Impulse Jänner 2014

Schreibe Deine Einschätzung in einem Kommentar unterhalb der Impulse von P. Bernhard!

Sich selbst treu sein (27.01.2014)

Kürzlich las ich in der Wochenzeitung „Die Zeit“ über ein Buch der australischen Krankenschwester Bronnie Ware mit dem Titel: 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen. In ihren Kontakten mit kranken und sterbenden Menschen hat sie gemerkt, dass oft an der Schwelle zum Tod das Wesentliche im Leben aufleuchtet. Und das wollte die Krankenschwester anderen mitteilen.

Den ersten Merksatz fürs Leben diktierte eine todkranke Frau: „Man soll sich treu bleiben, statt so zu leben, wie es andere erwarten.“ Ich glaube da ist für uns alle eine tiefe Weisheit ausgesagt: Wenn wir nur von den Erwartungen der anderen her leben, verleugnen wir uns selbst, verlieren die eigene Richtung und werden matte Erfüller der anderen. „Jeder wird als Original geboren, aber die meisten sterben als Kopie.“

Das bedeutet nicht, man brauche keinen Rat von anderen einholen, solle nicht auf ihre Wünsche eingehen u.s.w. Es heißt einfach: Gehe letztlich deinen Weg wie du ihn siehst und verantworten kannst; heische nicht zu viel nach Applaus und fürchte nicht den Tadel anderer. Sei du selbst und lass dich nicht beirren! Bleibe dir selbst treu – und lebe nicht zu sehr von dem her, was andere von dir erwarten.

Göttliche Versammlung (20.01.2014)

Ein wundervolles Bild. Ich war gerührt und für einen Moment stellte ich mir die Szene von oben vor, wie sie Gott sehen kann: Menschen verschiedenen Alters, verschiedener Berufe, mit verschiedenen Freuden und Sorgen im Herzen kommen ins Gotteshaus, wie ganz von alleine, selbstverständlich und vom Glauben erfüllt. Wohl auch von Zweifeln geplagt, von Routine stumm gemacht, mit gemischten Gefühlen, was sie heute wieder erwarten wird. Und doch ohne Zögern. Weil Gott Gott ist und seine Kirche das Zeichen und Werkzeug für die Vereinigung mit ihm.

Kürzlich hatte ich die beiden Sonntagsmessen in Viechtwang, einer unserer Pfarren in den Bergen – auf halben Weg zu unserem geliebten Almsee gelegen. Als ich mit dem Auto in die Nähe der Kirche kam, sah ich von verschiedenen Straßen die Leute zur Kirche gehen. Das gleiche Bild bot sich dann vor der zweiten Messe. Frauen und Männer und Kinder strömten aus allen möglichen Richtungen zur Kirche.

Dieser göttlichen Versammlung möchte ich zugehören. Und ihr zu dienen empfinde ich als großes Geschenk, ja als unverdiente Gnade!

Taizé (17.01.2014)

Ich war noch nie dort, möchte aber mit Treffpunkt Benedikt bald einmal hinfahren. Derzeit haben wir als Tischlesung das Buch „Die Geschichte von Taizé“. Tischlesung? Ja, Tischlesung! D.h. wir haben normalerweise während des Mittag- und Abendessens zum Teil eine Lesung. Zwei von uns servieren die Speisen und räumen sie ab, ein dritter liest aus einem Buch vor. So können wir uns besser konzentrieren und bekommen zur physischen Nahrung auch eine geistliche.

Heute kam ein Satz, bei dem ich hängen blieb, ja der mich zutiefst bewegte und mir Ansporn ist, dieses Programm des heiligmäßigen Gründers von Taizé selbst zu übernehmen: Frère Roger Schütz schrieb im Alter im Hinblick auf die schwierigen Jahre seiner Kindheit und Jugend: „Die Jahre der Krankheit ließen mich begreifen, dass die Quelle des Glücks weder in aufsehenerregenden Gaben noch in mühelosem Gelingen liegt, sondern in der schlichten Hingabe, ja, der ganz schlichten Selbsthingabe, um die anderen mit Herzensgüte zu verstehen.“

(Lest bitte über diesen gewaltigen Satz nicht einfach drüber! Versucht ihn in Ruhe zu verstehen und auf Euch zu übertragen!)

Und wieder: Martina (13.01.2014)

FotoDie eine Stunde Anbetung täglich sei das Schönste ihres jetzigen Lebens bei den Missionarinnen der Nächstenliebe. Fast ein Jahr ist Martina schon in Rom zur Kandidatur. Beim letzten Treffpunkt Benedikt habe ich wieder an sie gedacht, wie wir ihr alle hintereinander stehend die Hände auflegten und den Geist Gottes für ihren Weg herabriefen. Jetzt hat sie wieder geschrieben. „Manchmal erinnere ich mich, dass es vorher genau das war, was ich mir gewünscht hatte, was ich suchte und ersehnte.“

Das zweite, was sie besonders wichtig findet, ist die Gewissenserforschung zwei Mal am Tag und die regelmäßige Beichte. „Am Anfang habe ich den Sinn dieser jeweils 5-minutigen Gewissenserforschung nicht gesehen. Doch jetzt merke ich, wie hilfreich es ist, sich bewusst zu werden, was in einem halben Tag gut war und was nicht. Alles Jesus übergeben. Ihn um Hilfe bitten. Dann, mitten im Putzen oder Kochen, merke ich, dass ich kurz überlege, bevor ich etwas sage, meinen Mitschwestern antworte.“

Und die abschließenden Worte von Martina: „Ich bin so glücklich über all die vielen kleinen Details des Ordenslebens und unserer Berufung. Es ist so ein großes Geschenk, das ich gerade erst beginne auszupacken, zu entdecken, was Gott Großes bereitet hat.“

Ja, gepriesen sei Gott!

Noch einmal: Entschleunigung (07.01.2014)

IMG_0575Zur Verlangsamung des letzten Eintrags passt ein Telefongespräch, das ich vom Almsee aus mit Msgr. Franz Xaver Brandmayr führte, der gerade ein paar Hügel und Seen weiter sich am Attersee zurückgezogen hatte: „Was du bist am Almsee? Das freut mich sehr! Gut, dass du das machst.“ Interessant, solche Worte aus dem Mund des vielbeschäftigten Rektors der „Anima“ in Rom zu hören.

IMG_0581Im Laufe des Handygesprächs sagte der römische Prälat mit oberösterreichischen Wurzeln: „Mir wird immer mehr bewusst, dass wir das heute brauchen. Unsere Welt ist nicht mit der früheren vergleichbar. Heute geht alles so schnell, man ist permanent gefordert, wird bei der einen Arbeit von der anderen unterbrochen, muss im Tagesgeschäft ständig erreichbar und auf Trab sein. Betriebsamkeit rund um die Uhr.“ Dann machte Franz Xaver Brandmayr eine interessante Beobachtung: „Früher ist man lange gegangen, von einem Ort zum anderen.“ Ich fügte hinzu: Oder gesessen und hat auf jemanden oder etwas gewartet, ohne Musik zu hören, SMS zu schreiben oder in jeder freier Minute etwas lesen zu müssen.

IMG_0605Den Freiraum, den die Menschen vergangener Zeiten immer wieder von Natur aus und dem Leben in ihrer Kultur hatten, müssen wir uns schaffen. Deshalb müssen wir hin und wieder eine Wüstenzeit einlegen. Sie empfinde ich übrigens als hoch kreativ und gut genutzt: Am Almsee kommen mir die besten Ideen, und Texte schreibe ich dort in Windeseile (auf mich bezogen: ich lese, schreibe und begreife ja viel langsamer als andere). Deshalb bringe ich an die Tür meines Zimmers immer eine Spruchkarte an, wenn ich zum Almsee fahre. Auf ihr lesen dann meine Mitbrüder: „Man muss sich hin und wieder etwas Zeit gönnen, in der man nichts tut, damit Dinge geschehen, die unsere Gedanken anregen.“ (Mortimer J. Adler)

Das Telefongespräch mit Franz Xaver Brandmayr hatte übrigens Folgen: Ich besuchte ihn zwei Tage später in seiner Klause. Und wir redeten über Gott und die Welt und über uns selbst. Früher haben sich ja auch die Wüstenmönche gegenseitig besucht. Auch von solchen zweckfreien Unterhaltungen, die nicht Plaudereien sind sondern dem persönlichen Austausch und der gegenseitigen Ermutigung dienen, bekommt man frische Gedanken.

Verlangsamung (02.01.2014)

Nachdem ich am Ende des abgelaufenen Jahres Vorträge über Beschleunigung und Entschleunigung zwei Mal Vorträge gehalten habe und merkte, wie sehr das Thema den Leuten unter den Nägeln brennt, muss ich Euch sagen, wie ich das selbst umzulegen versuche. Ich habe seit etlichen Wochen eine Verlangsamung meines Alltags (auch um mich besser konzentrieren zu können!) unter anderem dadurch eingeleitet, dass ich nur noch zwei Mal pro Woche oder gar einmal in der Woche (wenn ich länger weg bin) die Mails abrufe. Seither haben sich die empfangenen und die gesendeten Mails erheblich reduziert – ohne dass ich wichtige Dinge versäumt oder Menschen vernachlässigt hätte. Glaube ich jedenfalls. Als Mönch und mit meinem Aufgabenbereich, so denke ich, kann ich mir das leisten.

Und die Frage an dich: Welche Verlangsamung nimmst du im neuen Jahr vor?

4 Antworten zu “Impulse Jänner 2014

  1. Liebe

  2. Taize ist ein SEGEN!

  3. Es tut mir sehr gut und ich möchte es auch nicht mehr missen beim Nordic Walking meine Selbsthingabe zu ueben, abgelegen von Hektik, mitten in der Natur alles dem Herrn zu Füssen und Jesus seine Herzensgüte und Naechstenliebe in mir wachsen laesst und so auch, den taeglichen Alltagstress besser zu meistern und heil zu werden.
    DANKE Mein Heiland

  4. es ist das Licht, es ist die Wärme, es ist das leise säuseln und der Klang des heiligen Geistes der uns Heimat beschert. Den Frieden in die Herzen bringt und uns aufbrechen lässt in das Haus des Herrn. Erst Abladen. Dann Auftanken. Altes Belastendes loswerden ,eintauchen in die Wahrheit und die Zuversicht. Ich kann wieder s e h e n. Erkennen was langfristig besser ist und w i e ich es erreichen kann. Wenn ich beim Herrn bleibe bin ich auf ewig geliebt und erfahre Verzeihung aller meiner Verfehlungen. Sowie ich nur bei ihm wahre Verzeihung
    lernen kann, das grenzübergreifend bleibt bis in alle
    Ewigkeit. Amen

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