlass für einen Anstoß nehmen.

Heute möchte ich Euch sagen, was mir schon in Österreich aufgefallen ist und was mir jetzt aus der Distanz heraus noch mehr aufgeht: In den letzten Wochen habe ich so am Rande die politische Diskussion mitbekommen. Stichwort: Stronach. Ist das nicht ein Polittheater? War nicht schon ganz Österreich mit der Präsidentschaftskandidatur eines gewissen Herrn Lugner beschäftigt? Ist das alles wirklich so interessant?

Ich denke ein solches Medieninteresse für Randthemen ist eine billige Ablenkung von den echten Fragen: Wo geht es gesellschaftlich und kulturell hin? Was sind die wahren Hintergründe für die wirtschaftliche Krise – und was bedeutet das für uns? Was ist eigentlich Euthanasie und ist sie in bestimmten Fällen gerechtfertigt? Das sind doch Fragen, die uns umtreiben und beschäftigen sollten – Themen, die öffentlich diskutiert und von verschiedenen Seiten her erhellt werden müssten! Stattdessen werden wir mit einer monatelangen Karlheinz-Grasser-Hinrichtungsshow (bei der letztlich zu wenig herauskam, das ein solches Medienecho gerechtfertigt hätte) beschäftigt, einer unnötigen Person wie Lugner belästigt und mit einer interessanten, aber letztlich überbewerteten Leitfigur wie Stronach ständig konfrontiert. Zumindest die öffentliche Auseinandersetzung wird über weite Strecken davon zugedeckt.

Deshalb habe ich mir selbst schon vor langer Zeit Medienaskese auferlegt – und merke, wie wenig mir abgeht. Das ist ganz einfach: Die großen, gängigen Medien meiden“ Was auf „orf.at“ steht verfolge ich nicht, was die großen Zeitungen schreiben lese ich nicht, was sonst im Internet an prominenter Seite auftaucht klicke ich weg, der Informationsgehalt von „Zeit im Bild“ ist mir zu gering.

Aber ich will doch wissen, wie es in Libyen nach der Revolution aussieht – welche Kräfte herrschen und wie es den Leuten geht. Ich will doch erfahren, was in Griechenland, Spanien, Italien wirtschaftlich abgeht, was das für die jungen Leute bedeutet und wie die internationalen Zusammenhänge unser Leben bestimmen. Ich will doch gute Reflexionen über den Zeitgeist, über Themen, die in der Luft liegen, mitbekommen. Eben deshalb die allgemeine Medienaskese! Und dafür im Auto hier ein Ö1-Mittagsjournal im Auto, dort eine grandiose deutsche Wochenzeitung, katholische Nachrichten und Einschätzungen von wieder einer anderen Zeitung, das Time Magazine von P. Benno, der es abonniert und mir weitergibt. Ich sehe nicht fern und lese keine Tageszeitung, höre auch immer weniger stündliche Nachrichten. Das ist meine Medienaskese. Dafür kann ich mich wenigen grundlegenden Themen aufmerksam widmen – diesen dafür im Tiefgang. Das ist meine Art, Mönch und Priester, meine Weise, einfühlsam und kritisch Christ in der Welt von heute zu sein.

Die Botschaft der Milchtrinker (10.09.2012)

Ich habe einen Freund, der bestellt sich öfters Milch. Manchmal tue ich das jetzt auch: Wenn ich mit anderen zusammen bin und nicht recht weiß, was ich trinken soll, bestelle ich ein Glas Milch. Sie ist erstens gesünder, zweitens billiger (habe einmal in einem Gasthaus für 0,5 l nur 90 Cent bezahlt) und drittens fördert das die Nahversorgung. Ja, ich bin auf meine Weise ein Grüner!

Mein Freund und ich lösen da manchmal heftige Reaktionen aus: Die Kellnerin will es anfangs nicht glauben und fragt nochmals nach (und denkt sich dann, der hat vielleicht schon zu viel alkoholische Getränke getrunken, dass er nun auf diese Weise ausflippt). Einmal hat mich ein Pärchen am Nachbartisch völlig ausgelacht. Und selbst Bekannte oder Arbeitskollegen, die mit einem unterwegs sind, schütteln den Kopf, machen sich zuweilen lustig, tun so, als ob sie einen nicht mehr kennen.

Das ist doch interessant, nicht? Wie groß die peer pressure ist, wie sehr der Zeitgeist konformes Verhalten einfordert! Warum soll Cola oder Bier oder Wein besser oder cooler sein als Milch?

Wenn Ihr also testen wollt, wie tolerant bestimmte Leute wirklich sind, oder wenn Ihr Euch im christlichen Nonkonformismus üben wollt: Bestellt einfach im Gasthaus, der Disco, im Cafe das nächste Mal ein Glas Milch …

Meine innerste Persönlichkeit (06.09.2012)

Wir reden zurecht viel von Gemeinschaft und der Wertschätzung für das, was jemand tut. Vergessen wir dabei aber nicht allzu sehr die innere Dimension eines Menschen? Deshalb lege ich Euch heute diese bedenkenswerten Worte des amerikanischen Trappistenmönchs Thomas Merton ans Herz: „Der Mensch ist so weit Person, wie er ein verborgenes und einsames Eigenleben hat, das er mit niemandem teilen kann. Wenn ich jemanden liebe, werde ich das an ihm lieben, was ihn am meisten zur Person macht: die verschwiegene Tiefe, die Verborgenheit, die Einsamkeit seines persönlichen Seins, die Gott allein durchdringen und verstehen kann.“

Neue Ordnung (03.09.2012)

Am Freitag habe ich über die Vorbereitung geschrieben, heute möchte ich daran anknüpfen und einen Anstoß über die Bedeutung der Ordnung geben. Sie ist ja bekanntlich das halbe Leben. Und natürlich muss ich Wüstenväter-Freund einen ägyptischen Altvater aus dem 4. Jahrhundert zitieren: Ein Bruder kam völlig durcheinander zu einem Einsiedler in die Wüste und klagte ihm seine vielfältigen Probleme. Da sagte der heilige Mann nur: „Gehe zurück und räume dein Zimmer zusammen.“

Ja, das ist einmal das erste: Halte die Ordnung und die Ordnung wird dich halten! Maches an Unklarheit löst sich dann auf. Also jetzt gleich einmal das Zimmer zusammen räumen, Dinge ordnen – es kommen ja bald neue Dinge dazu. Sonst wird es außen unübersichtlich und innen verwirrt!

Sodann den Tag gut einteilen – und er wird länger werden. Ich hab das selbst erfahren. Wenn ich weiß, was ich wann mache und wichtige Dinge fix zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten mache, dann entlastet das ungemein. Und sich auch bewusst entlasten: Normalerweise beantworte ich e-mails nur nachmittags. Denn sie bringen so viele verschiedene Fragen und Dinge ein, die sofort erledigt werden sollten, dass ich mir damit meine frische Arbeitszeit in der Früh ruinieren würde. Die ist da für Vorbereitungen von Predigten, Vorträgen und die Abfassung von Texten.

Das könnt Ihr natürlich jetzt nicht 1:1 auf Euch übertragen. Aber ich möchte euch heute bitten, Ordnung ins Leben zu bringen und den Alltag so zu gestalten, dass die wichtigen Dinge nicht untergehen! Und damit fängt man am besten am Beginn eines Arbeitsjahres an …

6 Antworten zu “Impulse September 2012

  1. Ich mag Milch =)

  2. Aufgarkeinen fall aufhören dieser Blog ist einfach spitze

  3. choco-mutschokotu

    Apropos gutes Buch: „Warum werden wir nicht katholisch?“ von Andreas Theurer
    Ein evangelischer Pfarrer stellt mit diesem Buch die provozierende Frage an seine evangelischen Mitchristen: „Warum werden wir nicht katholisch?“ Intensiv befasst er sich mit den Gründen, die für die fortdauernde Trennung der christlichen Konfessionen ins Feld geführt werden: mit dem Papst und seinem Unfehlbarkeitsanspruch, mit der Bedeutung der Überlieferung neben der Heiligen Schrift, mit der Marien- und Heiligenverehrung, mit dem Ablass und dem Fegefeuer, mit der Lehre über den Glauben und die guten Werke sowie mit den feierlichen Liturgien unter Verwendung von Weihrauch in goldgeschmückten Kirchen. Hierbei kommt der Autor zu erstaunlichen Ergebnissen. Andreas Theurer (geb. 1966) ist evangelischer Pfarrer in der württembergischen Landeskirche. Seine Frau Gudrun wurde 2007 in die württembergische Landessynode gewählt. Beiden ist die Einheit der Kirche ein Herzensanliegen.

  4. Ich muss euch einmal im Stift besuchen. Go Bernhard! ; )

  5. Immer wieder gute Inspirationen! Freu mich schon euch wieder zu besuchen!
    Liebe Grüße