Impulse Jänner 2015

Laien als Botschafter für das Ordensleben (Chicago IV)

Frühere Generationen kamen ganz selbstverständlich mit Ordensleuten in Kontakt. Das wird in absehbarer Zeit nicht mehr auf diese Weise der Fall sein. Auch bei uns ist das Bild der Ordensfrau ein altes.

Chicago 9Wenn nun eine Zeit kommt, in der die Ordensfrau und der Ordensmann seltener anzutreffen sind, kommt allen Gliedern in der Kirche eine neue Rolle zu, für das Ordensleben einzutreten. Das geschieht in den USA z.B. durch Fund Raising. Viele Ordenshäuser haben wenig Rücklagen und vor allem keine Stiftungen wie ein Kloster Kremsmünster. Wenn nun die Mitglieder älter werden und kaum neue nachkommen – wer bezahlt dann die in den USA oft auf den privaten Sektor geschobene Altersversorgung und den Fortbestand der Ordensniederlassungen samt Aufgabengebieten? Hier springen oft reiche Gönner ein, die den Orden z.B. durch ihre Schulbildung viel zu verdanken haben. Sie unterstützen auch neuerdings junge Leute, die durch ihr Studium Schulden haben und von Orden nicht aufgenommen werden können, wenn nicht jemand anderer für diese Schulden eintritt.

Bei der Konferenz für Berufungspastoral in Chicago traf ich Nuntius Vigano wieder, den ich schon bei der Ordensoberenkonferenz in Houston vor zwei Jahren kennengelernt hatte. Der italienische Diplomat war wieder froh, einen anderen Europäer zu sehen und in seiner Muttersprache reden zu können. Er sagte mir, dass wir in der Alten Welt von der Neuen Welt viel lernen können, gerade auch im Hinblick auf die Flexibilität der Orden.

Die Berufungspastoral in den USA hat viele Facetten, eine neue finde ich besonders spannend: Man spricht jetzt davon, „lay abassadors for consecrated life“ einzusetzen: Laien sollten den Geist eines Ordens, seine Spiritualität und Wirkung, wach halten und anderen vermitteln. Auch junge Leute, die selbst nicht in einen Orden eintreten wollen, ihn aber unterstützen wollen, erhalten Kurse, wie sie junge Menschen für den Ordensberuf begeistern können.

Die Idee dahinter finde ich theologisch enorm wichtig: Wenn die Orden zur Kirche gehören und ihre Erneuerung für die ganze Kirche eine belebende Auswirkung hat, dann sind nicht nur die Ordensleute selbst dafür verantwortlich, dass es gut mit dem gottgeweihten Leben weitergeht, sondern alle Glieder der Kirche.

Buntes Ordensleben – kann es bestehen? (Chicago III)

Der Direktor der NRVC wollte neue Stimmen. So fanden sich an einem Nachmittag junge Ordensleute auf dem Podium ein, die offensichtlich anders waren: Eine Koreanerin und einer aus den Philippinen, eine Mexikanerin und einer aus Kuba. Sie sollten von ihren Erfahrungen berichten, wie es Nachkommen neuerer nicht-europäischer Einwanderer in amerikanischen Ordensgemeinschaften geht. Die NRVC hatte eine Studie an der Georgtown University in Washington, D.C. in Auftrag gegeben, die zuvor präsentiert wurde: Es ist eine der Zukunftsfragen amerikanischer Orden, wie sie die neue gesellschaftliche Situation aufnehmen. Denn die Hälfte der heute in den USA lebenden Personen sind nicht weißer Abstammung. Aber, so besagt die Studie, die Ordenshäuser würden noch überwiegend damit rechnen, dass wie bisher weiße Amerikaner mit keinerlei Sprachschwierigkeiten und einem einheitlichen amerikanischen Mindset zu ihnen kommen würden.

So war es spannend und auch unterhaltsam, die neue Generation an Ordensleuten zu erleben. Und zu sehen! Der Organisator Br. Paul lehnte sich zu mir herüber und flüsterte: „How beautiful these women are! The one over there is a real knock out!“ Er deutete auf die hispanische Schwester, die leicht für die Miss Mexiko gehalten werden könnte. Diese erzählte z.B., dass ihre Ordensgemeinschaft in Los Angeles durch ihren Eintritt den Festtag der Madonna von Guadalupe besonders begeht, es aber auch zu kulturell bedingten Missverständnissen kommt. Einmal wurde ihr als Novizin gesagt, zum Patronat des Klosters könne sie ihre Familie einladen, auch zum anschließenden Mittagessen. Die Priorin hatte mit den Eltern und drei Geschwistern gerechnet, tatsächlich aufgetaucht sind aber dann 25 Personen, die für die Novizin zur größeren Familie zählten und ebenfalls von Mexiko nach Kalifornien ausgewandert waren.

Sich auf andere Kulturen einzulassen ist nicht leicht, kann aber neuen Schwung bringen. Eine junge Schwester als Jamaica berichtete etwa, wie sie das Tanzen im Noviziat so vermisst hatte. Dort wo ihre Familie herkam würde viel getanzt. Als die älteren Schwestern ihrer Kommunität das merkten, begannen auch sie bei Festlichkeiten zu tanzen – das verwandelte den ganzen Konvent und zeigte der jungen Schwester aus einer anderen Kultur, dass nicht nur sie sich anpassen müsste, sondern auch ihre Mitschwester danach trachteten, ihre Lebenswelt aufzunehmen.

Chicago 8Eine Schwester, deren Eltern mit ihr als kleinem Kind aus China eingewandert waren, erzählte, dass ihr anfangs im Orden vorgeworfen wurde, andere zu bevormunden und zu neugierig zu sein. Der Grund: Für sie als Chinesin war es eine Sache der Höflichkeit, bei einer Schwester nachzufragen, wo sie gewesen sei und was sie gemacht habe – was diese amerikanische ältere Schwester aber als Einmischung in ihre Angelegenheiten erlebte.

Am Rande des Symposiums lernte ich einige von den ca. 400 Ordensleuten, die nach Chicago zu dieser Konferenz gekommen waren, besser kennen. Sie kannten mich als einer der Referenten, ich aber nicht sie. So musste ich oft nachfragen, wodurch sich dann interessante Gespräche ergaben. Ich denke da an den älteren Pater aus dem Augustiner Eremitenorden, der in San Franzisco das Noviziat leitet. Er sagte, 40% der Menschen, die in Kalifornien leben, wären nicht in den USA geboren. Sein Orden hätte sehr viel Nachwuchs, auch aus Familien, die erst vor kurzem eingewandert sein. Ein Drittel der Gemeinschaft ist bei ihnen gerade in Ausbildung.

Was bedeutet das für uns? Wie kann buntes Ordensleben bei uns entstehen? Natürlich haben wir eine ganz andere Ausganssituation; die meisten Einwanderer sind Muslime. Aber wird es nicht vielleicht auch andere Einwanderungsströme einmal geben? Haben unsere Orden z.B. überhaupt einen Kontakt zu den sehr religiösen kroatischen Einwanderern? Oder sagen wir nur, dass ohnehin alles anders, sprich schlechter wird, weil es nicht mehr so ist und wohl auch nicht mehr so werden wird wie früher …

Die Ordenslandschaft der USA ändert sich (Chicago II)

P. Bernhard hat von seinem Aufenthalt in den USA bereits Teil I am 11.11.2014 über seinen Aufenthalt in Chicago geschrieben. Nun stellte er die restlichen neun Teile fertig, die in kurzen Abständen erscheinen werden:

Chicago 5In Amerika ist man wohl offener für Neues als bei uns. Sonst wäre ich doch nie eingeladen worden mit dem Wunsch, ich möge aus europäischer Perspektive zum Ordensleben heute sprechen. Der Direktor der National Religious Vocation Conference (NRVC) sagte, die Organisation müsse neue Stimmen hören. Zum 25-Jahr-Jubiläum wäre es zu erwarten gewesen, berühmte Theologen oder Ordensleute einzuladen. „Aber wir wissen ja schon genau, was sie sagen. Wir müssen für die nächsten 25 Jahre neue Wege beschreiten!“ So waren die Ordensleute aus den verschiedenen Himmelsrichtungen sozusagen auf Offenheit getrimmt – und nahmen recht gut auf, was ich in meinen Beiträgen sagte. Das erleichterte mich sehr, weil die Berufungspastoral in den USA viel professioneller gemacht wird als bei uns. Aber die Versammlung wollte von mir ohnehin nicht neue Tipps, sondern Reflexionen aus Europa, wo sie dann spontan sagten: Das ist auch unserer Situation, wenn auch in einem anderen Kontext. Und dann doch der Dominikaner, der mir sagte: „What you told us about your Treffpunkt Benedikt made me realize that we need something new. I want to try that in my community back home in New York City!“

Wir dürfen nicht mehr nur von der Vergangenheit die Gegenwart sehen und beurteilen, sondern wirklich von der Zukunft her leben. In den USA wird das besonders deutlich. Dort hatten Schwestern im 19. Jahrhundert und bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts ein dichtes Netz an Krankenhäusern, sozialen Einrichtungen und Bildungsstätten aufgebaut. Da war es klar, dass junge Frauen in einer den Katholiken eher feindlich eingestellten Gesellschaft gerne in die Orden eintraten, um etwas zu tun, was sonst nicht geschehen wäre. Heute kann jede Lehrerin und Krankenschwester werden – und die Kirche kann es sich heute leisten, sie zu bezahlen. Es hat sich die Gesellschaft und die Kirche also sehr geändert. Seit den 1960er Jahren ist aus verschiedenen Gründen die Eintrittsrate stark zurückgegangen, viele sind ausgetreten und einige gehen nach wie vor nach etlichen Jahren im Orden wieder weg.

Die Zahlen, die das wiederspiegeln, sind dramatisch: In den USA gab es 1965 sensationelle 180.000 Ordensfrauen, heute „nur“ noch 50.000. Da zurzeit mehr Schwestern über 90 Jahre alt sind als unter 60, liegt der Schluss nahe, dass es in absehbarer Zeit noch einmal drastisch weniger Schwestern geben wird. Und da könnte man jetzt kurzsichtig schließen: Das Ordensleben hat keine Zukunft. Oder aber sagen: Diese Masseneintritte, wie wir sie noch in den 1950 Jahren hatten, gehören offenbar der Geschichte an. Es gibt durchaus eine blühende Zukunft des Ordenslebens, die aber nicht mehr an den alten Zahlen der Vergangenheit gemessen werden kann. Jede Zeit braucht ihre eigenen Maßstäbe. Auch in Amerika.

 

Toleranz richtig verstanden (19.01.2015)

Die Vorkommnisse und Diskussionen der letzten Zeit brauchen wir nicht nur von der aufgeregten veröffentlichten Meinung sehen. Wir können tiefer blicken und als religiöse Menschen manches hinterfragen, und zwar auf allen Seiten. Dazu verhelfen uns katholische Denker unserer Zeit.

In der „Kathpress“ (tägliche Aussendung der katholischen Presseagentur Österreichs) konnte man lesen: Für eine differenzierte Beurteilung der Pariser Terrorakte hat sich der Präsident der Tschechischen Christlichen Akademie, Tomas Halik, ausgesprochen. Trotz seiner Solidarität „mit allen, die jedweden Ausdruck der Gewalt und der Unduldsamkeit verurteilen“, bringe ihn die „Bemühung, die unglücklichen Opfer aus den Reihen der Redaktion der satirischen Zeitschrift als Helden und Symbole unserer Kultur zu feiern“ in Verlegenheit, so Halik.

Kritik äußerte Halik besonders an Frankreichs Präsident Francois Hollande, von dem die Bezeichnung „unsere Helden“ für die Redakteure von „Charlie Hebdo“ stammte: Damit zeige sich „die Seichtheit nicht nur dieses Politikers, sondern auch jene der von ihm repräsentierten politischen Kultur“, so der Priester, Philosoph und Soziologieprofessor an der Prager Karlsuniversität.

Als er die „Karikaturen“ des Satiremagazins gesehen habe, die „stark an die herabwürdigenden Darstellungen der Juden in der antisemitischen Presse erinnern“, habe er sie „nicht nur als Beleidigung des Islams und des Christentums wahrgenommen, sondern auch als Verletzung der Grundwerte unserer Kultur, die in der Achtung der anderen besteht“, betonte Halik. Dieser Wert sei nicht geringer als die Pressefreiheit.

„Bei aller Sympathie für die Opfer und deren Angehörige“ würde er sich deshalb niemals den Sticker „Ich bin Charlie“ anheften, so Halik: Schließlich bekenne er sich „zu einem anderen Gesicht unserer Kultur, zu jenem, das gewiss einen liebenswürdigen befreienden Humor sowie Ironie und Polemik gegen Fanatismus und Fundamentalismus kennt, vulgäre Ausdrücke der Geringschätzung und verantwortungsloses Gießen des Öls ins Feuer des Hasses zwischen Menschen und Kulturen aber ablehnt“.

Halik meinte, man solle sich davor hüten, „dass man Dekadenz und Zynismus als Symbol unserer Kultur und unserer Freiheit feiert – denn zur Freiheit gehört die Verantwortlichkeit“. Sollte die Religion der Zukunft „eine alles aufsaugende Vergnügungsindustrie und ein Zustand sein, in dem niemandem mehr etwas heilig ist“, so halte er es für seine „Pflicht, vor einem derartigen zynischen Trend unserer westlichen Kultur zu warnen“.

Für mich ist diese deutliche Stellungnahme eines bemerkenswerten Denkers in Mitteleuropa eine Kulturkritik im besten Sinn. Während sogar kirchliche Hompages sich bemüßig sahen, „Je suis Charlie“ zu posten und damit die Religionsfeindlichkeit von Karikaturisten sanktionierten, konnte man Worte eines anderen klugen Kopfes unserer Kirche auf der Homepage der Erzdiözese Wien nachlesen. Kardinal Christoph Schönborn betont am Anfang seiner Stellungnahme die Meinungs- und Pressefreiheit, die gerade angesichts der Morde von Paris verteidigt werden müssen. Allerdings könne man sich auch nicht leichtfertig mit Menschen identifizieren, die jahrelang das Christentum und den Islam „in verächtlichmachenden und vulgären Karikaturen“ angreifen. Schönborn fragt, wo die Grenze der Freiheit sei, und gibt zur Antwort: „Dort, wo es um die Achtung vor dem geht, was dem anderen heilig ist. Ich muss die Ansicht der Anderen nicht teilen. Darf ich sie deshalb schon heruntermachen?“

Ich finde solche Stimmen wichtig. Wir dürfen uns keine Illusionen über einen radikalen Islam machen, dessen Auswirkungen Christen im Nahen Osten und in Afrika auf furchtbare Weise erleben müssen. Aber wir müssen ebenso aufpassen, die zerstörerische Kraft eines religionsfeindlichen Säkularismus nicht zu verharmlosen. Radikale Moslems zerstörten als Reaktion der französischen Karikaturen in Niger Kirchen und brachten gläubige Christen um, weil sie die Pariser Säkularisten fälschlicherweise als christliche Akteure sahen. Da tut es auf unserer Seite not, die religiösen Gefühle anderer Menschen ernst zu nehmen und atheistischen Strömungen etwas entgegenzusetzen, damit die Religion nicht von diesen Kräften radikalisiert wird. Wo es also zu radikalen Tendenzen kommt – ob im Islam oder in einer sich so tolerant gebenden Zivilgesellschaft, in der es opportun scheint, Religionen zu verhöhnen, – müssen wir eine klare Abwehrhaltung einnehmen. Und auch nicht blind sein gegenüber radikalen Anschauungen in unserem eigenen Umfeld – ob säkular-atheistisch oder religiös-fundamentalistisch.

Entrümpeln (15.01.2015)

Noch ist es nicht zu spät, das neue Jahr als neuen Anfang zu nehmen: Warum nicht eine groß angelegte Entrümpelungsaktion starten? Wer jetzt meint, dafür brauche er mehrere freie Tage, die aber nicht in Sicht sind, dem kann ich nur sagen: Es reicht, sich jeden Tag von einer Sache zu trennen. Pro Tag nur ein Kasterl, den Schreibtisch (oder einen Teil davon), ein Fach aufzuräumen, vieles davon wegzugeben. In kleinen Schritten entferne ich jeden Tag etwas von der Überfülle an Sachen und Unterlagen, die sich auch im vergangenen Jahr wieder angesammelt haben. Eine Befreiungsaktion der besonderen Art!

Doch Vorsicht: Nicht nur die Dinge umschichten und sagen, das erledige ich später. Sondern gleich die endgültige Lösung anstreben, und das heißt: gleich erledigen, zum Altpapier geben oder weiterschenken. Und sich damit aussöhnen, dass wir nicht alles perfekt verwenden und umsetzen können wie wir vielleicht einmal vorhatten …

Über den Tod hinaus (13.01.2015)

Ich möchte einem 51-Jährigen Mann hier ein Andenken setzen. Sein Sterben hat mich betroffen gemacht, nachhaltig beschäftigt und – seltsamerweise – mit tiefem Frieden und großer Zuversicht erfüllt.

Erst jetzt – fast schon Mitte Dezember – habe ich das Jahr 2014 Revue passieren lassen. Und blieb besonders lange bei diesem Mann hängen. Gerade in Chicago angekommen, erhielt ich die E-mail vom 5. November. Er erlaubte dann später am Sterbebett, dass ich diesen Brief veröffentlichen kann, den ich hier etwas anonymisiert und verkürzt wiedergeben möchte:

Lieber Herr Pater Bernhard !

Ich kenne Sie schon seit Jahren und mein ältester Sohn XY (19 Jahre) ist sehr oft beim Treffpunkt Benedikt, wofür ich Ihnen sehr dankbar bin. Meine beiden anderen Söhne sind 13 Jahre alt (Zwillinge).

Wir haben in der Familie schon immer versucht, mit JESUS das Familienleben zu gestalten. Dadurch wurden wir von JESUS schon reichlich beschenkt und seit Jahren habe ich regelmäßig um Priesterberufungen gebetet.

Doch heuer wurden wir mit Leid konfrontiert. Im Februar hatte ich eine Operation – bösartiger Tumor im kleinen Becken. Darauf wurde mir eine Strahlentherapie verordnet. Am 13. Oktober Nachkontrolle. Befund: unheilbar erkrankt, Lebensverlängerung ev. durch eine Chemotherapie. Ich habe mich aber entschlossen, keine Chemo mehr in Anspruch zu nehmen.

Und gerade jetzt verspüre ich, welche Gnade es ist, glauben zu können und außerdem beten viele liebe Menschen für mich, damit meine liebe Gattin, meine lieben Söhne und ich das ertragen können.

Mir fällt dazu folgendes ein: Gotteswege sind niemals Menschenwege, auch wenn es menschlich nicht zu verstehen ist. In jedem Kreuz steckt auch viel Heil. Gottes Wille soll sich an mir erfüllen.

Vielleicht haben Sie einmal Gelegenheit mit meinem Sohn zu sprechen bzw. wir könnten einmal gemeinsam miteinander beten und singen.

Zum Schluss noch eine Bitte: Könnte, falls mich der Herr ruft, das Musikteam von Treffpunkt bei meinem Requiem die mir so geliebten Lieder spielen?

Mein Sterben soll nicht eine Trauerfeier werden, sondern zur Verherrlichung Gottes dienen.

Übrigens habe ich heute nach der HL. Messe den Bibelvers Johannes 15,13 gezogen: Es gibt nichts Größeres als wenn einer sein Leben gibt für seine Freunde.

Herzliches Vergelt´s Gott, Ihr XY

Ich versicherte ihm, sobald ich wieder in Österreich sei, würde ich mich melden. 10 Tage später war es soweit: Ich sprach mit seinem Sohn – welch ein Schmerz zu wissen, dass der Vater bald sterben wird. „Ohne Glaube könnten wir das nicht tragen“, hörte ich und konnte nur nicken. Da verstummt die Sprache, nur noch Blicke und Gesten können ein wenig ausdrücken, was unbegreiflich bleibt.

Der Mann war mittlerweile auf der Palliativstation in Vöcklabruck. Ich hatte ihn bisher nicht so bewusst wahrgenommen, nur vom Sehen her ein wenig gekannt. Nun sprachen wir – und es war nicht ich, der ihn aufrichtete, sondern er, der mich mit seiner Gegenwart beschenkte und im Glauben gestärkt entließ – und mit dem Segen für mein priesterliches Wirken. Kein Wort von ihm, was er leiden muss. Nur das tiefe Bedauern, seine Söhne hier auf Erden nicht mehr aufwachsen zu sehen und seine Frau alleine lassen zu müssen. Aber selbst dieser Schmerz wurde überstrahl von der Gewissheit, für sie vom Himmel aus ein guter Ehemann und Papa zu sein.

Nachdem ich in Wien Exerzitien gehalten hatte, wollte ich ihn wieder besuchen und rief seinen Sohn an. Dem Papa ginge es ganz schlecht. Ich versprach, gleich nach einem schon festgesetzten Gespräch wieder anzurufen und dann zu kommen. Um 11:00 rief ich an – es war genau die Sterbeminute gewesen. Sein Sohn sagte gefasst ins Telefon: „Er ist jetzt gerade heimgegangen.“ Heimgegangen!

Die treuen jungen Leuten der Treffpunkt-Benedikt-Band waren sofort bereit, das Begräbnis musikalisch zu begleiten. Auch ein Chor war schnell zusammengestellt. Es war der Wunsch des Verstorbenen gewesen. Eine Trauerfeier, die wirklich mehr die Auferstehung als den Tod durchscheinen ließ. Selbst am Grab. Dort sangen wir dann Bonhoeffers Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Dieses hatte bei meinem Besuch seine Schwester plötzlich angestimmt, als er tief schlief und angesichts unseres Singens plötzlich vertrauensvoll beide Hände in die Höhe streckte. Sei nun geborgen von einer Macht, die uns alle in ihrer Hand hält!

  1. Bernhard hat beim Treffpunkt Benedikt im Dezember über diesen außerordentlichen Menschen und sein Sterben eine Predigt gehalten, die hier nachgehört werden kann:



Kinotipps von P. Bernhard (12.01.2015)

Kürzlich sah ich zum 18. Geburtstag eines meiner Firmlinge den untypischen, aber sehr aussagekräftigen Western „The Homesman“ an (im Moviemento in Originalsprache zu sehen). Schwer verdaulich, aber mit seinen aussagekräftigen Bildern und sensiblen Charakterzeichnungen ein Erlebnis – vielleicht mehr für Erwachsene als Teenager (mein Firmkind war so begeistert wie ich, obwohl der Film auch ihn durchaus zum Nachdenken brachte). Der Glaube spielt in diesem Film an der Grenze der Zivilisation und des persönlichen Lebens eine gute, festigende Rolle. Jedenfalls sollte man danach darüber reden. Z.B. wie sich Menschen durch andere verwandeln können, wie weit Hingabe gehen kann (und soll?), dass das wahre Leben nie sich in gänzlichem Wohlgefallen auflöst. Oder die vielen symbolischen Bilder: Das Grab etwa, das durchgängig eine Rolle spielt, oder die Sehnsucht nach einer beständigen Partnerschaft, die immer durchkreuzt wird. Mich hat dieser Film nachhaltig bewegt, auch wenn er „grenzwertig“ im wahrsten Sinne des Wortes ist.

Wirklich allen empfehlen kann ich einen Film, von dem ich bisher Großartiges gehört habe. Der Film heißt „Die Sprache des Herzens“ und läuft auch im Megaplex. Im Moviemento Linz auf Französisch im Original mit Untertitel. Also nichts wie hin und dann anderen weitersagen, wenn Euch „Die Sprache des Herzens“ gefällt!

Siehe Trailer:

Ich habe schon einmal in einem Impuls davon gesprochen, dass wir Christen gute, religiöse Filme auch dadurch unterstützen können, dass wir einfach hingehen. Was wäre, wenn die Kinos von jungen Katholiken so gestürmt würden, dass dieser Film noch öfter gezeigt und verlängert werden müsste? Ja, ins Kino zu gehen kann ein Stück weit auch ein Beitrag sein, die Welt mitzugestalten.

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