Impulse Jänner 2013

Schreibe Deine Einschätzung in einem Kommentar unterhalb der Impulse von P. Bernhard!

Martina III (29.01.2013)

DSC0113111_(800_x_600)Ich habe hier schon zweimal von Martina geschrieben: Wie wir sie beim Treffpunkt Benedikt verabschiedet haben und dann mein Brief an sie am Ende meiner Exerzitien über Neujahr. Heute hat mir Ihr Vater eine e-mail geschickt. Daraus möchte ich Euch einige Zeilen lesen lassen:

„Lieber Pater Bernhard, wir haben von Martina den ersten Brief bekommen! Sie lässt alle grüßen und ist sehr zufrieden und es geht ihr gut. Mit ihr beginnen zusammen sieben junge Frauen den Weg der Missionarinnen der Nächstenliebe in einem ärmeren Stadtteil von Rom. Sie besuchen dort einsame Menschen und betreuen Kinder. Da es in Rom auch die Häuser der Novizinnen, der Brüder und Patres DSC0113122_(800_x_600)von Mutter Teresas Orden gibt, ist sehr oft ein Fest, z. B. eine Einkleidung, eine Profess, eine Weihe, wo eine große Ordensfamilie zusammenkommt. Es hört sich an wie ein ständiges Gebetskreistreffen, das sie da erlebt. Einmal im Monat darf Martina nach Hause schreiben und einmal, am ersten Sonntag im Monat, dürfen wir sie anrufen. Darauf warten wir mit großer Freude. Martina ist dankbar, dass sie diese Entscheidung treffen konnte.“

 

Nicht alleine (21.01.2012)

„Sie sind alleine, unsere Kinder. Wenn es ihnen schlecht geht oder sie sich verlassen fühlen, sollen sie wissen: Es gibt da jemanden, der für sie da ist und mit ihnen geht.“ Das sagten in verschiedenen Statements die Eltern meiner Schüler bei einem Elternabend für die Schulfirmung, als ich sie in Kleingruppen erarbeiten ließ, wie es gerade ihren Kindern geht und was sie für sie wünschen. Ohne Gott beim Namen zu nennen trafen sie die Mitte des Glaubens. Eine Mutter zeigte, als die das sagte, kraftvoll nach oben. Und ein Vater schloss an: „Wir als Eltern sind gefordert. Wenn unsere Kinder auf die Firmung zugehen, dann kann das auch für uns eine neue Entdeckung des Glaubens werden.“

Vorsätze (16.01.2013)

IMGP1806_(800_x_600)Sie helfen uns, nicht stehen zu bleiben, sondern uns immer wieder neu auszurichten: Vorsätze! Nur pessimistische Zeitgenossen sagen, Vorsätze hätten nur den Sinn, nicht eingehalten zu werden.

Hoffentlich habt Ihr Euch fürs neue Jahr etwa Konkretes vorgenommen. Es ist noch nicht zu spät! Heute kam ich über diesen Satz von Silke Förster:

„Zukunft ist der Moment, wo du deinem Vorsatz Leben gibst.“

Was von einem Leben bleibt (14.01.2013)

Ihr habt ihn nicht mehr gekannt. Zum Schluss saß er jahrelang im Rollstuhl und konnte nicht mehr reden. Am Gebet der Gemeinschaft hat er mittags und abends noch teilgenommen – unbestimmt in die Ferne blickend, und doch an den wesentlichen Momenten im Geschehen: das Kreuzzeichen machte er bis zum Schluss.

P. Jakob_(800_x_600)Vor zwei Wochen ist er gestorben, und vor einer Woche haben wir ihn zu Grabe getragen – im Klosterfriedhof, direkt neben der Michaelskapelle, wo wir uns zum Treffpunkt Benedikt monatlich versammeln. P. Jakob war ein sehr aktiver Mensch, über ein Vierteljahrhundert Prior und Direktor des Stiftsgymnasiums. Nur wenige andere haben im 20. Jahrhundert das Stift Kremsmünster so geprägt wie er.

Was bleibt von all dem? Für mich ist das lehrreich: Es bleiben die menschlichen Dinge des Mönches und Priesters P. Jakob. Nicht so sehr der weltliche Erfolg (den er hatte), die Kunstwerke (die er im Stiftsgelände aufstellte), die Auszeichnungen (die in unserem Archiv verschwinden). Was er bei den Menschen bewirkte, das bleibt. So waren wir berührt, als Abt Ambros beim Begräbnis nicht lange seine Verdienste aufzählte, sondern diesen Brief vorlas, der kurz vor Weihnachten bei uns eintraf und den P. Jakob aber nicht mehr zu Gesicht bekam:

Hochwürdiger Pater Jakob!

Vor fast 25 Jahren waren Sie Vorsitzender der Maturakommission in Ried i. I. –UNVERGESSEN! Sie nahmen jeden Kandidaten ernst, nahmen sich Zeit für Deutschaufsätze – geglückte und etwas missglückte. Ermunterten eine schwächere Kandidatin vor der Prüfung durch echtes Interesse an ihren Zeichnungen, waren aufmerksamer und geduldiger Zuhörer, ohne Blick auf die Uhr. DANKE! ……

Seit ca. 20 Jahren wollten wir Ihnen diese alljährlichen Gedanken schreiben, es fehlte der Mut. Eine gesegnete Weihnacht und ein gnadenreiches Jahr wünschen Ihnen die dankbaren Eltern…

P. Jakob hat auf einen kleinen Zettel geschrieben:

Für den Fall meines Todes!

Ich danke allen, die mir Gutes erwiesen haben!

allen, das sind die Familie, das Kloster, viele gute Freunde, viele im Lehrkörper.

Ich bitte alle, mit denen ich mich nicht gut verstanden habe, mir nichts nachzutragen.

Bitte um Verzeihung und Vergebung. Ich habe auch allen verziehen!!

Liebe Martina, (07.01.2013)

Abreise-Martina 2-3.1.13-1heute habe ich mich öfters gefragt: Wie wird es Dir an diesem Tag gehen? Bist Du aufgeregt? Wie wird der Abschied sein? Vor allem von der Familie. Heute bist Du also angekommen, im Ordenshaus der Missionarinnen der Nächstenliebe. Vielleicht wirst Du in ihren weltweiten Niederlassungen bis an Dein Lebensende bleiben.

Wer so freigiebig sein Leben auf Christus ausrichtet, wird nicht enttäuscht. Jetzt bist Du also, Deiner inneren Stimme folgend, angekommen. Geographisch wirst Du weiterziehen, wie es Dein Orden im Gegensatz zu meinem vorsieht. Auf die Reise haben wir uns beide begeben. Das wirst Du bald merken: Der Eintritt ins Kloster ist der Beginn einer neuen Reise, einer Reise nach innen – und unaufhörlich in eine Wirklichkeit hinein, die uns übersteigt.

Martina mit Mutter Theresa 1996-2

Martina mit Mutter Theresa 1996

Ich dachte heute wahrscheinlich deshalb vom Morgen bis zu dieser Abendstunde mehrmals an Dich, weil ich in Deinem Aufbruch meine Sehnsucht wiederfinde. Alles zurückzulassen, das muss man sich auch im Orden immer wieder neu vorsagen und erkämpfen – vor allem gegenüber sich selbst (und die Eheleute und Singles trifft das nicht weniger radikal auf ihre Weise). Was Du mir bei unserem Abschied gegeben hast, will ich mir zu Herzen nehmen – die Worte Mutter Teresas an die Priester: „God cannot fill what is full. He can fill only emptiness – deep poverty –, and your ‚yes‘ is the beginning of being or becoming empty.“

Du hast einen Weg vor Dir, der hinabführt und Dich dadurch emportragen wird. Mit niemandem kannst Du Deine Gefühle dabei wirklich teilen – außer mit Ihm. Die Kirche gibt Dir Zeit, zu prüfen, ob dies Dein Weg sein wird. Wenn Du zu uns nach Oberösterreich zurückkommst, ist dies kein Scheitern. Solltest Du in den nächsten paar Monaten oder Jahren draufkommen, dass Gott Dich auf einen anderen Weg zu sich führt, so wird sich Dein heutiger Schritt dennoch bleibend in Deine Seele einprägen. So oder so, das soll Dich begleiten: Du warst bereit, alles für Jesus Christus aufzugeben!

Diese Zeilen schreibe ich heute an Deinem ersten Tag im Orden, ohne sie Dir zu senden. Deine Gemeinschaft ist da streng, und auch wenn Du unsere Briefe erhalten könntest, sie würden Dich zu viel an früher erinnern und festhalten, wo Du doch aufbrechen und weiterziehen musst. Das unbekümmert zu tun fällt einem jungen Menschen wie Dir auch leicht.

Nein, diese Zeilen bleiben in meinem geistlichen Tagebuch. Und vielleicht teile ich sie mit der Gemeinschaft von Treffpunkt Benedikt. Unser Ordensleben macht ja öffentlich, was sonst nur Privatsache zu sein scheint: die Beziehung zu Gott. In ihr mögest Du Dich bergen, auch wenn sie so unbegreiflich ist.

Dein P. Bernhard

im Benediktinerkloster Trier, am letzten Tag der Neujahrs-Exerzitien 2013.

6 Antworten zu “Impulse Jänner 2013

  1. Diese Zeilen stimmen wirklich nachdenklich und auch traurig, vor allem der Abschluss, dass Martina diesen Brief an sich selbst niemals lesen wird. Es gehört wohl wirklich viel dazu in so einen Orden einzutreten und sie ist zu bewundern dass sie so einen starken Glauben hat, dass sie alles, vor allem ihre Familie und Freunde (für immer?) hinter sich lässt um nur mehr Gott (und den Menschen) zu dienen. Da denkt man sich wirklich- puh, so einen Glauben haben und so sehr Gott lieben möchte ich auch einmal!
    Auch Sie P. Bernhard muss das wohl tief berührt und zum nachdenken angeregt haben, zumindest bekommt man das Gefühl beim Lesen Ihres Briefes.
    Ich könnte wirklich weinen!

  2. Auch mich hat der Brief sehr tief berührt. Er ist sehr persönlich und hat auch mich fast zum Weinen gebracht! Wie bereits jemand in einem Kommentar geschrieben hat muss Sie das P. Bernhard wohl wirklich sehr nachdenklich gemacht haben!
    Das möchte ich auch! Alles zurücklassen und in die Welt (bzw. ins Kloster) losziehen mit nichts im Handgepäck außer Jesus!

    Ihr Brief hat wirklich sehr zum Nachdenken angeregt!
    Ich freue mich bereits auf den nächsten Impuls!

  3. Ich kann mich aus meinen Kindheitsjahren noch gut an P. Jakob erinnern- so jemanden vergisst man nicht so schnell!
    Ich war wirklich schockiert als ich gehört habe das er gestorben sein soll! Schon lange hatte ich nicht mehr an ihn gedacht, und das betrübte mich umsomehr. Er muss ein toller Mensch gewesen sein, doch leider habe ich ihn nicht wirklich gekannt.
    Jedoch wird er glaube ich noch lange in den Herzen der Menschen weiterleben!
    Sehr geschockt hat mich, als ich erfahren habe, wie schlecht es ihm anscheinend in den letzten Jahren gegangen sein muss!
    Ich bitte unseren Herrn sehr ihn aufzunehmen bei ihm und freue mich schon jetzt wenn ich ihn wiedersehe- dann möchte ich ihn definitiv besser kennen lernen!
    Traurige Grüße…

  4. ich habe viele Erinnerungen an Ihn eine habe ich versucht – auch für mich selber zu formulieren.:http://www.beten20.com/2013/01/spuren-die-bleiben.html

  5. Ich sehe die Firmung als wirklich wichtig, vor allem die Vorbereitung darauf. Meine Firmvorbereitungsstunden haben mir Gott viel näher gebracht als ich mir hätte vorstellen können! Ich bin dankbar für jede einzelne Stunde die sich unsere Begleiter für uns Zeit genommen haben, sie haben einen sehr wertvollen Dienst geleistet. Ich wünsche jeder/m eine solche Erfahrung!
    Die Aussage, dass immer jemand bei uns ist bedeutet mir sehr viel. Oft halte ich inne und danke einfach nur dafür, dass er bei uns ist!

  6. ..erst jetzt beim genauen Studium habe ich zuse4tzlich zu deniem wundervollen neuen positiven Outfit festgestellt, dass dein fcberdurchschnittliches weitgefe4chertes Angebot, das mit viel Herz, Humor und Wissen geffcllt ist ja ganz neu und wundervoll fcbersichtlich gegliedert ist. So ist ganz bestimmt ffcr jeden etwas hilfreiches, magisches dabei, wo er gerne verweilt und etwas ffcr sich findet. So viel schf6ne Mf6glichkeiten sich selber ne4her zu kommen .wunder-voll lieber Roberto da hast du wirklich ganze Arbeit geleistet. Ich werde noch einige Male vorbeischauen, bis ich fcberall durch bin soooooooooooooo schf6n, danke dir von Herzenffcr so viele himmlische Momente, die man auf deiner Seite verbringen darf.Alles LiebeSilvia

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