Impulse März 2015

Humor im Kloster (19.03.2015)

Auch wenn jetzt Fastenzeit ist, möchte ich von witzigen Situationen hinter Klostermauern berichten. Ja, richtig: Wir lachen viel bei unseren Zusammenkünften, aber auch beim Essen oder Gebet, wenn es eigentlich still sein sollte. Situationskomik kann schwer erzählt werden. Trotzdem möchte ich es versuchen – Ihr müsst Euch halt die Lage gut ausmalen:

Wir haben jetzt keine Mitarbeiterin mehr am Freitag Abend in der Küche (P. Franz rationalisiert). Bisher gab es, solange sich auch die älteren Mitbürder erinnern können, jeden Freitag eine Rahmsuppe (nicht wirklich gut, aber passend zum Fasttag). Nun gibt es eine klare Suppe, für die P. Altman vor der Vesper schon den Herd aufdreht, damit sie dann eine halbe Stunde später essbereit ist. Mit einer Rahmsuppe würde das nicht gehen, sie würde ohne Umrühren anbrennen. – Als es das erste Mal aufgrund der Küchenumstellung am Freitag Abend keine Rahmsuppe gab, kam es zu revolutionsartigen Aufständen. Natürlich nur verbal und mit hinterlistigem Grinsen. P. Benno: „Eine Jahrhunderte lange Tradition wird plötzlich unterbrochen – keine Rahmsuppe am Freitag, das Kloster steht nicht mehr lange.“ P. Robert pflichtet ihm bei und sagt: „Schon Luitpirg hat ihrem Mann Herzog Tassilo die Rahmsuppe am Freitag Abend gemacht – das ist 1.200 Jahre alte Tradition. Ein wahrer Traditionsbruch!“ – Da musste ich sehr lachen, wie die beiden älteren Mitbrüder das kommentierten und sich auch nicht mehr beruhigten.

Unter den Jungen gibt es auch witzige Situationen. Gestern saßen fr. Fabian, fr. Philipp und ich abends noch beisammen. Wir kamen knapp zur Komplet, die in der Fastenzeit zusammen mit einer Anbetung und dem Fastensegen erst um 20:00 Uhr beginnt. Jederzeit war zu erwarten, dass die Turmuhr das Zeichen zum Aufstehen gibt. So setzte sich fr. Fabian gar nicht mehr nieder, sondern er stand als einziger, während fr. Philipp und ich so wie die anderen Mitbrüder sich noch niedersetzten, um dann gemeinsam beim Glockenschlag aufzustehen. Als Fabian so alleine dastand und signalisierte, es könne schon bald anfangen, lehnte sich Philipp zu mir rüber, deutete mit verschmitztem Gesicht zu fr. Fabian und flüsterte mir zu: „So ein Streber!“

Jahr der Orden (13.03.2015)

Rom154wWir stehen mitten Jahr der Orden, das Papst Franziskus ausgerufen hat. Und ich habe noch kein einziges Mal in meinen Impulsen darauf Bezug genommen. Womit könnte ich das besser als mit der neuesten Meldung von unserer Martina aus Rom? Sie war die ersten fünf Jahre bei praktisch jedem Treffpunkt Benedikt, wir haben sie vor eineinhalb Jahren in Rom bei unserer Pilgerfahrt mit Treffpunkt Benedikt besucht. Nun waren ihre Eltern bei Martinas Gemeinschaft der Missionarinnen der Nächstenliebe. Der Vater schrieb mir nach diesen Tagen in Rom spürbar bewegt:

„Martina ist sehr glücklich und lässt dich ganz herzlich grüßen. Auf meine Frage, ob ihr manchmal Zweifel an ihrem Weg kommen, antwortete sie: ‚An meiner Berufung habe ich nie Zweifel. Manchmal ist es schon schwer, aber das gehört dazu. Die Menschen wissen nicht, wie schön es sein kann, in einer Ordensberufung zu leben.‘ Eine zweite Familie einer Schwester, die schon länger in der Gemeinschaft ist, haben wir kennen gelernt. Ich fragte sie, ob sie traurig waren, als die Tochter zu den Schwestern von Mutter Theresa gegangen ist. Sie sagten: ‚Zuerst waren wir traurig, aber als wir gesehen haben, wie glücklich unsere Tochter ist, waren wir zufrieden. Und heute, nach 25 Jahren, ist sie noch immer glücklich.‘ Also wir hoffen auch, dass Martina so glücklich bleibt.“

Beten wir für Martina und alle, die in einen Orden eintreten wollen. Unterstützen wir die Menschen, die schon eingetreten sind oder sich das überlegen. Besonders jetzt im Jahr der Orden!

Zuviel Arbeit? (08.03.2015)

Vielleicht habe ich aus den letzten Jahren doch etwas gelernt. Die Arbeit (oder besser: das, was ich tun soll bzw. glaube tun zu müssen) hat oft das verdrängt, was ich tun wollte (oder besser: sein hätte können). Zumindest hinsichtlich meiner täglichen Lesung ist es so, dass ich heutzutage mindestens eine halbe Stunde an einem geistlichen Buch lese, egal wie viel Arbeit ansteht. Vielleicht lerne ich auf meine alten Tage doch noch etwas dazu. Oder ich werde gelassener und merke, dass es sich oft nicht gelohnt hat, der Schule, dem Studium, der Arbeit immer den Vorrang eingeräumt zu haben.

Anselm Grün kann da helfen – uns Perfektionisten und allen, die sich eher zu viel aufhalsen und den eigenen und fremden Erwartungen entsprechen wollen. Den weltweit bekanntesten Benediktiner habe ich mit unseren Novizen vor ein paar Wochen in Münsterschwarzach besucht, um mit ihm ein Interview für die benediktinische Zeitschrift „Erbe und Auftrag“ zu machen. Viele bedenkenswerte Gedanken kamen von ihm, u.a. auch zur Arbeit. Sie lassen sich so zusammenfassen: „Wenn ich die Arbeit nicht mehr schaffe, muss ich sie anders organisieren.“ Klingt einfach und stimmt auch: Wenn es zu viel wird, kann ich eben nicht so viel machen – jedenfalls über einen längeren Zeitraum hinweg nicht. Ich halse mir ja selbst oft zu viel auf. Und manchmal ist es nicht nur Arbeit, sondern auch was ich gerne tue und nicht abgeben möchte. An Schlaf und meiner Gesundheit darf ich nicht zu lange zehren. Deshalb könnten wir Anselm Grün auch so verstehen: „Wenn ich die Arbeit nicht mehr schaffe, muss ich mich anders organisieren.“

Auszeit – oder: In die Tiefe gehen

Hin und wieder (leider zu selten) gelingt es mir, einige Zeit auszusteigen. Mitbrüder und Freunde sagen dann, dass ich erholt ausschaue und glücklich wirke. Jetzt war wieder so eine Zeit: ein Tag am Almsee. Viel war los die letzten 14 Tage, eine dichte erfüllende Zeit; aber Vorsicht: Auch eine Ansammlung sinnvoller Tätigkeiten und beglückenden Begegnungen kann auszehren! Alles ging so seinen Weg, ich kam mir langsam vor wie im Laufrad, aus dem auszusteigen schwierig ist. Mitunter an einem Tag 12 reine Arbeitsstunden (wenn ich das in eine Liste für den Arbeitgeber eintragen müsste), dazu die Gebete in der Gemeinschaft und mit den Novizen, die Hl. Messe, die halbe Stunde Lesung, auf die ich nie verzichten möchte. Lauter guter, sinnvolle Sachen. Aber kaum das, was gerade im Kloster, auch im Leben eines jeden von uns Platz haben sollte: Muße, Durchatmen, Auslauf (des Körpers und des Geistes).

Ein Tag am Almsee, das ändert viel: In der Sonne am Balkon gesessen und auswendig einen Hymnus gesungen und langsam durchgegangen – mit geschlossenen Augen; eine Bibelstelle betrachtet; weiter in Blaise Pascals Pensées gelesen, diesmal diese wunderbaren Gedanken des Genies aus dem 17. Jh. mehr verdaut als in der üblichen halbstündigen Lesung der letzten Tage. Die schneebedeckten Berge betrachtet. Ein einfaches, kaltes Mahl gehalten (ich bin kein großer Koch, auch kein kleiner). Mittagsschlaf. Um den See gegangen – kurze Strecken auch im Laufschritt. Die Natur, die Sonne, die Schneelandschaft eingeatmet. Ausgiebige Dehnübungen im Zimmer. Lange, heiße Dusche. Mich auf den Abendvortrag für eine Pfarre vorbereitet. Erquickt von nur wenigen Stunden am Almsee dorthin gefahren. Wieder in den Alltag eingestiegen.

Ich wünsche mir, dass alle, die das lesen, überlegen: Wo kann ich auf meine Weise aus der Betriebsamkeit meiner Tage abtauchen (bevor sie oberflächlich werden) und eintauchen in einen anderen Rhythmus? Dafür brauche ich keine ganze Woche und auch keinen Flug in die Karibik. Nur umsetzen muss ich es (und nicht glauben, ständig verfügbar sein zu müssen und funktionieren zu sollen).

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