Impulse Juni 2013

Schreibe Deine Einschätzung in einem Kommentar unterhalb der Impulse von P. Bernhard!

Glaubensbekenntnis eines jungen Mannes (28.06.2013)

Ein Mensch in seinen 20ern hat mir in einer e-mail folgende Worte geschrieben, die ich einfach weitergeben möchte, weil sie zum Nachdenken anregen und viel Weisheit enthalten (er hat mir extra erlaubt, diese Worte hier zu bringen): „Ich bin dankbar für das, was ich habe und wer ich bin. Ich bin dankbar für das, was Gott mir noch schenken will, und bete, dass mein Stolz da nicht im Weg steht. Gleichzeitig möchte ich nicht nur nach meinem sturen Schädel leben, sondern meine Vorstellungen und Festlegungen, wie was zu sein hat, in Gottes Hände legen, um seinen Willen zu tun. Da gilt es ‚Gott auszuhalten‘, wie dein Freund, der Schweizer Jugendbischof, gesagt hat!

Ich glaube an das Leben in Fülle, das Jesus uns verspricht. Und ich glaube, dass diese Fülle darin besteht, Gott einfach um seiner selbst willen zu lieben, weil er es wert ist!“

Katastrophe und Neubeginn (25.06.2013)

In der Einführung zur ersten Lesung dieses Sonntags (Sacharja 12) habe ich im Schott die Worte gelesen: „Der Tod dieses Ungenannten war für das Volk eine Katastrophe, aber auch der Beginn einer vom Geist Gottes bewirkten Reue und Umkehr.“ Eine Katastrophe, der ein gottgeschenkter Neubeginn folgt!

Da dachte ich sogleich an die kleinen Katastrophen in meinem Leben und die größeren um mich herum, von anderen Menschen und von ganzen Institutionen oder Ländern. Dieser Satz sagt mir: Bleiben wir nicht stehen bei den Katastrophen, sondern schauen wir weiter, was danach kommt. Und das kann dann ein guter Anfang sein!

Übrigens steht hier nicht: Gott hat diese Katastrophe geschickt, weil er etwas zeigen oder bewirken wollte. Nein! Sondern es gibt Probleme, Abgründe, Verletzungen – und aus diesen will Gott etwas Neues machen. Reue und Umkehr, Trauer und Unsicherheit stehen am Anfang einer verheißungsvollen Zeit. Auch in Deinem Leben!

Die kleine Lüge (20.06.2013)

In der Früh lese ich Sprüche und Geschichten der alten Mönche. Jetzt bin ich gerade bei einer italienischen Ausgabe: Indem ich – mir bereits bekannte – Sentenzen in einer fremden Sprache lese, entdecke ich oft deren Aussagekraft neu. Aber ich stoße hier auch auf mir noch unbekannte Sinnsprüche („Apophthegmata“) und Schilderungen, die im Deutschen noch nicht erschienen sind (die religiöse Literatur der Antike ist in Französisch und Italienisch umfassender zugänglich als auf Deutsch). Heute habe ich eine Geschichte gelesen, die ich weitererzählen möchte.

Zwei Altväter in der ägyptischen Wüste des 4. Jahrhunderts lebten im Streit. Einer der beiden wurde krank. Da kam ein anderer Bruder, um ihn zu besuchen. Der kranke Altvater sagte zu ihm: „Zwischen mir und dem anderen Altvater herrscht Feindschaft. Ich möchte, dass Du ihn ermahnst, endlich mit mir Frieden zu schließen.“ Der Bruder antwortete: „Wenn Du das willst, werde ich ihn ermahnen.“

Zu Hause überlegte der Bruder, wie er den anderen Altvater zum Frieden bringen könnte; die Ermahnung, die ihm der kranke Altvater aufgetragen hatte, könnte in ihm den Zorn noch vermehren. Durch Gottes Wirken brachte ihm in diesem Moment ein anderer Bruder fünf Feigen und einige Brombeeren. Da nahm er die Hälfte dieser Früchte und machte sich auf zum Altvater, den zu ermahnen er versprochen hatte. Er sagte zu ihm: „Altvater, diese Früchte soll ich Dir von jenem kranken Altvater bringen.“ Da war der Altvater sehr erstaunt, weil sie doch im Streit lebten, und fragte den Bruder: „Dieser Altvater hat mir wirklich diese Früchte geschickt?“ – „Ja, Vater!“ Da freute sich der Altvater über diese Versöhnungsgeste.

Dann ging der Bruder wieder in seine Zelle. Er nahm die restlichen Früchte und brachte sie dem kranken Altvater mit den Worten: „Diese Früchte schickt Dir der Altvater, mit dem Du im Streit warst.“ Da fragte der kranke Altvater: „Wir sind also wieder im Frieden?“ – „Ja, dank Deiner Initiative und Deinen Gebeten.“

Die beiden Altväter wurden Freunde durch diese wenigen Früchte, die ihnen der Bruder gebracht hatte, indem er vorgab, dass sie ein Geschenk des jeweils anderen seien. Und sie haben nie erfahren, was der Bruder für sie gemacht hatte …

Diese Geschichte zeigt für mich, dass man aus Liebe auch ein wenig schummeln darf. Hätte der Bruder dem Altvater eine Standpauke gehalten, wie ihm der kranke Altvater aufgetragen hatte, so wäre es wohl noch mehr zum Streit gekommen. Niemand wollte nachgeben, der andere musste den ersten Schritt tun. Indem der Bruder vortäuschte, dass der jeweils andere mit den Früchten den um Vergebung bat, also einen Liebeserweis erbrachte, hat er die Herzen der beiden aufgeweicht und sie für den Frieden gewonnen. In irgendeiner Weise können auch wir vielleicht so etwas hin und wieder tun: Worte oder auch Dinge jemanden stellvertretend für jemanden anderen schenken. Es könnte z.B. ein solcher Satz passen, der viel verändert: „Du, ich war voll erstaunt, die Katharina hat dich gelobt und findet toll, wie Du dieses oder jenes machst. Also, die hat einen echten Respekt vor Dir – das hätte ich von ihr gar nicht gedacht.“ Und schon sieht Natascha die Katharina mit anderen Augen, obwohl sie dachte, dass die Kathi gegen sie (Naschi) etwas hat!

Was kann ich denen geben die Hungern?! (12.06.2013)
Heute möchte ich einfach aus der letzten Generalaudienz von Papst Franziskus zitieren:
„Ich fordere alle dazu auf, über das Problem des Verlusts und der Verschwendung von Nahrungsmitteln nachzudenken, um Wege und Möglichkeiten zu erschließen, um zur Solidarität und zum Teilen mit den Bedürftigsten zu kommen.“

Jetzt ist die Zeit, richtig zu leben! (05.06.2013)

Ich merke in Gesprächen und e-mails, dass jetzt für viele eine intensive Zeit kommt oder sie eigentlich schon mitten drin sind. Das Arbeitsjahr geht zu Ende, vieles muss noch erledigt und geschafft werden. In einem Gespräch mit einem jungen Menschen wurde uns beiden klar, dass solche Zeiten aber ein Risiko sind, das eigene Leben nicht mehr zu leben.

Diese Person sagte: „Ich schiebe alles auf, was mir eigentlich wichtig wäre. Ständig habe ich so viel zu tun und denke, morgen wird es besser sein – da kann ich dann wieder leben.“ Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Man sollte nicht zu viel aufschieben. Ich kenne Leute, die verschieben ihr eigentliches Leben immer auf die Zukunft: Wenn ich die Matura geschafft habe, dann wird es anders sein; wenn ich diese Prüfung, diesen Abschnitt hinter mir habe, dann …; wenn ich das Studium fertig habe, dann … Immer nur „dann“. Leben in der Zukunft – eine große Gefahr.

Deshalb mein heutiger Impuls: Lebt auch inmitten großer Anspannungen und Anforderungen so, wie Ihr leben wollt und sollt! Lasst Euch nicht nur von dem bestimmen, was getan werden muss! Ihr werdet sehen: So könnt Ihr praktisch genauso viel leisten, weil Ihr z.B. den ganzen Tag Euch auf den Abend freut, an dem Ihr einmal nicht lernt – und deshalb während des Tages mehr weiter bringt, als wenn auch der noch mit Lernen verplant ist.

Verschiebt Euer Leben nicht, das ist die beste Lernschule für die Zukunft. Denn sie wird immer irgendwie vollgestopft und stressig sein.

Straßenmission (03.06.2013)

Ich bin zwar nicht gerade schüchtern, aber auf fremde Leute zugehen und sie auf Gott ansprechen fällt mir nicht leicht. Nun sind wir Benediktiner von Kremsmünster aber in diesem Monat dran, das Zentrum der Orden im Herzen von Wien zu gestalten: Quo Vadis? – Stephansplatz 6, direkt neben dem Stephansdom im Gebäudekomplex des Erzbischofs, in der Passage zur Wollzeile. Schaut doch einmal vorbei, wenn Ihr in der Nähe seid!

Naja, in eine Auslage kann man ja schnell etwas hineinlegen. Und auch über das Ordensleben kluge Worte zu sagen ist nicht so schwer. Aber dieses Zentrum sieht vor, dass jede Ordensgemeinschaft auch eine Aktion am Stephansplatz macht. So sind P. Franz und ich angerückt mit kleinen Kerzen sowie Kärtchen mit Anregungen und Gebeten zur persönlichen Vertiefung. Aber wir waren nicht alleine. Wir hatten junge Leute, die gerade in Wien sind und mit uns in Verbindung stehen eingeladen – das Netzwerk von Treffpunkt Benedikt spannt sich ja dank Studienaufenthalten mittlerweile über Oberösterreich hinaus. Und da waren sie kürzer oder länger dabei, zehn spritzige Personen. Wir beteten und redeten in diesem Zentrum – und dann ging es hinaus.

P. Franz und ich fühlten uns wohl, weil wir nicht alleine waren. Früher wären vielleicht von Kremsmünster aus zwei Autos von Mönchen gekommen, heute taucht man eben mit Sympathisanten auf, die den benediktinischen Geist weiter tragen. Weniger Mitglieder im Kloster bedeutet nicht, weniger präsent zu sein! Im Habit fällt man im Zentrum Wiens natürlich auf. Aber die jungen Leute waren um uns – und das gab dem ganzen einen dynamischen Touch. Viele Menschen gingen einfach weiter und wollten sich nicht ansprechen lassen. Aber ein guter Teil blieb stehen und nahm unsere Aktion dankbar auf.

(hier der Text auf den Verteilern:)

Überall ist Gott gegenwärtig, so glauben wir, und die Augen des Herrn schauen an jedem Ort auf Gute und Böse.

Regel des Heiligen Benedikt 19,1

Mit diesem Teelicht laden wir Sie ein, sich zu Hause bewusst zu machen, dass Gott in Ihrem Leben da ist.

  • Zünden Sie dieses Licht an
  • Versuchen Sie ruhig zu werden
  • Sagen Sie Gott, was Sie momentan beschäftigt
  • Schließen Sie mit diesem Gebet

Gib mir guter Gott, ich bitte dich:
einen Verstand, der dich wahrnimmt,
einen Sinn, der dich versteht,
ein Gemüt, das an dir Wohlgefallen hat,
ein Herz, das dich liebt,
eine Seele, die an dich denkt,
ein Tun, das dich verherrlicht,
Ohren, die dich hören,
Augen, die dich sehen,
eine Zunge, die dich preist,
(nach dem Gebet des hl. Benedikt)

Benediktiner von Kremsmünster | http://www.stift-kremsmuenster.at

Da hörte ich Kommentare wie: „Gut, dass Ihr das macht!“ Oder: „Schön, dass einmal nicht ein Geschäft dahinter steht, sondern Ihr das aus einem anderen Grund tut.“ Oder: „Ja, das möchte ich heute abends schon probieren.“ – So brachten wir hunderte von Teelichtern und Kärtchen zum Tagesrückblick und mit einem Gebet nach dem hl. Benedikt an die Frau und an den Mann. Viele davon Touristen. Ich habe noch die Blicke vor mir, die mich erwartungsfroh und interessiert ansahen. Etliche zeigten sich dankbar, weil sie sich in ihrem Glauben bestärkt fühlten: „Ich bin bei der Legio Mariens.“ – „Ich komme aus Hamburg – kennen Sie die Benediktiner dort, die sind ganz wichtig für uns.“ Oder die beiden jungen Frauen, die stehen blieben und wo die eine auf ihre Freundin zeigt und sagt: „Sie geht jeden Sonntag hier in den Stephansdom.“ Die gemeinte junge Frau nickte und strahlte mich an, als wolle sie sagen: „Wir sind Geschwister im Geiste.“

Natürlich gingen viele gedankenlos weiter oder hatten gar abwehrende Mienen aufgesetzt oder wehrten uns mit einer Handbewegung ab. Aber gut, dass wir da waren – und ich frage mich, ob wir so etwas nicht einmal in Oberösterreich wiederholen sollten.

7 Antworten zu “Impulse Juni 2013

  1. anna-maria

    Quo Vadis hört sich echt gut an und das wäre sicher eine gute idee, das auch in oberösterreich zu machen!
    Wenn es zustande kommt bin ich aufalle fälle dabei!

  2. Christine

    Anna-Maria: Ich auch 😉

  3. ein schönes zeichen! licht und gebete

  4. Anonymous

    Könntest du das, dass auf den ausgeteilten Zetteln steht vielleicht auf die Treffpunkt Benedikt Seite stellen? Das wäre echt super! Danke im vorhinein!
    Falls es das echt in Oberösterreich auch mal geben sollte: ich bin auf jeden Fall dabei! Wirklich coole Idee! 😀

  5. Danke für den Impuls vom 5.6. – echt starke Worte – und es besteht wirklich dauernd die Gefahr mit dem Kopf im „was wird dann sein“ oder „ach wie schön wars damals“ zu hängen anstatt ihn in der Gegenwart zu haben…

  6. Anonymous

    Danke für das Reinstellen der Verteiler-texte!

  7. Elisabeth

    Ich habe das Gebet auch gebetet, es ist wunderschön!
    Die Aktion ist echt genial! 😀

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