Impulse Oktober 2015

Der wahre Reichtum (20.10.2015)

KrankheitIch hatte über Reichtum und Armut gepredigt. Eine von ihrer Krankheit gezeichnete Person schrieb mir daraufhin und erlaubte mir auf Nachfrage, einige Sätze aus ihrer Mail zu zitieren, weil wir solche Stimmen gläubiger Menschen brauchen, die aus ihrer Armut heraus (in diesem Fall die fehlende Gesundheit) den wahren Reichtum vielleicht besser erkennen als die meisten von uns:

„Der Gottesdienst bei Ihnen in Kremsmünster wird mir lange in Erinnerung bleiben. Ich bin oft im Geiste abwesend wegen der Medikamente, die ich noch nehmen muss – die Diagnose: schleichendes Nervenleiden. Bin schon ziemlich gesundet – vielleicht werde ich wieder ganz gesund, bin zuversichtlich. Zum Evangelium und zu Ihrer Predigt: REICHTUM. Ich fühle mich reich, nicht so sehr an Materiellem. Ich fühle mich reich, weil ich so viel beschenkt werde. Ich darf LEBEN ! Z.B. ich bin soweit gesundet, dass ich Autofahren kann. Weil ich Autofahren kann, besuche ich fast wöchentlich den schönen Gottesdienst in Kremsmünster um 10:15h und komme immer wieder vielbeschenkt zurück. … So denke ich, dass ich zu den Reichen gehöre, weil meine Ohren noch halbwegs gut funktionieren  so auch die anderen Sinne. …“


Gudrun Kugler (16.10.2015)

Foto-16Ihren Namen sollte man kennen, spätestens seit der Wien-Wahl. Gudrun ist eine bemerkenswerte Katholikin und jetzt auch Politikerin. Sie ist nämlich in den Wiener Landtag eingezogen, aufgrund der vielen Vorzugsstimmen, die sie auf der ÖVP-Liste bekommen hat. Warum ich über sie schreibe? Weil sie eine Vorreiterin ist, die viele Nachfolgerinnen und Nachfolger bekommen soll. Katholiken – engagiert euch in der Politik! Wir brauchen engagierte Gläubige, die Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur auftreten, die Journalisten werden und eben auch Politiker. Die sich nicht in irgendwelche Nischen zurückziehen, sondern auf öffentliche Plätze gehen, wo sie auch etwas bewegen können. Gudrun Kugler hat das die letzten Jahre hervorragend gemacht. So kamen dezidiert christliche Positionen in Brüssel und im Österreichischen Parlament zur Sprache – und sie tut das charmant, gewinnend und dennoch klar und deutlich. Ich kenne sie über 25 Jahre, wir trafen uns öfters in unserer Linzer Jugend. Nun bin ich stolz auf sie und werde mit Freude verfolgen, wie sie in der Politik mitmischt. http://gudrunkugler.at

Der Unsinn vieler Sitzungen (08.10.2015)

In der betont kritischen Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“ (Herder-Verlag) stand kürzlich ein Kommentar, der die (kirchliche) Sitzungsflut aufs Korn nahm. Er sprach mir aus dem Herzen: „Wenn der Mensch nicht weiter weiß, gründet er einen Arbeitskreis – oder beauftragt Umfragen. Die ergeben meistens, was man ohnehin schon wusste. Oft genug verbreitet solche Unterhaltung ohne echten Erkenntniswert Langeweile, abgesehen von denjenigen, die sich als Aktivisten dabei besonders wichtig fühlen. Das einst innovative ‚Reformchristentum‘ leidet inzwischen – gealtert – ebenfalls an dieser Krankheit. Jahrein jahraus immer dasselbe von immer denselben.“

Ich könnte viele Erfahrungen ins Treffen führen, die das illustrieren, was der Kommentar schreibt: „Auch der Glaube an die seligmachenden Trivial-Weisheiten der Coaches, der Psycho-Beratungsindustrie wäre zu entmythologisieren. Vieles bläst da nur heiße Luft aus. Gutgemeinte ‚Brainstormings‘ in gutgemeinten Runden bringen selten originelle Ideen hervor. So enden die in der Hoch-Zeit gruppendynamischer Prophetie zwecks Therapie messianisch gepriesenen Dialoge dort, wo sie begonnen haben: in Appellen, Wünschen, Träumen, Forderungen.“

Und dann der zentrale Absatz: „Das Kirchentheater, das die – auch säkulare – Öffentlichkeit mit Aufregern und Ausreißern kurzzeitig unterhält, ist offenkundig gar nicht das, was die Menschen im Innersten berührt oder vielleicht doch noch einmal berühren könnte. Die vielen kirchlichen Appelle zu diesem und jenem verhallen ohnehin längst in der Inflation ähnlicher Weisungen aus aller möglichen Leute Mund. Es bleibt einzig das spannend, was das besondere christliche Kontrastprogramm ausmacht, das es nirgendwo sonst gibt: Glaube, Hoffen, Lieben in der Sehnsucht nach Gott, dem Unsichtbaren, Unbekannten, dessen Ikone Jesus Christus ist; die sonntägliche Feier der Eucharistie; das stille oder schreiende Beten; das nachdenkliche Lesen, Meditieren, Sinnieren des Mysteriums Leben; die Auferstehung als Hoffnung wider alle Hoffnung.“