Impulse Oktober 2013

Schreibe Deine Einschätzung in einem Kommentar unterhalb der Impulse von P. Bernhard!

St. Wolfgang (30.10.2013)

Heute hat der Heilige Wolfgang seinen Gedenktag. Er ist mir besonders nahe, weil wir von der Familie aus oft in St. Wolfgang Urlaub gemacht haben. Am Wolfgangsee im Salzkammergut treffen sich meine Eltern mit uns drei Kindern immer wieder – zuletzt im August für drei Tage. Der Wolfgangsee ist die schönste Region, die ich kenne!

Am Übergang von St. Wolfgang zu St. Gilgen liegt der Falkenstein, steil abfallend ins Wasser. Da hat man nicht nur zwei großartige Ausblicke über den See, sondern ist auch in der Gegend, wo sich Bischof Wolfgang von Regensburg als Einsiedler nach seiner Vertreibung zurückgezogen hatte (um dann in Pupping zu sterben und letztlich in Regensburg begraben zu werden). Auf dem Falkenstein hat es in Nachfolge des Hl. Wolfgang bis ins 18. Jahrhundert Einsiedler gegeben. Oft war ich dort mit meiner Oma und nach ihrem Tod unzählige weitere Male alleine oder mit Freunden.

Über der Höhle des Hl. Wolfgang ist ein Kirchlein erbaut. Dort ist auch eine Glocke, die man durch ein langes Seil von unten läuten kann. Wenn man es schafft, dass die Glocke mit einem einmaligen Ziehen des Seils nur dreimal läutet, hat man einen Wunsch frei. Ich erinnere mich, dass mir das gelang, als ich mit 18 das erste Mal so richtig verliebt war und darum gebeten hatte, dass auch sie in mich verliebt sei. Der Wunsch ging nicht in Erfüllung…

Orte sind für uns wichtig. Sicher hast Du auch einige Plätze, die wichtig für Dich geworden sind. Sie gehören zu Dir. Und wir verbinden solche Orte oft mit Menschen. Ja, vielleicht gelingt es gerade in freien Tagen, solche Orte wieder aufzusuchen. Orte und Menschen sind Teil unserer Identität. Für mich ist St. Wolfgang ein besonderer Ort, den ich mit bestimmten Menschen verbinde. Auch mit dem Heiligen, der Benediktiner war und vielleicht sich schon vom Himmel aus gedacht hatte, ich könnte auch einmal Mönch werden, als ich so seine Klause als Jugendlicher besuchte – und später als Student beim dreimaligen Läuten oft Gott bat: „Zeig mir, was ich mit meinem Leben tun soll!“

Bilder (22.10.2013)

In deinem Zimmer hast du sicher viele Bilder; du siehst dir aber auch Bilder an DSC_0449_(800_x_600)im Fernsehen, am Computer, auf Plakatwänden und sonst noch wo. Bilder prägen unser Leben, ja sie prägen sich ein. Junge Leute sagen einem Facebook-Verweigerer wie mir, dass sie auch Bilder bewerten: „Gefällt mir.“ Welchem Bild gebe ich den Vorrang?

Heute bei den Laudes (dem Morgengebet im Kloster) blieb ich bei der Lesung hängen. In der fürs Brevier (=Stundenbuch) ausgewählten Passage von Jesaja 40 heißt es: „Mit wem wollt ihr Gott vergleichen und welches Bild an seine Stelle setzen?“ In der Früh habe ich dann in der Zelle (=Wohn- und Gebetsort von uns Mönchen) aufgeschrieben: „Welches Bild setze ich an die Stelle Gottes?“ Der Zettel hängt jetzt in meinem Zimmer. So habe ich immer wieder einen Vers aus der Heiligen Schrift vor Augen – und das Morgengebet wirkt weiter.

Der Schüler, der seinen Lehrer betrog und ihn dadurch rettete (17.10.2013)

Im letzten Impuls schrieb ich über die Gestaltung meines Morgens im Kloster. In der Früh lese ich also geistliche Literatur, darunter immer wieder etwas – wohl keine Überraschung für die meisten von euch – über die Wüstenväter. Heute las ich eine Geschichte, die gar nicht auf Deutsch vorliegt, sondern sich nur in italienischen und französischen Buchausgaben findet (nach der Nau-Ausgabe Nr. 451). Ich habe sie mehrmals durchgelesen, über sie nachgedacht und mir in verschiedener Hinsicht etwas daraus mitnehmen können:

Es war einmal ein weiser Einsiedler, der in der Mönchssiedlung „Kellia“ südlich von Alexandria in Ägypten wohnen wollte. Damals war dieses Tal mit dem Namen „Mönchszellen“ sehr berühmt, weil dorthin jene Mönche tiefer in die Wüste gezogen waren, denen die Mönchssiedlung „Nitria“ am Rande von Dörfern zu laut und betriebsam geworden war. Ein Mönch von Kellia hatte gerade eine Zelle in seiner Einsiedelei frei. Es war damals so, dass ein Mönch oft mehrere Zellen verstreut in einem überschaubaren Gebiet gebaut hatte und Schüler von ihm oder Gäste dort wohnen ließ. „Du kannst gerne in diese Zelle einziehen, bis du eine andere gefunden hast“, beschied er dem fremden Einsiedler.

Bald bekam dieser Einsiedler viel Besuch, und sein Ruf verbreitete sich in der ganzen Gegend. Das war dem anderen Einsiedler, dem Besitzer der Zelle, nicht recht. Er wurde eifersüchtig auf ihn, weil der andere so viel Zuspruch erhielt, wie er in seinem ganzen Leben nie erhalten hatte. „Ich habe hier in der Wüste seit vielen Jahren ausgeharrt und eine harte Askese gepflegt, und niemand ist zu mir gekommen. Jetzt kommt dieser Schwindler, ist erst einige Tage hier und schon kommen alle zu ihm.“ Und was tun Menschen, die auf andere eifersüchtig sind? Sie reden schlecht über sie! Das tat auch er.

Als er einsah, dass auch die Verleumdungen dem guten Ruf des fremden Einsiedlers nicht schadeten, sagte er zu seinem Schüler: „Geh hinüber zu ihm und sag ihm, er muss die Zelle wieder räumen, weil ich sie für jemanden anderen brauche.“ Der Schüler ging zu dem fremden Einsiedler und sagte zu ihm: „Mein Meister sendet mich zu dir, um dich zu fragen, wie es dir geht.“ Der Einsiedler antwortete: „Sag ihm, dass mir mein Magen sehr zu schaffen macht und er bitte für mich beten soll.“ Der Schüler ging zurück zu seinem Meister und berichtete: „Der fremde Einsiedler lässt dir ausrichten, dass er schon eine andere Zelle gefunden hat und bald von deiner ausziehen kann.“

Als nach einigen Tagen der fremde Einsiedler noch immer in der Gastzelle verharrte, sagte der Einsiedler, der sie ihm zur Verfügung gestellt hatte zu seinem Schüler: „Sag dem da drüben, wenn er nicht bald auszieht, werde ich ihn mit einem Stock verjagen!“ Der Schüler ging wieder zum fremden Einsiedler: „Mein Meister hat gewusst, dass du krank bist. Das tut ihm sehr leid, und er hat mich gebeten, dich wieder zu besuchen.“ Der fremde Einsiedler antwortete: „Sag ihm bitte, dass es mir dank seiner Gebete schon besser geht.“ Der Schüler kehrte zu seinem Abba zurück und sagte: „Der fremde Einsiedler bittet dich, noch bis morgen bleiben zu können. Dann werde er wegziehen.“

Es wurde Sonntag, und der fremde Einsiedler war immer noch in der Zelle. So nahm der Besitzer der Zelle, der auf ihn zu eifersüchtig geworden war, einen Stock und machte sich auf zum fremden Einsiedler, um ihn zu verjagen. Der Schüler sagte: „Ich gehe mit dir. Denn wenn der fremde Einsiedler gerade Besuch von Brüdern hat, werde ich sie ablenken, damit sie nicht merken, dass du ihn vertreibst.“ So lief der Schüler voraus und sagte zum fremden Einsiedler: „Mein Meister kommt jetzt selbst, um dich zu besuchen und dir sogar seine eigene Zelle anzubieten.“ Der fremde Einsiedler war davon so berührt, dass er seinem Gastgeber entgegenlief, sich schon von weitem vor ihm niederwarf und ausrief: „Heiliger Vater, ich komme dir entgegen und bitte dich, mach dir nicht so viel Mühe um mich!“

Da Gott das gute Werk des Schülers sah, bewirkte er im hartherzigen Mönch die Reue. Der warf den Stock weg, als er den fremden Einsiedler vor sich liegen sah, und umarmte ihn. Der fremde Einsiedler lud seinen Gastgeber mit großer Freude in seine Zelle ein, als hätte der Alte nie etwas Schlechtes über ihn gesagt. Das machte den Meister stutzig und er fragte seinen Schüler: „Hast du ihm nicht gesagt, was ich dir aufgetragen habe?“ Der Schüler blickte zu Boden und meinte schlicht: „Nein.“ Da wurde der Meister von großer Freude ergriffen und erkannte, dass seine Eifersucht vom bösen Feind kam. Er beschied dem fremden Einsiedler, so lange in seiner Gastzelle weilen zu können, wie er nur wollte, und ihm jeglichen Wunsch zu sagen.

Wieder zuhause mit seinem Schüler, fiel ihm der Abba vor die Füße und sagte: „Du bist mein Vater und ich dein Schüler. Durch das was du machtest, hast du unsere beiden Seelen gerettet!“

Wie ich den Tag beginne (16.10.2013)

In der Früh habe ich mein Morgenprogramm, das ich um nichts in der Welt hergeben möchte. Ich schildere es hier jetzt nicht deshalb, damit es alle nachahmen. Unser Leben im Kloster soll nicht Norm für das Leben der anderen sein, aber es kann vielleicht zur Inspiration dienen. Jedenfalls bin ich ja darum ins Kloster gegangen: dass eine andere Tagesgestaltung über Jahre hinweg möglich ist. Ich schildere hier einen Ausschnitt meines Tages, weil mir vor einige Zeit eine Jugendliche gesagt hat, dass ihr die Impulse am meisten gefallen, in denen ich schreibe, wie ich als Mönch lebe und was ich persönlich erlebe.

Also, mein Wecker klingelt um 5:05. Jeden Tag, sieben Mal die Woche. Ein solcher Rhythmus hat viel für sich. Er verlangt natürlich, dass ich bald ins Bett gehe. Das ist leider nicht immer der Fall und verlangt auf jeden Fall öfters auch ein Opfer: Gerne würde ich manchmal noch wo sitzen bleiben, mit jemanden quatschen oder Zeitung bzw. einen Roman lesen. Doch im Kloster zu leben bedeutet, sich zurückzuziehen und weltlichen Beziehungen und Ereignissen nicht den ersten Platz einzuräumen. So nehme ich Essenseinladungen normalerweise nicht an (was durchaus ein Verzicht für mich ist) und telefoniere abends nur wenn es sein muss. Auch der Computer ruht von der Vesper bis in den Vormittag hinein.

Ja, diesen Morgen eigens zu gestalten bedeutet mir so viel, dass ich anderes bewusst nicht mache. Das ist wichtig: Ich bin ins Kloster gegangen und lebe als Mönch, weil ich das noch lieber tue als anderes: In intensiver Weise Gott zu suchen. In benediktinischer Form. Der Hl. Benedikt sieht in seiner Regel vor, dass neben dem Gebet der Gemeinschaft sich der Mönch zwei bis drei Stunden am Tag zurückzieht, „um zu lesen“. Neben dem Gebet (ora) und der Arbeit (labora) also eigene Zeiten, um sich geistlich zu beschäftigen (lege – lies!). Wobei überall das Gebet als Ziel vor Augen steht. So steckt ja im Wort labora auch das ora: Das Gebet soll sogar die Arbeit beseelen und letztlich ausmachen!

Ich bin jetzt etwas von meinem Morgenrhythmus abgeschweift (wenn ich von IMG_0922_(800_x_600)unserer Lebensform spreche, dann komme ich so richtig ins Schwärmen!). Also, ich stehe um 5:05 auf. Das ist zwar recht spät verglichen mit Abt Ambros (der sich um 4:40 erhebt J), erlaubt mir aber trotzdem eine halbe Stunde in meiner Gebetsecke zu sitzen. Dort meditiere ich gerade Psalm für Psalm und lese dazu die Auslegungen des hl. Augustinus. Dann gehe ich in die Laudes, dem Morgengebet des Klosters. Seitdem ich vorher schon lese, reflektiere und persönlich bete (das lege Benedikts), bin ich auch beim gemeinschaftlichen Gebet wacher und bewusster da. Nachher folgt die Eucharistiefeier in der Michaelskapelle, zu der ich um 6:30 gehe, wenn ich tagsüber nicht woanders eine Messe habe.

Nach der Eucharistiefeier oder eben gleich nach den Laudes kommt eine ein- bis eineinhalbstündige Lesezeit (Frühstück je nachdem). Da beschäftige ich mich mit Dingen, die ich nicht gleich in Predigten, Vorträgen oder Artikeln verarbeiten muss. Das heißt, ich lese zweckfrei geistliche Dinge, überlege mir dieses und jenes, notiere auch manches (Impulse in meinem Blog für die Treffpunkt-IMG_0929_(800_x_600)Benedikt-Community kommen oft aus dieser Zeit). Seit einigen Jahren lese ich schon nach und nach über den Anfang des Mönchtums und die ersten Jahrhunderte. Dann beschäftige ich mich wieder mit einer großen Gestalt, einem Heiligen, einer Mystikerin oder einfach einem Vorbild in ganz weltlicher Weise. Das ist meine Nahrung für den Tag, für die Woche, für mein Leben. Stärkung aus dem Geist und für den Geist. Natürlich fließt auch manches ganz von allein in die Predigten, Vorträge, Artikel und Buchbeiträge ein, denen ich mich aber nie vor 8:00 oder 8:30 zuwende.

Diese drei Stunden machen meinen geistlichen Morgen aus. Dann kann kommen, was da will. Vielleicht versteht ihr jetzt auch besser, warum Mönche von alters her bald aufstehen: Sie möchten die Beziehung zu Gott und das dafür notwendige geistliche Leben an die erste Stelle setzen – und tun das vor allem, bevor die Betriebsamkeit des Alltags (auch für sie) beginnt. Die Erfahrung der Mönche war: Wenn man in der Früh nicht schon das „Hauptpensum“ an geistlicher „Arbeit“ (im Sinne von lab-ora) verrichtet, wird es während des Tages in dieser Intensität kaum noch kommen. Ich weiß, dass für Leute „in der Welt“ oft die ruhige Zeit der Abend ist, erst da können sie richtig abschalten und beten. Für mich ist es der Morgen. Und dann kann tagsüber und auch abends daherkommen, was da will: das geistliche Fundament ist schon gelegt!

Studenten stürmen Klöster (10.10.2013)

Die ZeitDie deutsche Wochenzeitung „Die Zeit“ brachte kürzlich einen Artikel mit dem Titel: „Stillarbeit. In Belgien gehen Studenten für Wochen oder sogar Monate ins Kloster – um in Ruhe lernen zu können.“ Gleich der erste Satz dieses Artikels lautet etwas _MG_4318idealisierend, aber dennoch interessant: „Hinter den dicken Klostermauern funktioniert kein Internet und kein Smartphone. Es gibt keinen Fernseher, keine Ablenkung. Nur Ruhe. Und genau das ist es, was die Studenten suchen, die in jedem Semester für einige Wochen oder sogar Monate hierher ins Benediktinerkloster kommen …“

KonventAm Tag, an dem ich diesen Impuls schreibe, sind gerade drei junge Männer bei uns im Stift Kremsmünster, die weder Mönche sind noch unbedingt vorhaben, hier zu bleiben. Sie wollen sich einfach jetzt zurückziehen, ihren Fragen nachgehen, lernen, sich auf die nächsten Schritte in ihrem geschäftigen Alltagsleben vorbereiten. Mich erstaunt selbst, wie sehr sich die jungen Leute, die einige Tage bei uns mitleben, auf den Kloster-Rhythmus einlassen. Sie sind bei praktisch allen Gebeten und Mahlzeiten. Heute beim Frühstück sagte mir Constantin, Jus-Student in Passau: P3214683aa_(800_x_600)„Obwohl ich bei euch alles mitmache, habe ich mehr Zeit für mich.“ Also: Gerade weil er sich dem Klosterleben anschließt, bekommt er plötzlich mehr Freiraum. Und vor allem: Hier lenkt ihn nichts ab. Der Laptop bleibt ausgeschaltet, das Handy wird erst wieder zu Hause aktiviert.

Manchmal fragen mich junge Leute, warum wir so gastfreundlich zu ihnen sind. Meine Antwort überzeugt sie dann: „In unserem riesigen Stift haben wir die Zimmer sowieso, gekocht wird wegen dir nicht mehr und das Gebet findet IMG_1216_(800_x_600)ohnehin statt – egal, ob jemand von außen mitbetet oder nicht. Und natürlich freuen wir uns, junges Leben in unseren alten Klostermauern zu haben.“ Viele, die hier für einige Tage kommen, suchen auch das Gespräch. Alleine heute habe ich fünf einstündige Gespräche mit jungen Leuten, die entweder gerade hier sind oder von außen kommen, in diesem Fall dann z.B. auch zur Vesper und zum Abendessen bleiben. Die Begleitung junger Leute nimmt mittlerweile mehr Zeit in Anspruch als mein Einsatz in der Schule.

„In ganz Belgien nutzen schätzungsweise 600 Studenten jährlich das Angebot“, heißt es im Zeitungsartikel. Belgien – das ist doch ein noch viel stärker IMG_0940aa_(800_x_600)säkularisiertes Land als Österreich! Richtig. Deswegen wächst auch wieder die Neugierde, ein alternatives Leben in einem Kloster kennenzulernen. Wenn Religion in einem Land beiseite geschoben wird, ist das „Andere“ plötzlich wieder cool. Wie die Studenten zeigen, die sich ins Kloster zurückziehen.

Privatoffenbarungen? (09.10.2013)

Gott spricht in vielfältiger Weise: In der Heiligen Schrift, in der Liturgie, in der Stille meines Herzens, durch andere Menschen, in der Natur … Die eine Sprachweise sollten wir gegen die andere nicht ausspielen. „Gottes schönstes Wort“ (Karl Rahner) ist Jesus Christus. Er ist die Fülle der Offenbarung, seit ihm gibt es keine neue Offenbarung mehr, sondern nur noch eine Vertiefung des einmal Gezeigten und Gesagten.

Natürlich gibt es Menschen, die besonders geistlich begabt sind, „religiös musikalisch“. Das merke ich oft bei Exerzitien oder Begleitungsgesprächen: Manche sind besonders hellhörig auf die Stimme Gottes, erfassen das Mysterium mehr als andere (und ich), können sich beim Gebet besonders konzentrieren. Ein Zeichen der Echtheit ist zumeist, dass ihnen das nicht besonders vorkommt, dass Sie damit nicht angeben und sich herausgehoben fühlen.

Es gab und gibt auch „Seher“, meistens sind es Seherinnen, weil Frauen im Allgemeinen feinfühliger dem Geistigen und Geistlichen gegenüber sind. Katharina von Siena hatte Visionen, der Hl. Benedikt und viele andere Heilige auch. Solche Visionen oder gar Worte sind aber nie absolut zu setzen. Sie sind geistliche Vertiefungen aber nichts Neues der Botschaft Gottes! Das heißt, wir sollten Bilder nie wörtlich verstehen. Manche Mystikerinnen haben sich so in das Leiden Jesu vertieft, dass sie das Geschehen von Leiden und Tod Jesu so „sahen“, als wären sie dabei gewesen. Das heißt, sie veranschaulichten für sich und andere die Hingabe Jesu. Da ist weiter nicht schlimm, dass die eine das so sieht, die andere so – wörtlich gesehen schließen sie sich aus (die eine sieht diese Leute unter dem Kreuz, die andere nur jene). Es sind ja Interpretationen! So wie wenn sich verschiedene Leute von uns ein Evangelium ausmalen und wir dann das miteinander teilen. Der eine sieht es so, der andere so. Alles sind geistliche Deutungen eines einzigen Heilsgeschehens!

„Privatoffenbarungen“ sind deshalb privat und dürfen nicht verabsolutiert werden. Leider geschieht das in unserer wissenschaftsgläubigen Zeit öfters. Da werden mittelalterliche oder auch gegenwärtige „Visionen“ wörtlich verstanden, obwohl sie nur im übertragenen Sinn gemeint sein können. Das ist gesunde katholische Lehre, die ich hier vertrete.

Francesco_(800_x_600)Deshalb trifft Papst Franziskus den Nagel auf den Kopf, wenn er von einer bedenklichen Sehnsucht nach spektakulären Wundern und neuen Offenbarungen warnt. „Manche Christen suchen heute das Außergewöhnliche und Besondere in privaten Offenbarungen.“ Wer Spektakuläres oder Neues sucht, soll sich an die Evangelien halten.

Ich beobachte das auch: In einer Zeit des Wandels, die für viele auch als orientierungslos wahrgenommen wird, versuchen manche krampfhaft, sich an etwas Höheres, Spektakuläres und Neues zu halten, das diesen Anspruch erhebt. Doch es ist Vorsicht geboten, wenn jemand beansprucht, direkt von Jesus etwas diktiert zu bekommen. Die Kirche war und ist da immer zurecht sehr vorsichtig gewesen. Warum? Weil sich da wahre Schau und Einbildung leicht mischen und auch der Böse Eingebungen geben kann (wie es wiederum die Heiligen erfahren haben). Die Unterscheidung fällt nicht immer leicht. Und gefährlich ist es halt, wenn jemand sich direkt auf Jesus beruft, weil dann jede Kritik ausgeschlossen sein soll.

So dürfen wir uns lieber an den Papst halten der – wie schon sein Vorgänger Benedikt XVI. – sehr vorsichtig beim Thema Privatoffenbarungen ist und uns lieber an das Evangelium verweist. Es ist mühsam, die Bibel immer wieder zur Hand zu nehmen, sich die Szenen selbst vorzustellen, den Heiligen Geist in mir wirken zu lassen. Aber es ist das sichere Wort Gottes!

„Der Hl. Vater liebt die Jugendlichen“ von Stefan Kerschbaumer

DSCN0423_(800_x_600)P. Bernhard ist nun einige Tage auswärts und  bat mich in einem Telefonat, einen kurzen Impuls zu schreiben, über meine Erfahrungen und Erlebnisse am Freitag in Assisi. Ich finde die Impulse von P. Bernhard sehr gelungen und möchte nicht versuchen  DSCN0436_(800_x_600)auch nur annähernd in seinen Schatten zu treten. Somit dachte ich mir, ich bette das Video vom Jugendtreffen in Assisi auf der homepage ein und lasse den Papst selbst zu Euch sprechen, damit ihr vielleicht ein bisschen selbst erleben könnt, was ich erlebte. 

DSCN0430_(800_x_600)Ich sah Papst Franziskus zum ersten Mal. Er hat meine hohen Erwartungen übertroffen. Seine Worte sollten am Besten in Stein gemeißelt werden und sein Auftreten spricht Bände. Die Jugendlichen strahlten vor Begeisterung für den Papst und der Papst strahlte zurück! Nehmt Euch die Zeit und seht Euch den Impuls an: PS: Ab Min 16 beginnt seine Ansprache!



„Seid Revolutionäre!“

2013.09.27_21.11.30_01_(800_x_600)Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass ein Papst in unserer Zeit weltweit derart Zuspruch erfährt, wie wir das heute mit Franziskus erleben? Seine Person und seine Botschaft lassen mich nicht los. Hier gebe ich wieder, was ich beim x-Fest für Jugendliche in Linz sagte, weil ich glaube, dass die Sätze des Papstes auch mit großem Gewinn nachgelesen werden können. Diesmal also ein längerer Impuls – Papst Franziskus an die Jugend!

Ich sehe in der derzeitigen Aufnahme des Papstes zwei Gefahren: Zum einen gibt es in einigen katholischen Kreisen eine Skepsis, ja zuweilen sogar Verteufelung des Papstes, weil er nicht ins eigene Bild passt. Leute die meinen, die Wahrheit gepachtet zu haben, geben ihre Meinung als göttliche Privatoffenbarung aus und nannten im Internet Franziskus sogar den Antichristen. Mit ihm würde die Kirche ihrem Untergang entgegen gehen. Solche Stimmen sollten wir einfach weiter nicht ernst nehmen.

Zweitens ist da die allgemeine Euphorie. Auch sie kann ein falsches Papst-Bild liefern, weil durch sie die eigentliche Botschaft verstellt wird. Das Interesse der Medien liegt nämlich an Schlagzeilen. Deshalb sucht man nach Skandalen, Konflikten, der „Wende“, also einem „Bruch“ zum Beispiel zwischen Papst Benedikt und seinem Nachfolger – jedenfalls will man Sensation nach weltlichen Maßstäben. So fokussiert sich die Öffentlichkeit wieder auf einige Themen, die sie für so zentral hält. Wenn aber Papst-Aussagen nur danach abgeklopft werden, was er zu „heißen Eisen“ sagt oder wo man vielleicht eine Überraschung herbeireden kann, dann verschwinden die entscheidenden Themen für Kirche und Welt.

Beide Gefahren bestehen also darin, den Papst für eigene Interessen zu vereinnahmen. Deshalb brauchen wir ein unvoreingenommenes Hören, was er uns sagen will. Und da entdecke ich eine tiefe Kontinuität zwischen Papst Benedikt und Papst Franziskus. Papst Benedikt hat vorgedacht und brillant ausformuliert, das Franziskus nun illustriert. Oder wie mir kürzlich ein Italiener sagte: „Was Papst Benedikt gesät hat, kann nun Papst Franziskus ernten.“

Ich war selbst nicht beim Weltjugendtag 2013 in Rio dabei. Aber ich habe jetzt sämtliche Ansprachen des Papstes gelesen. Hier möchte ich einige Sätze herausgreifen und kommentieren, die mir besonders wichtig erscheinen.

Am Flughafen: Was der Papst mitgebracht hat

Flugzeugschatten in Wolke_(800_x_600)Der Papst landete aus Rom kommend in Rio und sagte dort: „Ich habe weder Gold noch Silber, aber ich bringe das Wertvollste, das mir gegeben wurde: Jesus Christus!“ Eine programmatische Ansage, die an seinen Grundsatz einer „armen Kirche für die Armen“ entspricht, um so Gott deutlicher herauszustellen und nicht durch eine Verweltlichung der Kirche zu verdecken. Der zitierte Satz ist eigentlich nicht vom Papst, sondern findet sich in Apg 3: Ein Gelähmter im Tempel bittet Petrus und Johannes um eine Spende. Petrus sagt: „Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, geh umher.“ (Apg 3,6) Der Papst tritt hier als Missionar auf; er will Christus bringen, nicht sich selbst (vgl. Papst Benedikt: Christus ist das Haupt der Kirche; „Gott ist alles, ich bin nichts“, wobei der deutsche Papst hier bei der Rücktrittsrede vor Kardinälen sich wiederum an den Konzilspapst Johannes XXIII. zitierte, der bald zusammen mit Johannes Paul II. heilig gesprochen wird.)

Maria – unsere Mutter: Aparecida

Am Morgen nach seiner Wahl suchte Papst Franziskus das Marienheiligtum Santa Maria Maggiore auf. Am Beginn des Aufenthalts in Brasilien machte er eine Wallfahrt nach Aparecida; dieses Marienheiligtum zieht jährlich 12 Mio. Pilger an. Dort sagte er: „Wenn die Kirche Christus sucht, klopft sie immer am Haus der Mutter an und bittet: ‚Zeige uns Jesus.‘ Von ihr lernt man die wahre Jüngerschaft. Und das ist der Grund, warum die Kirche immer auf den Spuren Marias in die Mission geht.“

MariaVor den Bischöfen Brasiliens kommt er wenige Tage später auf das Wunder von Aparecida zu sprechen: Fischer fanden vor Jahrhunderten nach einem leeren Fischfang im Wasser eine Marienstatue. Papst Franziskus sieht darin die Botschaft der Einfachheit: „Die einfachen Leute haben immer Platz, um dem Geheimnis Raum zu geben. Wir haben vielleicht unser Sprechen über das Geheimnis auf eine rationale Erklärung reduziert. Bei den Leuten kehrt aber das Geheimnis über das Herz ein.“ Und dann weiter die wichtigen Worte: „Die Kirche darf sich nicht von der Einfachheit entfernen, andernfalls verlernt sie die Sprache des Mysteriums. … Manchmal verlieren wir diejenigen, die uns nicht verstehen, weil wir die Einfachheit verlernt haben, da wir von außerhalb auch eine Rationalität einführen, die unseren Leuten fremd ist.“

„Bota fé – Tu Glauben dazu“

Versetzen wir uns auf den Weltjugendtag in Rio: Junge Pilger aus 175 Ländern sind gekommen; sie tragen T-Shirts mit religiösen Aufschriften, Flaggen, Käppchen, Kreuze. In der U-Bahn, am Strand, unterwegs singen und beten sie. Eine Stadt wird vom christlichen Geist verwandelt. Bis zur Abschlussmesse wächst diese junge Volksbewegung auf 3,6 Mio Leute an. In diese Stimmung hinein spricht der Papst: „Das Weltjugendtagskreuz hat diese Worte während seiner ganzen Pilgerreise durch Brasilien ausgerufen: ‚Tu Glauben dazu!‘“ Und dann ruft der Papst den vielen jungen Menschen zu: „Tu Glauben dazu – und dein Leben wird einen neuen Geschmack haben. … Tu Christus dazu – nimm ihn in dein Leben hinein und du wirst einen Freund finden, auf den du dich immer verlassen kannst.“

Typisch für ihn fordert er die Leute direkt heraus: „Fragen wir uns ehrlich: In wen setzen wir unser Vertrauen? In uns selbst, in materielle Dinge oder in Jesus? Wir sind versucht, uns selbst in den Mittelpunkt zu stellen, zu glauben, dass es an uns allein liegt, unser Leben aufzubauen, oder dass Besitz, Geld, Macht es glücklich machen.“

Ich möchte das aufnehmen und weiter fragen – dich ganz persönlich: Woran denkst du, wenn du die Gegenwart anschaust oder die Zukunft planst? Worauf setzt du? Wohinein investierst du etwas? Fallen dir da jetzt nur Schule, Studium, Arbeit, Kleidung, Beziehung, Urlaub ein? Dann kehre heute um und sag Jesus: „Ich möchte, dass Du in meinem Leben ab jetzt überall dabei bist! Überall du mit mir und ich mit dir.“

Die Revolution des Glaubens

„Liebe Freunde, der Glaube vollbringt in unserem Leben eine Revolution, die wir kopernikanisch nennen können. Denn er rückt uns aus dem Mittelpunkt heraus und stellt Gott wieder in die Mitte.“ Hier verwendet der Papst ein schönes Bild: Nicht mehr wir sind im Zentrum (wie beim geozentrischen Weltbild sich alles um die Erde dreht), sondern wir drehen uns um die Sonne (heliozentrisches Weltbild). Von ihr empfangen wir Licht und Wärme, ohne die Sonne könnte es kein Leben auf unserem Planeten geben. Schon die frühen Christen haben in der Sonne ein Bild für Christus gesehen: Er ist unsere Mitte.

DownloadDer Papst ruft die jungen Menschen also zu einer Revolution auf. Zu den tausenden Helfern beim Weltjugendtag sagte er: „Ich bitte euch, Revolutionäre zu sein, gegen den Strom zu schwimmen, gegen die Kultur des Provisorischen zu rebellieren. Habt Mut euch für das ganze Leben zu verpflichten, endgültige Entscheidungen ‚für immer‘ zu treffen.

Zu jungen Argentiniern sagte der Papst bei einem Sondertreffen mit seinen Landsleuten, bevor es so richtig los ging: „Ich möchte euch sagen, welche Wirkung ich vom Weltjugendtag erhoffe: Ich hoffe, dass es einen Wirbel gibt! … Ich will, dass ihr auch in den Diözesen Wirbel macht, ich will, dass ihr hinausgeht, dass die Kirche auf die Straßen hinausgeht, ich will, dass wir standhalten gegen alle Weltlichkeit, Unbeweglichkeit, Bequemlichkeit, gegen den Klerikalismus und alles In-sich-verschlossen-sein.“

Missionare werden

An die Bischöfe richtete der Papst diese Worte: „In den jungen Menschen soll der Wunsch entbrennen, missionarische Jünger zu sein. Sicher, viele erschrecken bei diesem Gedanken. Sie meinen, das bedeute, das Land, die Familie, die Freunde zu verlassen. … Helfen wir den jungen Menschen, sich bewusst zu werden, dass missionarische Jünger zu sein eine logische Konsequenz des Getauftseins ist, ein wesentlicher Teil des Christseins, und dass der erste Ort an dem das Evangelium zu verkünden ist, das eigene Haus, das Umfeld von Studium oder Arbeit, die Familie oder die Freunde sind.

Das bedeutet freilich nicht, anderen mit dem Glauben auf die Nerven zu gehen, sie im negativen Sinn zu „missionieren“! Gerne zitiert der Papst seinen Namenspatron Franz von Assisi: „Verkünde immer und überall das Evangelium, wenn nötig auch mit Worten.“ Mission bedeutet also, anders zu leben, auf einen Anderen hinzuweisen, mehr durch das Leben als durch Worte, sodass die Menschen neugierig werden und fragen: „Woraus lebst Du?“

Werdet Athleten Gottes!

Bei der Vigilfeier am Samstag Abend auf dem weltberühmten Strand der Copacabana rief der Papst den Jugendlichen zu: „Die meisten von euch lieben den Sport. Dafür muss man aber trainieren, viel trainieren. So ist es auch in unserem Leben als Jünger des Herrn. … Jesus bietet uns etwas Größeres als den Weltcup! Er bietet uns die Möglichkeit eines glücklichen Lebens, und er bietet uns auch eine Zukunft mit ihm, die kein Ende haben wird, das ewige Leben. Aber er bittet uns zu trainieren, um in Form zu bleiben, um allen Situationen des Lebens ohne Angst zu begegnen und dabei unseren Glauben zu bekennen.“

Zum Abschied: „Betet für mich!“

Wie sehr ihm das Gebet der Jugend für ihn selbst am Herzen liegt, wurde bereits deutlich beim Treffen mit den jungen Menschen aus Argentinien in der Kathedrale von Rio de Janeriro. Da sagte der Papst nicht nur so beim Vorbeigehen und formhalber, man möge für ihn beten. Eindringlich bat, ja flehte er die jungen Menschen an: „Danke, dass ihr gekommen seid. Danke, dass ihr für mich betet. Ich bitte euch von Herzen darum, ich brauche es. Ich brauche eure Gebete, ich brauche sie sehr. Danke dafür.“

Die letzten Worte von Papst Franziskus in Brasilien vor dem Rückflug nach Rom waren dann auch am Flughafen: „Vergesst nicht für den Papst zu beten. Der Papst braucht das Gebet von euch allen. Ich umarme Euch alle!“

3 Antworten zu “Impulse Oktober 2013

  1. maria regina

    *Quo vadis, Domine?*
    +Ich gehe denen entgegen, die mich lieben… Sie folgen meinen Spuren.
    Ich werde ihnen mein Herz und meine Arme öffnen. Ich schenke der Welt erneut Worte des ewigen Lebens, durch H#nde und Stimmen.
    Ich gehe nach Rom, um erneut meine Fu3spuren zu hinterlassen.+

  2. Fabian Buchegger

    Gefällt mir sehr gut: Und dann kann tagsüber und auch abends daherkommen, was da will: das geistliche Fundament ist schon gelegt!

  3. Hartmut W. Fischer

    Gefällt mir als Idee auch gut. Aber ich könnte so früh morgens noch keinen klaren Gedanken fassen.

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