Impulse Oktober 2012

Schreibe Deine Einschätzung in einem Kommentar unterhalb der Impulse von P. Bernhard!

Gott dient uns II (31.10.2012)

Am Montag stellten wir einen Impuls ins Netz den wir eigentlich schon eine Woche vorher veröffentlichen wollten. Aber wie so oft im Leben – es kommt bei nicht geplanten Dingen etwas Gutes heraus. Nämlich, dass meine Zeilen auch für den vergangenen Sonntag passen, zu Bartimäus und wie Jesus ihn heilt. Ich schicke Euch die Gedanken dazu von einem 20-Jährigen, der außerhalb Oberösterreichs die Impulse verfolgt und Gott ganz tief erfasst. Diesmal also ein Impuls von einem der Leser – „Gott dient uns, Teil II“:

Die Tatsache, dass Jesus, der Sohn Gottes, Mensch wurde und zwar ganz Mensch wurde außer der Sünder, ist wohl eine der größten und befreiensten Botschaften des Christentums überhaupt. Nur so kann Gott spürbar werden, nämlich als Diener aller.

Gott kommt ganz zu uns und bleibt nicht irgendein unantastbares und furchterregendes Wesen irgendwo in den Weiten des „Himmels“. Er kennt die Nöte der Menschen nicht nur von der Ferne sondern hat sie „hautnah“ erfahren. So kann er und so will er uns dienen, als Mensch und Gott zu gleich, als ewiger Hohepriester. Er öffnet nicht nur dem blinden Bartimäus die organischen Augen, sondern vielmehr die Augen des Herzens und möchte dies auch uns schenken. Jeden Tag stellt Gott seine Dienste, Hilfestellungen und Wegweiser aus den Erfahrungen seines Menschseins für uns bereit. Wir sollten wirklich die Augen öffnen für „das wunderbare an seiner Weisung“.

Gott dient uns (29.10.2012)

Gottesdienst – wir denken wohl zuerst daran, dass wir da Gott dienen. Und das ist auch recht so: Als Antwort für sein Wort dienen wir ihm. Aber genauso richtig ist, dass Gott uns zuerst dient – Gottesdienst! Er gibt uns alles, was wir haben und was wir brauchen.

Lesungen und das Evangelium dieses Sonntags nehmen den Dienst im Blick. Und da habe ich – zufällig? – heute bei meiner lectio divina in der Früh eine passende Stelle in der Psalmenauslegung des hl. Augustinus gelesen: „Mit Knechtsgestalt bekleidete sich Jesus Christus, sich selbst entleerend, damit du vor seinen Reichtümern nicht zurückschreckst und dich mit deiner Armut nicht zu ihm hinzutreten dich getraust. Hören wir also Christus, den Armen, in uns, und mit uns, und für uns.“

Ja, wenn Jesus als Herrscher in feinen Gewändern, von allen angehimmelt die Not nie kennengelernt hätte, dann würde er für uns in weite Ferne rücken. Doch er wurde in armen, verworrenen Familienverhältnissen geboren, litt Schmach und Verachtung, starb letztlich verkannt und einsam – um dadurch in die Herrlichkeit des Vaters einzugehen. Deshalb ist er uns so nahe, und deshalb können wir ihm unsere Armseligkeit und Unfähigkeit übergeben – denn er lebt in uns, mit uns und für uns, wie der hl. Augustinus schreibt.

Alte Menschen (19.10.2012)

Gestern habe ich in meinem Blog von Johann, dem 80-jährigen Fischer erzählt, der den Almsee kennt wie sonst niemand. Ich schaue gerne bei ihm vorbei.

In meinem Leben haben alte Menschen schon immer eine große Rolle gespielt: meine beiden Omas, die Aschinger Nandl am Wolfgangsee (wo wir Urlaub machten), alte Mönche in verschiedenen Klöstern.

Nehmt Euch Zeit für alte Menschen! Und Euer Leben wird nachdenklicher, tiefsinniger, innerlicher.

„Des bringen wir net z’sam!“ (18.10.2012)

Wenn ich in meiner hektischen Welt und meinem manchmal allzu nervösen Inneren zur Ruhe komme, erscheint öfters ein Bild von letzter Woche: Johann, der 80-jährige Fischer am Almsee, hat mich am Seeufer sitzen gesehen und mich auf eine Entdeckungsreise mitgenommen: Er zeigte mir die Plätze, wo die Forellen und Saiblinge im Wasser stehen (welche benediktinische Haltung des Bei-Sich-Seins sie verkörpern!), welche Wasserpflanzen im seichten See man durch die schräge Einstrahlung der Herbstsonne sieht, wie verschiedenartig der Seeboden beschaffen ist.

Dann erklärte mir der alte Fischer, dass in nächster Zeit die Fische ablaichen und wie sie das machen; wie die Enten und Schwäne den Winter überleben; wie der Kreislauf der Natur Leben ermöglicht und Pflanzen, Tiere und Gestein zusammenwirken. Eine tiefsinnige Stille, in die Johann hineinspricht: „Des bringen wir net z’sam!“

Ja, diese Harmonie und dieses Sinngefüge bringen wir nicht zustande. Deshalb ist es so wichtig, Zeit in der Natur zu verbringen! Damit wir mit unserem Können und unserer selbstgemachten Welt auf etwas Größeres, unabhängig von uns Existierendes verwiesen werden…

P.S.: Der 80-jährige Fischer am Almsee wundert sich übrigens, dass in den letzten Jahren mehr junge Frauen mit Hunden spazieren gehen als mit Kindern. „Merkwürdig, unsere Zeit“, bemerkt Johann. Um dann hinzuzufügen: „Auch das wird sich wieder ändern.“

Berufen zum inneren Leben (17.10.2012)

Ich bleibe noch am Almsee hängen. Was möchte ich Euch nach diesen Tagen sagen? Kehrt immer wieder in die Tiefe Eurer Seele ein! Bei der Gebetsecke in Eurem Zimmer, in der Natur, in einer Kirche, bei der Ihr täglich vorbeigeht oder vorbeifährt.

Am Almsee habe ich ein junges Paar gesehen, das lange einfach nebeneinandergesessen ist und gemeinsam schwieg. Der innige Austausch geschah auf einer anderen, innig-innerlichen und non-verbalen Ebene. Wenn Ihr einen Partner, eine Freundin oder einen Freund habt: Schweigt auch miteinander! „Die Erfahrung lehrt uns, dass Liebe nicht darin besteht, einander anzusehen, sondern in die gleiche Richtung zu blicken.” (Antoine de Saint-Exupéry)

Und wenn Du Single bist, nimm es als Deine (derzeitige) Berufung: Gott ist der, der neben Dir sitzt und vor Dir geht, mit Dir alles empfindet und lebt. Die stillen Zeiten sollen für Dich nicht bedrückend, sondern ein Segen sein; weil Gott an die Stelle von Menschen treten und alles für Dich werden kann!

Wer immer Du bist: Nimm Deine Berufung wahr – nicht zum oberflächlichen, äußerlichen, sondern zum innerlichen Leben, das nährt und zufrieden macht, das Dich stärkt zum Widerstand gegen die laute, rastlose Welt. 

Die Entdeckung der Stille (15.10.2012)

In den kürzlich verbrachten drei Tagen am Almsee dachte ich an die Woche mit 25 jungen Leuten im Juli. Auch da haben wir öfters geschwiegen. Als ich diesmal so am See entlang ging, sah ich förmlich vor mir die einzelnen Gottsucher vor drei Monaten mit der Bibel in der Hand, oder einfach ins Wasser oder auf die Berge schauend. Vorübergehenden hatte ich gesagt, sie sollen nicht laut reden, damit sie die Gebetsübungen nicht stören würden. Diese fremden Touristen oder Spaziergeher waren dann sehr verständnisvoll gewesen – und auch seltsam berührt, dass junge Menschen einfach bewusst schweigen.

Diesmal habe ich niemandem gesagt, es wolle jemand am See innere Einkehr halten. Aber gewundert habe ich mich, warum die Leute immer reden müssen. Und was für belangloses Zeug! Ein älteres Ehepaar auf einer Bank neben mir analysiert, wie komisch einige Bekannte sind – und verpasst dabei die Harmonie der Landschaft, die sich erst in der Stille offenbart. Oder zwei Frauen mittleren Alters, die mir beim Gang am See entgegenkommen und sich irgendetwas atemlos erzählen (kurz schien mir, als würden beide zugleich sprechen) und gar nicht innehalten können, um den ruhigen See, die Tiere, den aufsteigenden Nebel in Bergeshöhen zu betrachten!

Dann war ich wieder alleine und verstand, warum sich Gott vor allem in der Stille zeigt – lautlos, aber spürbar.

1932 – 1962 – 2012 (11.10.2012)

Heute vor 80 Jahren wurden im neuen Exerzitienhaus Subiaco in Kremsmünster, die ersten Exerzitien begonnen und heute vor 50 Jahren wurde das Konzil eröffnet.

Ein wichtiger Zusammenhang leuchtet das für mich auf: Die Erneuerung der Kirche und ihre Relevanz für heute kommt von einer geistlichen Neubesinnung, die ganz persönlich anfängt.

So müssen auch wir im Jahr 2012 uns geistlich ausrichten, damit die Kirche  in die Zukunft aufbricht. Der Beginn von unserem Subiaco und dem II Vatikanischem Konzil liegen hinter uns. Bauen wir darauf auf! In unserer Art und Weise. Und ich deute es als keinen Zufall, dass ich gerade in diesen Tagen am Almsee alleine Einkehr halte…

Geschenk, Christ zu sein (03.10.2012)

Heute schrieb mir jemand eine e-mail, wo sich die junge Frau familiäre Sorgen macht. Und dann bekannte sie, wie wichtig da der Glaube für sie sei – und sie schloss ihren Brief mit den schönen Worten: „Christin zu sein ist immer schön, aber gerade in schwereren Zeiten ist es ein großes Geschenk.“

Kreativität inmitten des Sturms (02.10.2012)

Ich bin jetzt wieder aus Rom zurück und denke noch an viele Begegnungen und Eindrücke. Am Tag vor unserer Rückfahrt habe ich noch einen „alten Bekannten“ aus meiner Studienzeit getroffen, damals ein angesehener Theologe in den USA, jetzt ein Erzbischof unter vielen im Vatikan. Er lädt mich immer, wenn ich in Rom bin, zu einem Mittagessen ein, wo wir dann bis gegen Abend reden. Selbst das strengt an, auch wenn es beflügelt.

Die vergangenen drei Wochen in der Ewigen Stadt haben doch ihre Spuren bei mir hinterlassen. Ich bin müde und fühle mich überwältigt von allem, was auf mich wartet: Post erledigen, Schulstunden vorbereiten, Sitzungen, die Vorträge von Mehrwert Glaube und Treffpunkt Benedikt vorbereiten, eine PGR-Klausur für Grünau am gleichen Wochenende und einen Einkehrnachmittag bei den Benediktinerinnen von Steinerkirchen ausgerechnet am kommenden Sonntag, wo ich auch zwei Mal eine Predigt zur Eröffnung des Zweiten Vatikanums in der Stiftskirche halten soll. Ich zähle das auf, um Euch zu sagen: Mir geht es wie Euch! Manchmal ist es einfach zu viel.

Wirklich? Es kommt darauf an, wie man die Sachen sieht. Ich habe ja noch Zeit und weiß schon jetzt, was ich wo in etwa sagen will. Und ich merke, dass wahr ist, was Mortimer J. Adler geschrieben hat: „Man muss sich hin und wieder etwas Zeit gönnen, in der man nichts tut, damit Dinge geschehen, die unsere Gedanken anregen.“

Woher ich diese Worte habe? Von einer lieben Person, die sie mir heute mit einem Vitaminpräparat für die nächsten Tage gegeben hat. Ich habe es heute schon versucht: Pausen einlegen, Spazieren gehen – und schon geht manches leichter. Deshalb auch für Euch diese Worte:  „Man muss sich hin und wieder etwas Zeit gönnen, in der man nichts tut, damit Dinge geschehen, die unsere Gedanken anregen.“

3 Antworten zu “Impulse Oktober 2012

  1. Danke für die wunderbaren Impulse! Erwarte sie immer schon! Lob und Preis dem Herrn!

  2. Pater Bernhard ist ein klasser Kerl, ebenso feingeist P. Maximilian, P.Franz, P. Siegfried…Abt Ambros nicht zu vergessen u.v.m. >Gut, dass es euch gibt!<

  3. maria regina

    Wahrlich, „In der Ruhe liegt die Kraft“, danke für die Erinnerung daran. Es tut so gut, alles Loszulassen, im Gehen, im Stehen, im Sitzen oder noch besser, alles zu sehr Bedrückende dem Herrn bei einer ehrlichen Beichte übergeben.Der Auferstandene Jesus lebt ewig und wir mit ihm, wenn wir nur unser Herz ihm öffnen. Alles Liebe!