Impulse Februar 2013

Schreibe Deine Einschätzung in einem Kommentar unterhalb der Impulse von P. Bernhard!

Vom Segen der Exerzitien (25.02.2013)

Ihnen habe ich so viel zu verdanken, wie sonst keinen Übungen: Regelmäßige Exerzitien seit 1997 ließen meinen Glauben vertiefen, Jesus Christus als Person entdecken und die Heilige Schrift existentiell lesen. Von diesem eigenen Erleben ausgehend, biete ich auch selbst Exerzitienkurse an und erlebe bei den anderen, wie wertvoll solche Tage sein können.

Gerade bin ich im Exerzitienhaus Subiaco, unweit meines Klosters entfernt, zusammen mit neun jungen Leuten zwischen 18 und 35. Das ist schon das Limit, denn mit neun kann ich jeden Tag in Ruhe ein Begleitungsgespräch führen. Die geistliche Stimmung ist enorm, die Wege der Gottsuche und die mir mitgeteilten geistlichen Einsichten berühren mich immer wieder. Da werde ich selbst beschenkt, auch wenn mir so manches Problem auch nahe geht, das gerade im Schweigen bei dem einen oder der andren auftaucht. Denn das ist das Geheimnis einer solchen Woche: Absolutes Schweigen, außer bei den Begleitungsgesprächen in einem Zimmer.

Sieben Gebetszeiten am Tag für sieben lange Tage – das ist keine Kleinigkeit: Gemeinsames Morgengebet, vier persönliche Betrachtungen von Bibelstellen, die ich vom einen Tag auf den anderen – je individuell – aufgebe. Sodann Eucharistiefeier vor dem Abendessen, Anbetung und Komplet später am Abend. Das sind also 2 ½ Stunden gemeinsame Gebetszeit und vier Mal 30-45 Minuten persönliches Gebet. Manche fügen diesem täglichen Reigen von fünf Gebetsstunden noch weitere Zeiten in der Kapelle hinzu, besonders auch des Nachts, wenn jemand nicht schlafen kann.

So sind wir also im „Kremsmünsterer Übungscamp“ fürs geistliche Leben. Das Essen ist sehr gut, die Winterlandschaft bezaubernd. Diese jungen Leute verwenden ihre Ferien oder ihren Urlaub dazu, sich auf diese wohl intensivste Form der Gottsuche zu begeben. Ich merke jetzt schon: Niemand wird unbeeindruckt nach Hause zurückkehren.

Der Papst als Revoluzzer (22.02.2013)

Mir geht noch die Entscheidung von Benedikt XVI. nach, Ende Februar als Papst zurückzutreten und einem Jüngeren Platz zu machen. „Eigentlich ein voller Revoluzzer“, meinte kürzlich ein junger Mann zu mir. Und er hat recht: Benedikt XVI. schreibt Geschichte und setzt Maßstäbe, indem er das Ungewohnte einfach tut.

DSCN9406_(800_x_600)Was mich dabei besonders fasziniert: Er tat diesen Schritt wohl überlegt aus sich heraus. Er dürfte vor Gott zur Gewissheit gelangt sein, dass dies nun der richtige Schritt ist. Er hat sich nicht gedacht: Was werden da die Leute denken, das gab es doch erst einmal in der 2000-jährigen Kirchengeschichte etc. Nein, er tat, was ihm eingeleuchtet ist. Vier Tage vorher traf er noch seinen früheren Schüler und Vertrauten Kardinal Christoph Schönborn. Dieser gab unumwunden zu: „Der Papst sagte mir nichts und ließ sich nichts ankennen.“ Übrigens auch eine Demutshaltung des Erzbischofs von Wien, der ja auch zweideutig sagen hätte können, über solche Gespräche sagt man öffentlich nichts u.s.w. Nein – absolute Transparenz auf allen Seiten. Der Papst dürfte in der Tat nur mit seinem Bruder und vielleicht noch jemanden darüber gesprochen – und dann endgültig seine Entscheidung gefällt haben. In Zeiten, in denen alles zerredet wird und es von Beratern nur so wimmelt auch eine Botschaft.

DSCN9357_(800_x_600)Diese Botschaft des Papstes sollten wir für unser Leben fruchtbar machen. Natürlich wird jetzt spekuliert, was ihm das Leben so schwer machte oder letztlich zum Schritt bewogen haben dürfte. Das sollte uns nicht weiter kümmern. Für uns ist die Lektion klar. Es geht um Gott, nicht um Ruhm und Macht. Und so finde ich eine Überschrift der liberalen deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“ bemerkenswert: „Gott ist wichtig, ich bin es nicht. Benedikt XVI. wird nicht als Kirchenfürst in Erinnerung bleiben, sondern als Erneuerer des Glaubens.“ Toll, nicht? Ja, ein echter Revoluzzer!

Übrigens war ich am Tag nach dem Papst-Rücktritt bei Dr. Gerold Lehner, dem evangelischen Superintendenten von Oberösterreich, zu Besuch. Wir redeten natürlich auch über den Rücktritt des Papstes. Da sagte der oberste evangelische Christ unseres Landes: „Ich habe mir heute vormittag die Rücktritts-Rede vom Papst durchgelesen. Ein wirklich starker Text. Den musst Du lesen! Da spricht ein geistlicher Mensch!“ – Interessant, dass ein Evangelischer diese Leseempfehlung gibt. Ja, der junge Mann hatte recht: Der Papst durchbricht alle Konventionen – und fasziniert gerade dadurch.

Papst Benedikt, der Demütige (20.02.2013)

PapstAls Kardinal Joseph Ratzinger im April 2005 zum 265. Papst gewählt wurde, trat er mit diesen Worten vor die jubelnden Massen auf dem Petersplatz: „Nach einem großen Papst, Johannes Paul II., haben die Herrn Kardinäle mich gewählt, einen einfachen, unwürdigen Arbeiter im Weinberg des Herrn.“

Er blieb auch als Benedikt XVI. der bescheidene, zurückhaltende Mensch, als den ich ihn durch seine Schriften für meine Doktorarbeit und dann als Mönch persönlich während meiner Studien in Rom kennengelernt hatte.

Papst 1_(800_x_600)Dann nach der Papstwahl sah ich öfters live, wie dem Jugendliche Benedikt zugejubelt haben und ihm das fast peinlich war. Er wollte nicht gefeiert werden. „Benedetto“-Rufe von Sprechchören ließ er manchmal durch eine Handbewegung verstummen. Papst Benedikt zog die Stille vor, in die hinein er vom geistlichen Reichtum des christlichen Glaubens erzählen konnte.

Mich hat der Rücktritt tief bewegt. Joseph Ratzinger hatte sich bewusst den Namen Benedikt gewählt, weil er in der heutigen Zeit Ähnlichkeiten sieht zu der Umbruchszeit des heiligen Benedikt von Nursia im 6. Jahrhundert. Die Klöster werden für die Erneuerung des Glaubens eine große Rolle spielen, davon war Papst Benedikt überzeugt. Und er zieht sich jetzt zurück – aus Demut vor der großen Aufgabe und seinen schwindenden Kräften.

DSCN9384_(800_x_600)Der Heilige Benedikt schreibt in seiner Regel lange über die Demut, die ja aus dem Wort Dien-Mut, also Mut zum Dienen entstanden ist. Papst Benedikt lebt sie uns vor: Nicht Ruhm und Ehre, Macht und jubelnde Massen machen den Christen groß, sondern die Freundschaft zu Gott. Deshalb kann er jetzt leise abtreten. Nicht krampfhaft festhalten, sondern loslassen und Schwäche zugeben können: Welche Botschaft an uns für diese Fastenzeit!

Terminkalender (08.02.2013)

Manchmal traue ich mir schon gar nicht mehr auf den Terminkalender zu Abt Odilioschauen, weil ich Angst habe, etwas fast übersehen zu haben, dieses und jenes jetzt noch in den Tag pressen oder vorbereiten zu müssen. Da hat mir jemand einen guten Satz von Odilo Lechner OSB, Altabt von München, aufgeschrieben: „Ich wünsche Dir, dass Du Deinen Terminkalender nicht als einen Tyrannen erfährst, sondern als Deinen Freund. Er mache Dich auf Wichtiges aufmerksam und halte Dir Freiräume offen, Dich selbst zu finden.“

KalenderUnd so schaue ich jetzt auf meinen Terminkalender – und erwarte keine Bedrohung, sondern Freiräume. Ja, in der Tat: Heute am Nachmittag, nach einer Sitzung um 14:00 habe ich bis zur Vesper um 18:00 Zeit, um einige Sachen in Ruhe abzuschließen, dann fahre ich zu einer lebendigen Versammlung von jungen Leuten, um mit ihnen Eucharistie zu feiern und zu beten. Und morgen, da habe ich so richtig Zeit, die Predigt vorzubereiten, um 11:15 habe ich dann ein Gespräch, Mittagsgebet, Mittagessen, Beisammensein mit den gleichaltrigen Mitbrüdern, spazieren gehen, abends wieder einen schönen Termin.

Abt Odilo lehrt mich, es ist die rechte Perspektive, mit der ich auf meinen Terminkalender schaue: Nimm einmal die vielen Freiräume wahr!

Zu einem war er nicht fähig (04.02.2013)

Placidus Fixlmillner_(800_x_600)Sonntag für Sonntag gibt es bei uns in der Stiftskirche Kremsmünster ein vom Chor gesungenes Hochamt, etwas Einmaliges in Oberösterreich und darüber hinaus. Fast alle Messen von Mozart und Haydn, aber auch zahlreiche Werke anderer Komponisten gelangen durch den Chor und das Orchester unter der Leitung von P. Altman zur Aufführung. Ich habe öfters das Hochamt am Sonntag um 10:15 und erlebe die erhebende Liturgie mit Freude und innerer Anteilnahme.

So auch die Messe vom letzten Sonntag, die „Missa S. Bonifacii“ von P. Placidus Fixlmillner. Er war der erste Direktor unserer Sternwarte, von 1760-1791, und schaffte viele Messgeräte an und beobachtete selbst Naturphänomene, wie z.B. die damals aufsehenerregenden Sonnenfinsternisse. Er berechnete die Uranus-Bahn, seine Ergebnisse erschienen im Druck und fanden in verschiedenen Städten Europas Beachtung. Ohne Fax, Telephon und e-mail stand er im regen Kontakt mit der damaligen wissenschaftlichen Welt.

Er hat aber auch komponiert – eine bislang unbekannte Seite des Universalgenies. Jetzt wurde sie nach über 200 Jahren wieder aufgeführt – ein überwältigendes Werk. P. Altman hat dafür das Notenmaterial ganz neu erstellen müssen. Er hat sich genau mit P. Placidus beschäftigt und zeigte mir vor der Messe die Beschreibung eines anderen Mitbruders, der den Mönch des 17. Jahrhunderts persönlich gekannt hat.

Täglich zelebrierte Placidus Fixlmillner um halb sieben Uhr die Hl. Messe hoch oben in der Kapelle der Sternwarte und schleppte sich noch in den letzten Wochen vor seiner Todeskrankheit zum Gebet der Gemeinschaft. Und dann dieser tiefgründige Satz: Capacem ad omnia solius incapacem superbiae. „Seinen Fähigkeiten war keine Grenze gesetzt, aber zu einer Sache war er nicht fähig – zum Stolz.“

3 Antworten zu “Impulse Februar 2013

  1. Einmal auf die Freiräume anstatt auf die Termine achten, dass muss auch ich mir vornehmen!
    Mir geht es genauso, dass ich nur mehr vom Einem zum Anderen hetze. Zwar dreht es sich bei mir meist ums Lernen, aber irsinnigen Streß habe ich trotzdem oft und merke es gar nicht mehr wenn ich endlich einmal Zeit habe zu Atem zu kommen, weil ich mir schon wieder wegen dem Nächsten Sorgen mache.
    Vielen Dank für diesen super Impuls P. Bernhard!

  2. Lieber P. Bernhard!
    Ich mag Deine Impulse sehr und freue mich immer wenn ich sehe dass Du wieder einen neuen hineingegeben hast.
    Manchmal frage ich mich wie Du dass machst, das Du Dir alle paar Tage ein neues Thema einfallen lässt? Da dachte ich mir, es wäre vielleicht für Dich ganz interessant welche Themen deine Leser interessieren!
    Ich würde mich freuen über einen Impuls über/für:
    die Fastenzeit (neu auf Jesus ausrichten, warum fasten? wie fasten?)
    Anregungen für das tägliche Gebet
    Leben im Kloster (was bewegt einen dazu? welche Bedeutung hat der Habbit?)
    das Leben in die Hände Jesu legen
    mit (nicht gläubigen) Freunden über den Glauben/Jesus reden
    wie man Gott mehr in sein tägliches Leben einbeziehen kann außerhalb der hl. Messe und persönlichen Gebetszeit
    oder einfach darüber wie sehr uns Gott liebt, dass wir nie alleine sind, alles in seine Hände legen können…
    Ich hoffe das ist in Ordnung so und würde mich sehr freuen, wenn Du darauf eingehen könntest!
    Vielen Dank für Deine Impulse!

  3. Jesus Freak :)

    Ein toller Impuls, der stark zum Nachdenken anregt und auch um das eigene Leben und die eigenen Motive zu überdenken:
    Für wen/ warum mache ich dass? Für Gott oder weil andere das von mir erwarten? Ich persönlich nehme mir vor: Auf den Willen Gottes achten. Und nicht auf die Meinung anderer!
    Danke dass Du uns möglich machst Papst Benedikt XVI so zu sehen! Zwar als tollen Papst, aber auch als „normalen“ Menschen wie wir, der sein Leben voll und ganz auf Gott ausrichtet und nur daraufhin lebt. Lückenlos!
    Danke für diesen super Impuls!

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