Impulse November 2014

Gottes Sklave (11.11.2014)

Ich sitze gerade einem feinen Hotelzimmer in Chicago, wo ich bei einer nationalen Konferenz von Ordensleuten bin, die allesamt in der Berufungspastoral arbeiten. Wir hatten gerade die Eucharistiefeier, gefolgt von einem typisch amerikanischen Frühstück (Omeletten, pancakes mit bacon und mapel sirup und natürlich orange juice – der amerikanische Kaffee war erwartungsgemäß schlecht, ich werde morgen wieder Tee trinken).

In der Messe packten mich die ersten Worte der Lesung. Da steht im Titusbrief gleich am Beginn: „Ich, Paulus, Sklave Gottes!“ Die ganze Feier hindurch wiederholte ich: „Sklave Gottes!“ Nun habe ich im Hotelzimmer nachgesehen: Die King James Bible, die in allen Zimmern des Marriott Hotels aufliegt, schreibt von „bondservant of God“ (was immer das heißen soll), die von mir mitgebrachte Good News Bible übersetzt „servant of God“ und unsere Einheitsübersetzung schreibt „Knecht Gottes“.

„Sklave Gottes“ – das hat mich erfasst, wie es die anderen Worte nicht tun. Ich schaue nach (dank Internetzugang am Zimmer), wie das altgriechische Wort heißt: doulos! Ja, Sklave! Die in der katholischen Liturgie der USA verwendete New American Bible übersetzt dieses Wort also ganz richtig: Paulus verstand sich als Sklave Gottes! Mich treffen diese Worte hier wahrscheinlich deshalb so, weil ich berührt bin von den vielen Ordensleuten, die eine große Ausstrahlung haben. „Vocation Directors“ sind ja in ihren Gemeinschaften nicht gerade die, welche im religiösen Leben kaum Sinn finden, sondern es sind gesunde Menschen, die ihre Lebensform für andere anziehend machen können.

Unter ihnen saß ich also in der Früh und hörte: „Ich bin ein Sklave Gottes.“ Welche Freiheit liegt in diesen Worten! Ein Sklave ist ganz seinem Herrn, der zu dienenden Familie verpflichtet. Wir wissen, dass die Sklaven in der Antike zum Haushalt gehörten und zumeist wertgeschätzt, ja geliebt wurden. Deshalb empfiehlt Paulus dem entlaufenen Skalven Onesimus sogar, wieder zu seinem Herrn zurückzukehren. Wie der Knecht und die Magd auf dem Bauernhof oder das aupair-Mädchen aus Schweden im Linzer Haus am Froschberg waren Sklaven damals nicht nur ausgebeutete Menschen. Aber sie waren nicht frei, sie hatten nicht die gleichen Rechte und Chancen wie die Freien, man konnte mit ihnen willkürlich verfahren. Sie waren also ausgeliefert der Willkür anderer. Was nun, wenn ich Sklave meines Schöpfers werde?

Mir kann nichts Besseres passieren, als wenn ich mich ganz Gott unterstelle und auf ihn angewiesen bin. Dann bin ich nämlich unabhängig von den anderen Herren, den einflussreichen Personen dieser Welt, den Zwängen des Zeitgeistes, den Gewohnheiten der Masse. Als Christ, als Benediktinermönch, als Priester möchte ich nichts anderes sein als Sklave Gottes. Die Bindung an ihn und die absolute Abhängigkeit von ihm ist meine Freiheit!

Eine großartige Generation wächst heran! (03.11.2014)

Ich bin ein Fan der heutigen Jugend und ich werde es immer mehr, je deutlicher sich meine Welt von der junger Menschen wegbewegt und ich aus der Distanz die frischen Gesichter und unbefangenen Kommentare betrachte und höre. Junge Menschen engagieren sich, leben überlegt und haben ein feines Gespür, ob etwas echt oder aufgesetzt ist. Ich bin gerne in ihrer Gegenwart und erhalte wesentliche Impulse für mein Leben von ihnen. Ich danke für die vielen Begegnungen – und dass mir junge Menschen ihre Zeit und Aufmerksamkeit schenken. Ich schätze mir, sie zu meinen Freunden zu zählen.

Ob meine Schüler und Studenten, die begeisterten Katholiken bei diversen kirchlichen Festen oder die kritischen Jugendlichen auf den Straßen, die mich schräg ansehen, wenn sie mich im Benediktinerhabit sehen, sie alle sind mir ans Herz gewachsen. Ein Leben ohne ihnen wäre nicht mein Leben.

Ich mache mir keine Sorgen um die Zukunft unserer Welt und unserer Kirche. Sie ist in guten Händen!

Eine Antwort zu “Impulse November 2014

  1. Gabriele Mayr,

    Dieser Text “ Gottes Sklave“ – Freiheit hat mich zutiefst berührt.

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