Impulse November 2013

Schreibe Deine Einschätzung in einem Kommentar unterhalb der Impulse von P. Bernhard!

Aufgrund des Christkönig Jugendfestivals kam es zu einer kurzen Pause bei den Impulsen, die wir nun versuchen aufzuholen ;-).

Mönch im Zug! (20.11.2013)

Vielleicht fragt Ihr Euch, wie es denn so ist, als Mönch in der Öffentlichkeit zu sein. Naja, das kommt darauf an, ob ich mit dem Habit unterwegs bin oder nicht. Wenn ich spazieren gehe oder mit P. David im Kino bin, dann falle ich nicht besonders auf (obwohl manche behaupten, mein Verhalten sei schräg und es sei gut, dass ich meistens hinter Klostermauern bin J). Aber wenn ich im schwarzen Habit jemanden am Bahnhof in Wels abhole oder über die Landstraße meiner Heimatstadt Linz gehe, dann ist das so, wie wenn ein Känguru plötzlich auftaucht: Alle schauen mich an, oft mit offenem Mund und mustern mich, ja: als wäre ich ein Känguru.

Jetzt war ich vor kurzem in der Bahn die Attraktion. Auf der Rückfahrt von einer Sitzung in München nach Wels nahm ich den Zug über Plattling und Passau, weil es zeitlich günstiger schien. Mit dem Laptop vor mir saß ich eigentlich recht harmlos und auch ganz vertieft da, trotzdem traten die Leute immer wieder mit mir in Kontakt. Das war schon bei der Hinfahrt nach München so gewesen, wo mich eine Frau am Bahnsteig in Wels anredete, die mich bei einer Primizpredigt gehört hatte und nun mir mit bis Vöcklabruck recht nett sprach. Mich wundert ja, wie persönlich die Leute da gleich werden und mir ihr Innerstes offenbaren. Letztes Jahr redete mich zwischen Nürnberg und Regensburg ein Mann an, der im Zug beichten wollte und das dann auch ganz ernsthaft tat. Jemand anderer fragte mich um Rat in einer schwierigen Beziehung.

Bei der Fahrt vor kurzem nach München stiegen dann in Salzburg Schüler zu. In solchen Situationen wird manchmal schräg geschaut oder auch etwas gewitzelt. Natürlich möchte ich in solchen Situationen nett sein, auch wenn ich eigentlich eine Ruhe haben möchte. Es hilft, junge Leute bewusst anzulächeln oder sie sogar anzusprechen. Das erwarten sie nicht – und plötzlich sind sie ganz normal und interessiert.

Nun war ich also am Weg zurück nach Wels. Im überfüllten Zug setzte ich mich gegenüber einer vielleicht 50-jährige Frau. Sie fragte nach einigem Zögern, ob ich nicht Benediktiner sei. Sie wohnt in Metten, wo es ein Benediktinerkloster gibt, und ihr Mann arbeitet im Kloster. Wir redeten über einige Mönche, die wir beide kennen. Sie freute sich sichtlich, dass ich ihr gegenüber saß. Ein junger Mann setzte sich neben mir hin. Er schaute mich immer wieder von oben bis unten interessiert an und guckte verstohlen auf meinen Bildschirm. Ich erledigte gerade e-mails. Als ich eine italienische Mail beantwortete, schaute er mich wieder groß von oben bis unten an; sein Gesicht hätte ich gerne gesehen – aber ich konnte ihn doch nicht so anstarren wie er mich!

Durch den Lautsprecher wurde eine Zugverspätung gemeldet. Ich hatte in Plattling nur sechs Minuten bis zum Anschlusszug. Würde sich das ausgehen? Der Bursche neben mir empfahl mir, doch der Schaffnerin zu sagen, sie solle den ICE informieren, dass er wartet. Die war dann recht höflich und sagte, sie würde ihr Möglichstes tun. Als sich herausstellte, dass der Zug eine zu große Verspätung hatte, um den Anschluss zu erreichen, sagte die Frau mir gegenüber im Spaß, dann könne ich ja mit ihr nach Metten fahren und im Kloster übernachten. Längst schon waren die Leute rundherum Teil unseres Gesprächs. Der eine meinte: „Nein, Herr Pater, machen Sie sich keine Sorgen. Die Züge aus Nürnberg sind oft verspätet, das gleicht sich dann wieder aus.“ Eine Frau fragte interessiert, von welchem Kloster ich sei.

Als Ordensmann bin ich mit meinem Habit eine „öffentliche Person“, das merke ich immer wieder. Wie hier im Zug: Da bin ich automatisch ein „Objekt“ des Interesses, ein Mensch, mit dem man leicht Kontakt aufnehmen kann, der den anderen irgendwie gehört, nicht nur sich selbst. Vielleicht weil er Gott gehört?

Als das Mädchen von der Nachbarsitzgruppe, das sonst die Augen geschlossen hatte und mit Ohrstöpsel für die Umgebung unzugänglich war, ausstieg, wünschte sie mir mit strahlenden Augen eine gute Weiterfahrt und dass ich den Zug noch erwische. Ich sagte darauf (wohl ziemlich laut, ich bin ja Lehrer): „Die Menschen sind schon sehr freundlich, ist das überall in Bayern so?“ Da lachten die Leute und schauten mich freundlich an. Dieses Gefühl bekomme ich öfters, wenn ich in einer mir sonst fremden Pfarrgemeinde nach der Messe hinausgehe oder mit Menschen in der Öffentlichkeit ins Gespräch komme: „Schön, dass sie da sind; interessant, wie sie leben; gut, dass sie das Ordensgewand tragen.“ Manchmal treffen mich Blicke fremder Personen, die mir bedeuten wollen: „Auch mir ist Gott wichtig, mit Ihnen fühle ich mich sehr verbunden.“ Z.B. jetzt in München, wo mehrere Personen mir auf der Straße zunickten oder laut zu mir „Grüß Gott!“ sagten.

Es stimmt nicht, dass die Leute mit Religion nichts anzufangen wissen und nur über einen Mönch witzeln. Das tun sie manchmal, dies ist aber mehr ein Zeichen ihrer Unsicherheit angesichts eines fremd anmutenden Menschen. Wenn es zum Gespräch kommt, sind sie meistens sehr freundlich und dankbar. Manchen ist schon herausgerutscht: „Sie sind ja ganz normal, sympathisch, da hat man das Gefühl, sie sind nicht nur deshalb im Kloster, weil sie sonst das Leben nicht schaffen würden.“ Und manche vertrauen mir an, wie wichtig ihnen geistliche Dinge sind.

„Ihr seid nicht für euch geweiht worden, sondern für die Menschen“, sagte Papst Franziskus einmal Priestern. „Nehmt den Geruch der Schafe an, mischt euch unter sie!“ Ich habe nicht das Gefühl, dass ich besser bin. Und ich habe nicht das Gefühl, dass die Menschen in der Öffentlichkeit mit mir als Mönch nichts anfangen können. Ich bin für sie da, ob es mir gerade hineinpasst oder nicht. Und beim Tagesrückblick in meiner Klosterzelle halte ich sie alle mir nochmals vor Augen, auch wenn ich sie in dieser Welt nie wieder sehen werde.

 

Gott macht glücklich (18.11.2013)

Fünf Mal habe ich in den bisher fast 120 Blogeinträgen von Martina berichtet. Heute möchte ich einfach ihren neuesten Brief zu lesen geben, der für sich spricht und mich beeindruckt. Martina ist glücklich. Sie hat (zumindest für jetzt) gefunden, wonach sie suchte. Gott hat sie glücklich gemacht. Er allein genügt. Eine Botschaft für uns alle!

Martina Okt. 2013 - Brief 3 Martina Okt. 2013 - Brief 2 Martina Okt. 2013 - Brief 1

3 Antworten zu “Impulse November 2013

  1. Den Känguru-Effekt kann ich bestätigen! Am Wochenende sind wir mit Pater Franz durch die Linzer Landstraße spaziert und es war sehr interessant zuzusehen, wie sich die Leute umgedreht haben und ihn ganz verwundert angestarrt haben! Während eines Telefonates von ihm haben wir von etwas abseits die vorbeigehenden Menschen beobachtet – fast alle haben ihn neugierig angesehen und sich oft sogar nochmal umgedreht! 😀 Und die erstaunten Blicke als wir mit ihm in der Mitte sichtlich Spaß habend und völlig „normal“ plaudernd herumgewandert sind! Herrlich! 🙂

  2. ich find das echt genial!
    wie freundlich da alle sind.
    auch das mädchen das ohrstöppsel hatte, hat wohl interresiert zu gehört.
    mönche sind wohl was anziehendes 😉
    das merkt mann schon, den wer erzählt einem „normalen menschen“ schon seine inersten probleme!?
    ich find das schön das menschen bei mönchen offen werden!
    echt genialer impulse!

  3. also erst einmal: genialer Impuls! Es macht richtig Spaß, ihn zu lesen und ich musste einige Male sehr schmunzeln… Und er vermittelt absolut einen gegenteiligen Eindruck von der oft so beklagten, scheinbar nicht mehr vorhandenen Religion in der Außenwelt…

    zweitens: ich wollte eben genau die selbe Geschichte wie „Anonym“ berichten… 😉 Es war wirklich herrlich, die Reaktionen zu beobachten – ich muss sogar gestehen, dass wir das mal kurz aus einigem Abstand taten, und wirklich ganz egal welches Alter, die Leute haben hingeschaut…

    Vielleicht ist es genau das, was Notwendig ist: Dass es wieder einen Grund gibt, hinzuschaun. Einen Grund, dass man an den Glauben erinnert wird…

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