Impulse Februar 2015

Medienfasten (24-02-2015)

Schon ist die Fastenzeit eine Woche unterwegs. Also Zeit, endlich ernst zu machen. Mit der Umkehr, der Buße, dem Gebet, der Fürsorge für Arme aller Art. Und natürlich dem Fasten. Ich versuche, weitgehend auf Fleisch und Schokolade zu verzichten. Originell finde ich, was mir ein Bekannter so nebenbei kurz und bündig in einer e-mail geschrieben hat: „Betreibe Medienfasten.“ Gute Idee!!!

Was ich gerne an einem freien Abend mache (19.02.2015)

Ich bin nicht der große Wirtshausgeher und meide auch zu viele Kaffeerunden und lange Plaudereien in einer Gruppe mehrerer Leute. Nicht dass ich das grundsätzlich schlecht finde; meine Art Menschen zu begegnen ist halt eher das Vier-Augen-Gespräch. Größere Zusammenkünfte in der Freizeit bleiben die Ausnahme.

So gehe ich gerne mit Freunden hin und wieder essen, ins Theater, in die Oper, ins Programmkino. Oder auch spazieren oder gar wandern. Mit einem Schulfreund etwa treffe ich mich seit unserer Schulzeit einmal im Jahr. Immer der gleiche Ablauf: Abendessen, anschl. Landestheater in unserer Heimatstadt Linz. Dann ist es wie früher – wir fühlen uns wie damals in den 1980er Jahren.

Kürzlich war ich mit einem früheren Schüler von mir einen Abend weg. Er maturierte in unserem Stiftsgymnasium vor vier Jahren und hält Kontakt. Zwei Jahre durfte ich ihn im Italienisch-Freifach unterrichten. Nach der Vesper bei uns fuhren also wir nach Linz zu einem „italienischen Abend“. Der sieht ganz nach meinem Geschmack aus: Abendessen in einem italienischen Restaurant, wo nur Italiener kochen und servieren, anschl. gingen wir ins Moviemento zum Qualitätsfilm „Il capitale umano“. Ein grandioser Film, den ich nur jeden für die Semesterferien empfehlen kann (statt nichtssagenden Gewaltfilmen): ein erstaunlicher, vielperspektivischer Dreh mit einer harten Kapitalismuskritik. Ist anscheinend auch als „Die süße Gier“ auf Deutsch zu sehen:

Persönliche Gespräch mit einem Freund oder einer Freundin, gutes Essen, ein hervorragender Kinofilm – ein Abend wie ich ihn liebe! (Vielleicht helfen mir solche Abende auch, ganz in dieser Welt zu leben, mit ihr und ihren Menschen zu fühlen, nicht abgehoben zu werden, selbst wenn ich als Benediktinermönch insgesamt durch meine Lebensform in Distanz zu dieser Welt und seinen Menschen zu existieren versuche.)

Beichte (17.02.2015)

Beim Treffpunkt Benedikt haben wir dieses Schul-, Studien- und Arbeitsjahr den Schwerpunkt Sakramente. Für das Sakrament der Versöhnung baten wir den Wiener Psychiater Dr. Raphael Bonelli, aus seiner Sicht einen Zugang zur Beichte zu finden. Der Vortrag kam sehr gut an – hier nachzuhören: https://treffpunktbenedikt.com/bilder/2015-2/februar-2015/

Ich habe dann bei der Eucharistiefeier über die Bedeutung dieses Sakraments aus theologischer und pastoraler Sicht zu predigen versucht. Mich hatte ein Zuhörer des Vortrags gefragt, was denn ist, wenn jemand immer wieder die selbe begangene Tat beichtet. Raphael Bonelli hatte in der Pause zu mir darüber gesagt: Das kann pathologische (d.h. krankhafte) Züge haben und gehört angeschaut: Warum kann jemand eine bestimmte Sache nie abschließen, obwohl er sie schon öfters gebeichtet hat?

In der Predigt brachte ich diese Frage dann etwas missverständlich, wie mir ein junger Teilnehmer beim Treffpunkt erst eine Woche später sagte: Er hätte mich so verstanden, als würde ich sagen, es sei krankhaft, bei Beichten das gleiche Thema öfters zu bringen. Deshalb diese Unterscheidung zur Klärung:

Ich selbst beichte meist die gleichen Themen. Und das erlebe ich auch bei anderen so, die zu mir zur Beichte gehen: In dieser Beziehung sündigen sie immer wieder, im Umgang mit Arbeitskollegen sind sie unehrlich, sie beichten mehrmals in ihrem Leben, es mit der Steuererklärung nicht so genau genommen zu haben – immer mit dem festen Vorsatz, es nicht mehr zu tun. Das ist „normal“ und geht uns allen so: Unsere Charakterschwächen bleiben über die Jahre die gleichen und verfestigen sich im Alter sogar noch. Die gleichen Themenkreise bei der Beichte anzusprechen hilft uns, sie nicht als „eh in Ordnung“ einzustufen und so auf dem Weg der Besserung zu bleiben.

Anders ist es freilich, wenn jemand eine schon länger zurückliegende Tat immer wieder beichtet. Solche Menschen haben das Gefühl, sie wären damals so schuldig geworden, dass Gott ihnen bei einer einzigen Beichte nicht vergibt. Solch eine Haltung kann krankhaft sein: Ich kann hier nicht glauben, neu anfangen zu können, ich kann diese Sache nicht abschließen und muss sie fast zwanghaft immer wieder im Sakrament der Versöhnung sagen, weil ich sonst den strafenden Gott fürchte, der mich verdammt. Hier sagt die Kirche: beichte eine solche Tat (oder ein schweres Versäumnis) nur einmal – und halte dir dann vor Augen, dass dir Gott durch die Lossprechung des Priesters vergeben hat und diese Sünde in Gnade verwandelt! Wenn du das nicht kannst (was verständlich ist), dann bemühe dich darum; schau, dass du das abschließen kannst. Und zweifle nicht an Gottes Barmherzigkeit! Wenn das dann aber über einen längeren Zeitraum sehr belastend ist und du immer wieder die selbe Sache von früher meinst beichten zu müssen, dann suche dir Hilfe – im Extremfall auch beim Psychiater (zu dem zu gehen übrigens ein Zeichen der Stärke sein kann).

Ein Geschenk, mit dem man nicht rechnen soll (Chicago X)

Chicago 3Die acht vollen Tage in den USA im November 2014 waren ein „homecoming“. Ich merkte wieder, wie sehr mir dieses Land und seine Leute zur zweiten Heimat geworden sind. Manches sehe ich jetzt in der Mitte meines Lebens kritischer als damals zu Studentenzeiten. Da ist etwas Oberflächliches im Umgang, gepaart mit einer Haltung der natürlichen Überlegenheit des American Way of Life, der sich auch mit seinen negativen Seiten in der Kirche und seinen Orden nicht so leicht vermeiden lässt. Aber insgesamt bleibt für mich Amerika ein faszinierendes Land. Wie aufregend, in den Metropolen oder der weiten, unberührten Natur der Rocky Mountains, Canadas und Alaskas herumzustreunen. Wird mir das nochmals für längere Zeit möglich sein?

Chicago 4Eigentlich erstaunlich, was ich in diesen Tagen wieder erleben durfte. Zusammen mit meinem Gastgeber Paul Bednarczyk CSC, der mich nach Chicago eingeladen und auch die Tage nach dem Symposium für mich organisiert hatte, reflektierte ich bei einem Mittagessen hoch oben in einem Restaurant diese Erlebnisse und Erfahrungen. Tief unter uns sah ich die kleinen Autos in den Straßenschluchten Chicagos, neben uns die anderen architektonisch sehr ansprechenden skyscraper. Wir bestellten Burger. Ich sagte Paul, dass wir in Österreich meistens mit Burgern nur MacDonald’s verbinden, woraufhin er das Gesicht verzog und ausrief: „I would never go to MacDonald’s!“ Die hier servierten Burgers waren wirklich ein Hit, auch wenn ich dann das Ketchup und die Mayonnaise überall auf den Fingern hatte.

Paul kommt als Direktor der National Religious Vocation Conference viel in den USA und weltweit herum; regelmäßig hat er im Vatikan zu tun und genießt dann Rom. Seine Arbeit sei äußerst interessant, die Kontakte mit den verschiedenen Orden, Bischöfen, Geldgebern bereichernd, sein Wohnort und die Büros seiner Organisation in Chicago ein Traum. Von außen betrachtet könnte man meinen, er sein ein Manager. Aber dann sagte er etwas sehr Wichtiges: „Ich denke mir öfters, das ist einfach ein Geschenk. Wichtig ist mir, dass ich dabei meine Berufung nicht verliere und nicht in der Welt aufgehe. Täglich gehe ich in die Messe und bete das Studengebet in der örtlichen Gemeinschaft eines anderen Ordens. Das lässt mich verwurzelt sein. Und wenn ich in ein paar Jahren in Pension gehe, werde ich wieder in meiner Ordensgemeinschaft leben – irgendwo zurückgezogen auf dem Land: sicher monotoner, aber geistlich vielleicht noch fruchtbarer. Ich schätze mir jetzt, was ich erleben darf. Damit habe ich nie gerechnet. Und wenn es nicht mehr so ist, dann bin ich auch zufrieden. Es ist wichtig, dass wir an nichts festhalten.“

Plötzlich hatte ich das Gefühl, dass er von meinem Leben sprach: Ich war vor zwei Jahren zu Vorträgen in Houston mit interessanten Besuchen in Oregon und Dallas, dieses Jahr nach New York und Chicago eingeladen; viel wurde mir an diesen Orten ermöglicht, wirklich herausragende Tage. Ein Geschenk, das ich nicht erwartet habe, als ich in Kremsmünster eintrat. Da dachte ich eher, solche Dinge seien in der Zukunft unmöglich. Dann kamen die zwei Jahre in Rom. Ich nehme das alles dankbar an – und denke mir, dass man viel beschenkt bekommt, wenn man nicht damit rechnet. Und dass ich auch wieder leicht loslassen kann, was äußerlich betrachtet aufregend ist, um dort zu bleiben, wo ich hingehöre und letztlich das wahre Leben ist.

Theologie in Downtown Chicago (Chicago IX)

Chicago 2Die letzten drei Tage dieses US-Aufenthalts verbrachte ich in der Innenstadt Chicago. Ich lebte bei den Vincentinern, einer ebenfalls aus Frankreich kommenden Gemeinschaft, gegründet vom hl. Vinzenz von Paul. Rund um deren Residenz sind die Gebäude der St. Paul University, die von diesem Orden gegründet wurde und wo Mitglieder der Gemeinschaft nach wie vor den Präsidenten und einige Professoren an verschiedenen Fakultäten stellen. Mit ihnen beim Frühstück oder abends zu sprechen war sehr interessant. Dadurch lernt man ein Land so richtig kennen. Sie zeigten mir auch die grandiose Aussicht vom Hauptuniversitätsgebäude bei Nacht – die faszinierende Skyline von Chicago war schöner als im Film. Leider haben die Patres hier praktisch keinen Nachwuchs; sie leben auch (gegenüber dem Holy-Cross-Order an der Notre Dame University) ziemlich verweltlicht, ihr wichtigstes Anliegen ist die Universität mit ihren fast 25.000 Studenten.

Chicago 1An dieser Universität kann man zwar Philosophie und Religionswissenschaften, nicht aber das Vollstudium Theologie absolvieren. Dafür gibt es die genannte Notre Dame University, das diözesane Mundelein Seminary mit eigener Hochschule, die Loyola University der Jesuiten und die interkonfessionelle University of Chicago mit einer eigenen Theologischen Fakultät (Divinity School). Schließlich gibt es auch die CTU, die Catholic Theological Union, die mir genauer gezeigt wurde. Diese theologische Hochschule wird von mehreren Orden getragen. Früher hatten diese Orden eigene Ausbildungsstätten für ihren Nachwuchs, wie früher auch Kremsmünster oder St. Florian. Im Zusammenschluss können sie den 400 studierenden Schwestern, Brüdern, Priestern und Laien ein Angebot auf hohem Niveau bieten. Der Präsident der CTU, Mark Francis CSV, war 15 Jahre vor seiner hiesigen Ernennung in der Zentrale seines Ordens in Rom tätig und kennt Europa gut. Er meinte, eine gemeinsame theologische Hochschule mehrerer Orden sei vielleicht auch ein Zukunftsmodell für die Alte Welt, in der sich die Orden wieder verstärkt direkt um die theologische Ausbildung kümmern sollten.

Ich blieb dann noch einige Stunden in der Bibliothek, weil hier alle theologischen Zeitschriften waren, die mich interessieren und zu denen ich sonst oft nicht Zugang habe. Typisch amerikanisch: Als ich mit einem hohen Stoß zum Kopieren ging und der Bibliothekarin sagte, ich sei hier nur Besucher (ohne Habit) und hätte noch keine Kopierkarte, sagte sie ganz selbstverständlich: „Dann kopieren Sie einfach so“ – und das bedeutete: gratis.

Musik als Evangelisation (Chicago VIII)

Am Campus der University of Notre Dame besuchte ich nicht nur die Universitätsbuchhandlung und die Uni-Seelsorge, sondern auch den Komponisten Steven C. Warner. Ich hatte ihn beim 25-Jahre-Kongress der Berufungspastoral-Vereinigung aller US-Orden kennengelernt; diese National Religious Vocation Conference hatte bei ihm einen Hymnus in Auftrag gegeben, den er dann auch gemeinsam mit dem Notre Dame Choir bei unserer Abschlussmesse in Chicago erstaufführte. Warner ist einer der herausragenden Komponisten neuer geistlicher Musik in den USA.

Im Gespräch mit ihm ist mir manches klarer geworden, was irgendwie auch bei uns in der Luft liegt. Er meinte, es sei nach dem Konzil oft gedacht worden, es würde genügen, einfach die Sprache zu ändern. Aber man habe verabsäumt, das auch mit einer neuen musikalischen Sprache umzusetzen. Deshalb sei die Liturgie in den letzten Jahrzehnten verarmt oder einfach stecken geblieben; und die neueren Lieder stamme meistens aus den 1970er oder 1980er Jahren.

In Europa beobachte er, dass man kaum dazu bereit sei, professionelle Musiker von der Kirche her anzustellen. Deshalb werde auf diesem Gebiet gegenüber der anglikanischen Kirche in England oder in verschiedenen Konfessionen der USA musikalisch außerhalb der Kathedralen kaum etwas Neues geschaffen. Eigentlich müsste jede Pfarre viel Energie und personelle Kräfte in die Kirchenmusik stecken. Wo das geschehe, würde auch das religiöse Leben aufblühen. Was er fordert würde die Berufung der Laien neu zur Geltung bringen.

Natürlich sieht er alles sehr von seinen Erfahrungen als Kirchenmusiker her. Aber er kann überzeugend darlegen, wie z.B. Studenten von ihm derzeit in Dublin Pfarren musikalisch neu aufstellen und es dort zu einer gesamtreligiösen Erneuerung kommt. Liturgie vor allem von der Musik her beleben – dieses Desiderat habe ich so deutlich nie gespürt wie bei diesem Besuch bei einem, der mit seiner neuen Musik Eingang gefunden hat in Kirchengesangsbücher. Nicht von ungefähr will er auch mehrere Instrumente in der Liturgie verwendet wissen.

Vielleicht sollten wir die Stimmen junger Menschen nicht zu schnell als unreif abtun, die sagen, der Gottesdienst sei langweilig. Er ist kaum ein Erlebnis und voll von Worten. Liturgie muss zum Ereignis werden, wo wir das Mysterium spüren und gestärkt nach Hause gehen. Bei jedem Sonntagsgottesdienst, in den kleinsten Pfarren. Und das bedeutet, die Musik zur Geltung zu bringen. Erst dann können auch die Sakramente ihre Kraft entfalten. Deswegen finde ich es bemerkenswert, wenn mir Steven Warner am Ende unseres Gesprächs zu bedenken mit auf dem Weg nach Hause gab: In der katholischen Kirche beginnen wir meist mit den Sakramenten und wiederholen ständig, wie unersetzbar wichtig sie sind und dass sie doch wieder mehr gebraucht werden sollen. Wie wäre es, einmal umgekehrt anzufangen: Zuerst einen Raum schaffen, in dem eine Stimmung aufkommt, in der man Gott suchen will, wo er sogar anfanghaft erfahren wird. Erst dann macht es Sinn, von der verdichteten Gegenwart in den Sakramenten zu sprechen und diese den Menschen von heute anzubieten.

An der Notre Dame Universität (Chicago VII)

Von der berühmten University of Notre Dame (1841 gegründet) hatte ich schon viel gehört, nun bin ich zwei Tage im Ausbildungshaus des Ordens vom Heiligen Kreuz (CSC), der aus Frankreich kommt (deshalb Notre Dame) und hier seine wichtigste Niederlassung hat. Von den 350 Ordensmännern der Provinz leben hier etwa 100, davon sind 50 in Ausbildung. Hier sehe ich einmal mehr, dass etliche Orden in den USA viele junge Leute anziehen. Wir Benediktinerin Österreich sind ja auch ziemlich genau 350 in 16 Klöstern, aber weit davon entfernt, 50 Leute in Postulat, Noviziat oder zeitlichen Gelübden zu haben.

Das Ausbildungshaus des Ordens (Moreau Seminary) hat eine gute Atmosphäre. Hier sieht man gleich, dass gesunde junge Männer sich auf ihr Ordensleben vorbereiten. Viele von ihnen kamen durch Kontakte von Brüdern und Patres an dieser Universität und anderen Bildungseinrichtungen mit dem Orden in Kontakt. Am Campus der Notre Dame University sowie am naheliegenden Holy Cross College leben etliche Brüder und Patres in Dormitories für männliche Studenten (Studentinnen und Studenten leben in separaten Häusern verstreut über das ganze Universitätsgelände). Dadurch haben die „Holy Cross Fathers“ neben ihren geballten Residenzen der Patres und Brüder direkten Kontakt zu Studenten in jenem Alter, in denen heute junge Leute eine Berufung zum Priester oder Ordensleben erwägen.

Der Campus lässt alte Gefühle in mir aufsteigen. An der Duke University wie auch an der Yale University habe ich erlebt, wie viel amerikanisches Studentenleben bieten kann. An dieser katholischen Uni hier studieren 15.000 junge Menschen – eine Welt für sich. Da gibt es alles, die Gebäude sind zumeist schön und ehrwürdig, im neugotischen Stil des 19. Jahrhunderts. An der Lourdes-Grotte fand ich selbst spätsabend noch Studenten versunken im Gebet, in den Uni-Gebäuden sind überall Fotos von herausragenden Persönlichkeiten aus der Vergangenheit im Ordensgewand oder als Priester erkennbar. Oft ist ein Bild oder sogar eine Statue von Papst Franziskus zu sehen.

Eng verbunden mit dem Geist an der Notre Dame University ist der Sport. Notre Dame verbinden viele mit einem erfolgreichen Football-Team, das am nächsten Wochenende wieder spielen wird. – „Bernard, too bad you will be already gone, we would have loved to take you there. That would have been a unique American experience!“ Das Stadium am Rande vom Universitätscampus bietet Platz für 10.000 Leute; es wird auch für die Graduierungsfeiern im Mai verwendet. Und wieder denke ich an die Duke University, wie ich oft noch spätnachts ins Schwimmbad ging, dann in der Bibliothek saß, die 24 Stunden täglich offen war, und an die Graduierungsfeier im Stadium, wo Jimmy Carter die Festansprache hielt. Auch dort war das religiöse Leben sehr wichtig, freilich in protestantischer Ausprägung. Damals war ich noch nicht Benediktiner, sondern der österreichische Doktorand Andreas. Das ist nun 17 Jahre her. Wie heute hätte ich auch zu dieser Zeit gesagt: Das studentische Leben und die religiöse Ausrichtung privater US-Universitäten begeistern mich!

Gläubige können anders sein (Chicago VI)

Chicago 7Ich habe noch nie gesagt, dass gläubige Menschen besser sind. Im Gegenteil, ich betone immer wieder, dass wir Personen sind wie andere auch; der Glaube macht uns nicht automatisch zu braveren oder geduldigeren Leuten. Es ist gefährlich, Religion als Besserungsanstalt zu sehen. Jeder, der in ein Kloster eintritt oder in der Kirche arbeitet, weiß: Wir sind ein Spiegel der Gesellschaft; manchmal habe ich sogar das Gefühl, wir sind eine Karikatur derselben. Was in unserer Zeit ein Trend ist, spitzt sich im Kloster und in der Kirche zu, und das nicht nur im Positiven.

Aber es gibt Momente, in denen ich merke, dass Christen anders sein können. Ich schreibe diese Zeilen gerade im Auto auf einem sechsspurigen Highway im Großraum Chicago, wo ich hinten sitze und den Computer öffnete, um einen Satz der Hotelrezeptionistin zu notieren, die mich eben verabschiedete. Sie sagte, als ich ausgecheckt habe: „Your group has been really wonderful. I wish that all groups were like this.“ Ich sagte: „Well, we all live in monasteries. Perhaps community life makes us easy-going and relyable.“ Darauf sagte die Hotelangestellte: „Then I wish all persons would live in monasteries“, worauf ich konterte: „In this case we would die out!“ Da lachten auch die anderen Hotelmitarbeiterinnen.

Was sich hier abspielte merkte ich auch gestern beim großen Dinner am Ende des Kongresses. Wir waren über 400 in diesem Marriott-Hotel, das 800 Personen unterbringt. Ich genoss das schöne Zimmer, das Fitnesszentrum, den Swimmingpool hinter dem Hotel. Die Hotelangestellten waren überall sehr freundlich zu uns. Für sie waren wir natürlich eine merkwürdige Gruppe: Viele Ordensleute im Priesterkollar und in ganz verschiedenen Habitformen und -farben. Gestern nun bedankte sich der Direktor der National Religious Vocation Conference bei der Hotel-Staff. Viele reihten sich auf, Küchenpersonal und Rezeptionistinnen, Putzkräfte und Kellner. Wir klatschten, erhoben uns von unseren Sitzen. Das freute die Hotelangestellten. Ob sich alle Gruppen bei ihnen so bedanken?

Und dann kam das wirklich Außergewöhnliche: Der Direktor forderte uns auf, zum Segen die Hände auszustrecken. Er sprach ein Gebet, und die Ordensleute sangen alle ein Segenslied. Die Hotelangestellten waren sichtlich berührt. Viele von ihnen sind ja ärmere Einwanderer aus Mexiko, den Philippinen oder der Dominikanischen Republik – Katholiken, die der US-Kirche Zuwachs und neuen Schwung geben.

Es ist gut, gläubiger Christ zu sein. Und es ist schön, bei einer Ordenskonferenz von außen zu hören: „Your group was so wonderful. I wish all guests would be like that!“ So sitze ich hinten im Auto, gerade rauscht die Skyline von Chicago an mir vorbei, auf der andern Seite der Michigan Lake. Das Auto lenkt der Direktor der erwähnten US-Organisation der Vocation Directors, neben ihm sitzt sein Provinzial. Wir fahren zur Notre Dame University, die bekannte katholische Uni, die deren Orden gegründet hat. Ich denke dort werde ich merken, dass gerade amerikanische Gläubige anders sein können …

Ein Bankett im Angesicht der Armen (Chicago V)

Das Abschlussessen der mehrtägigen Konferenz im riesigen Ballsaal des Marriott-Hotels spielte alle Stücke. Doch wurde bewusst auf Blumenschmuck und weiteren Aufwand bei der Saalgestaltung verzichtet. In der Mitte eines jeden Tisches stand dafür ein großer Korb mit Lebensmitteln. Anfangs dachte ich, das wäre wieder einmal schlechter amerikanischer Geschmack oder eine schräge Verzierung, hier nun Konservendosen, Reissackerl und Gemüse einfach so auf die Tische zu stellen.

Diese Lebensmittel waren für die Armen der Stadt gedacht. Eine großartige Idee, sie den ganzen Abend auf den Tischen zu haben. So blickten wir immer wieder hin, während das mehrgängige Menü serviert wurde. Es berührte mich, dass diese Lebensmitteln am nächsten Tag von Obdachlosen und illegalen Einwanderern, die oft wirklich nicht einmal das Notwendigsten zum Leben haben, verwendet werden würden. So waren sie ständig präsent.

Chicago 6Wenn Franziskus von einer armen Kirche für die Armen spricht, heißt das nicht, man dürfe nicht mehr feiern, nicht mehr gut essen und trinken. Aber man kann nicht mehr so feiern, als ob es keine Armen gäbe. Durch den Blick auf sie sehen wir alles in der rechten Perspektive. Das gelang hier auf unaufdringliche und doch eingehende Weise. Und ich erinnerte mich an das, was mir in Houston der Provinzial der Eastern Province des Dominikanerordens erzählt hatte: In Washington, D.C. hätten die Dominikaner eine Anbetung für junge Menschen angefangen, zu der die Leute Lebensmittel mitbringen, die sie vor das Allerheiligste legen. Nach der Anbetung würden die Jugendlichen die Lebensmittel, die eine Stunde vor der Monstranz gelegen hatten, zur nahegelegenen Ausspeisung für Arme bringen. Glaube, der fruchtbar wird und jene einbezieht, die weniger haben als wir! Verschränkung von Leiturgia, Martyria und Diakonia nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis: Liturgie führt zum Zeugnis und zum diakonalen Handeln.

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