Impulse Dezember 2012

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Weihnachten für einen Benediktiner (27.12.2012)

Öfters fragen uns Menschen, wie wir Weihnachten verbringen. Wesentlich sind für uns die kirchlichen Feiern; ihre Vorbereitungen nehmen viel Zeit in Anspruch. Und das finde ich besonders schön: Was sagen die biblischen und liturgischen Texte? Kann ich das Maryrologium am Beginn der Mitternachtsmette, die Präfationen und Segensabschlüsse sowie die Evangelien schon singen? Notizen der vergangenen Tage oder gar Wochen sind Anstöße für Predigten und Einführungen. Unterzubringen sind vor Weihnachten noch viele Gespräche, Weihnachtswünsche, e-mails.

Dann war es soweit: Am Heiligen Abend um 16:00 die Kindermette in Waldneukirchen – viele Familien, die sonst meist kaum in die Kirche gehen, die aber viel erwarten und für die diese kirchliche Feier dazugehört. Da muss ich besonders aufpassen, was ich sage und wie ich mich verhalte. Schön, wie offen und erwartungsfroh die Kleinen sind! Zurück ins Kloster: Feierliche Vesper, Besuch der kranken und alten Mitbrüder in der Infirmarie, dann am Klosterfriedhof. Zusammen unter dem Christbaum singen wir, Abt Ambros hält eine Ansprache, jeder von uns bekommt ein (selbst erbetenes) Geschenk. Wir essen miteinander. Die meisten von uns Priestern schwärmen wieder aus, auch die, die keine eigene Pfarre haben: Die Mitternachtsmetten rufen uns. Das gefällt mir an Sonn- und Feiertagen sehr gut: Wir fahren hinaus in den „Weinberg Gottes“ und kehren wieder nach Hause ins Kloster zurück. Einsatz für das Reich Gottes. Beschenkt werden vor allem wir – vom Glauben so vieler Menschen!

Die Mitternachtsmette in Meggenhofen ist gut besucht, viele junge Leute. Hier war ich schon drei Mal, erstaunlich – die Menschen kennen mich mit Namen. Und freuen sich, dass ich da bin. „Bitte die Kirche dunkler machen – Ministranten: den Weihrauch herrichten. Natürlich großer Einzug.“ Vor einer Messe ist es in der Sakristei hektisch, das merken die Messbesucher meist nicht. Doch dann, als es losgeht, legt sich auch in mir der Sturm, und ich darf wieder einfach mitfeiern, auch wenn ich vorne stehe und rede und singe und die heiligen Riten für das Volk Gottes und im Namen des Herrn vollziehe. Nachher viele Hände schütteln: „Frohe Weihnachten!“ Und zurück ins Kloster. Dort sehe ich gerade, wie P. Altman mit den Musikern die Probe beendet und Abt Ambros pünktlich um Mitternacht in die Kirche einzieht. Ich gehe schon ins Bett – nach einem kurzen Gebet, in dem ich den vollen und erfüllenden Tag Revue passieren lasse.

Zu Weihnachten und zu Ostern schlafen wir länger, da beginnt die Laudes erst um 7:30. Beim Frühstück tauschen wir uns über die liturgischen Feiern der Nacht aus – jeder hat was zu erzählen. Dann fahre ich nach Kematen zur Christtags-Messe. Der Kirchenchor probt gerade, einige Ministranten sind schon in der Sakristei, die Mesnerin fragt noch einige Kleinigkeiten (und ich sie: jede Pfarre hat so ihre Bräuche!), die Kirche füllt sich. Wieder ein sehr schöner Gottesdienst. Den Menschen bedeutet Weihnachten viel, und bei der Kommunion bin ich wieder einmal berührt, wie andächtig viele die Hostie, den Leib Christi, aufnehmen. Der Sohn Gottes wird Fleisch – in unserer Mitte.

Ich fahre weiter nach Linz zu meiner Familie. Meine beiden Schwestern sind bei unseren Eltern schon eingetroffen, meine Nichte Isabella auch. Wir essen Pizza. Dann werde ich zum Mittagesschlaf geschickt („Das bist Du vom Kloster ja so gewöhnt!“). Nach der Siesta (bei der ich die Ruhe meiner Klosterzelle vermisste) ein langer Familienspaziergang mit Ausblicken auf meine Heimatstadt. Schön, in einer solchen Familie zu sein! Nach der Rückkehr wird der Christbaum geschmückt und gekocht. Dann spielen wir „Mensch ärgere dich nicht“. Wie lustig ein so blödes Spiel sein kann! Die Weihnachtsfeier, wie ich sie schon seit Kindertagen kenne: Wir essen, dann singen wir viele Lieder, hören das Weihnachtsevangelium, packen die Geschenke aus. Und reden, lachen, erzählen. Ein Abend, an dem nichts besprochen, entschieden, ausgemacht werden muss. Einfach da sein können. Jeder darf so sein wie er ist – das zeichnet wohl Weihnachten aus.

Am zweiten Weihnachtstag, dem Stefanitag, fahre ich nach Kleinraming zur Messe. Dort war ich noch nie. Wieder eine schöne Feier – wie die Menschen mitgehen! Einer der Messbesucher nimmt mich mit ins Wirtshaus: Hier der Männerstammtisch, dort eine Gruppe von Leuten, die auch „dem Herrn Pfarrer“ gerne die Hand geben, obwohl sie nicht in der Kirchen waren (ich versuche zu vermeiden, was als leiser Vorwurf gedeutet werden könnte), in einem anderen Raum eine Gruppe von Männern und Frauen, die Stefan und Stefanie heißen und in diesem kleinen Ort sich seit 15 Jahren täglich treffen und den Stefanitag gemeinsam in der Kirche und beim Wirt feiern.

Zu Mittag sind wir wieder im Kloster beisammen – erfüllt von all den Feierlichkeiten, manche auch sichtlich müde. Einige alte Mitbrüder, die nicht mehr hinausfahren, interessiert, wo die anderen waren. Sie leben in den jungen Mitbrüdern weiter – über ihren Tod hinaus.

Am 27. Dezember geht es für eine Woche nach Trier, wo ich bei den Benediktinern persönliche Einkehr halte und von einem erfahrenen Mönch täglich begleitet werde. Ich möchte ja nicht nur Exerzitien geben, sondern selber immer wieder welche machen. Und vor allem das verinnerlichen, was wir in diesen Tagen gefeiert haben. Zum Treffpunkt Benedikt am 5. Jänner bin ich wieder rechtzeitig zurück.

Ich bin gemeint! (18.12.2012)

Jetzt am letzten Samstag haben wir im Jugendgebetskreis hier in Kremsmünster gesungen: „He desires you.“ Da habe ich mich plötzlich angesprochen gefühlt: Gott sehnt sich nach mir, er begehrt mich! Wow! Da schnalle ich ab, wie meine Schüler sagen würden.

Wir reden ja oft davon, dass wir Gott suchen und uns nach ihm sehen (sollen). Aber vergessen wir nicht die andere Richtung, die uns vorangeht? Gott sehnt sich nach Dir! Er möchte Dich sosehr in seiner Nähe haben, dass er alles tut, um zu Dir zu kommen. Deshalb die Geburt vor 2000 Jahren in Betlehem, als Kind.

Dann am Sonntag in meiner Morgenmeditation nach der Laudes (als um 6:30 fast alle von Euch noch schliefen) habe ich die Erfahrung vom Vorabend nochmals betrachtet und mir anhand der sonntäglichen Lesungen zueigen gemacht: „Freuet Euch!“, schreibt Paulus. Auf einmal merkte ich, dass ich solche Worte als Priester sofort an die anderen gerichtet sehe – und wie ich das deuten kann. Doch mir wurde bewusst: Ich darf mich freuen, weil der Herr so nahe ist!

Dieses Wochenende hat etwas in mir verändert: Ich bin gemeint! Vielleicht wollt auch Ihr darüber nachdenken, ob Ihr die Worte der Bibel, der Liturgie, geistlicher Texte an Euch gerichtet versteht. Ihr habt mir da sicher einiges voraus. Trotzdem auch an Euch die Frage: „Merkt Ihr, dass Ihr gemeint seid und Euch das angeht?“

Martina (12.12.12)  🙂

SegenSie hat mir vor zwei Tagen geschrieben: „Danke für den Segen von euch allen, dem ganzen Treffpunkt Benedikt, mit dem ihr mich vorletzte Woche ‚gesendet‘ habt. Es hat mich sehr gestärkt, und für mich ist es die schönste Art des Abschiednehmens.“ Und sie bittet mich, für sie ein Empfehlungsschreiben an die Missionaries of Charity zu senden, da ich der Priester sei, der sie wohl am besten kennt.

Nun wird es also ernst: Martina Husch wird in drei Wochen in Oberösterreich ihre Zelte abbrechen und nach Rom gehen zur Kandidatur im strengen Orden der Mutter Theresa. Nicht einmal ohne weiteres besuchen werden wir sie können; eine längere Rückkehr nach Hause ist nicht vorgesehen. Es ist wirklich ein Abschied für immer, falls sie sich nach Jahren der Probezeit entschließt, endgültig sich an den Orden zu binden.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie mir Martina vor acht Monaten mitgeteilt hat, sie wolle sich dem der Anbetung und den Armen gewidmeten Frauenorden mit den schlichten blauen Habits anschließen. Zwei Besuche in der Wiener Niederlassung – und sie war sich endgültig sicher. Ihre Umgebung reagierte gefasst, aber auch betroffen. Ich war sehr berührt, als sie mir das erste Mal davon erzählte: eine 20-jährige, quietscht-vergnügte junge Frau will ihr Leben ganz Gott geben. Das hat meine eigene Berufung gestärkt und in Frage gestellt, auf was ich sonst baue. Ja, es ist etwas sehr Schönes, den Schritt ins Ungewisse zu setzen, voll Hoffnung und Vertrauen. Gott allein genügt. „Nimm mich an, o Herr, wie du verheißen hast, und ich werde leben. Lass meine Erwartung nicht zuschanden werden.“ So singen wir dreimal bei der Profess, wiederholt jeweils von der Mönchsgemeinschaft.

Beim erwähnten letzten Treffpunkt Benedikt haben wir Martina auf unsere Weise verabschiedet: Sie kniete sich nieder, Abt Ambros legte ihr die Hände auf den Kopf, hinter ihr standen wir anderen Priester und legten unsere Hände auf ihre Schultern, hinter uns standen die Teilnehmer von Treffpunkt Benedikt und legten einander die Hände auf, sodass wir alle verbunden waren und auf diese Weise für Martina den Segen erflehten. Ein packendes Ereignis, als wir dabei immer lauter sangen: „Misericordias Domini in aeternum cantabo“ – das Erbarmen des Herrn werde ich in Ewigkeit singen. Ein passendes Motto für das neue Leben von Martina.

8. Dezember – Maria Empfängnis (11.12.2012)

Maria Empfängnis – was feiern wir da eigentlich? Diese Frage stellte ich einmal im Religionsunterricht. Meine Schüler waren sich einig: „An diesem Tag feiern wir, dass Maria Jesus empfangen hat!“ Eine Schülerin schaute dann aber nachdenklich drein und meinte, eine Schwangerschaft dauere doch neun Monate. Nur knapp über zwei Wochen Schwangerschaft – vom 8. bis zum 25. Dezember –, das ist doch etwas kurz. Da drehte sich ein Schüler zu seiner Klassenkollegin um und belehrte sie: „Bei Gott geht’s halt schneller!“

Die Pfarrkirche des Vatikans ist der Hl. Anna (Marias Mutter) geweiht

Die Pfarrkirche des Vatikans ist der Hl. Anna (Marias Mutter) geweiht

Maria Empfängnis – was feiern wir da eigentlich? Das für den heutigen Tag vorgesehene Evangelium trägt zur Verwirrung bei, weil es von der Empfängnis Jesu in Marias Leib handelt: Da sagte der Engel zu Maria: Fürchte dich nicht, denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben. Diese „Verkündigung des Herrn“ an Maria wird aber als Fest am 25. März gefeiert – also genau 9 Monate vor Weihnachten.

Maria Empfängnis – was feiern wir da eigentlich? Die Empfängnis Mariens, ohne Erbschuld belastet. Gott wollte in ihr – der Tochter von Anna und Joachim – einen neuen Anfang machen. Und deshalb passt dieses Fest so gut in den Advent: Wir sollen – wie Maria – dem Sohn Gottes in uns Raum geben und ihn in die Welt tragen. Damit er auch wirklich kommt. Denn Jesus wäre vergeblich in Bethlehem geboren, wenn er nicht im Leben von uns Menschen Platz finden würde.

Türen öffnen (10.12.2012)

DSCN9518_(800_x_600)Zu Weihnachten öffnet Gott uns seine Tür. Diese Tage des Advents sind wie Tore auf dem Weg zur Himmelstür, die uns Gott aufmachen wird. Diese Tore, die wir nach der Reihe durchschreiten, veranlassen uns, innezuhalten, nachzudenken, bewusst einen weiteren Schritt zu setzen. So bereiten wir uns immer mehr auf die Begegnung mit Gott vor: Weihnachten!

Diese Schritte und Tore des Advents sind auch eine Zugehen auf die ewige Herrlichkeit bei Gott. Das ganze Leben ist so Ankunft Gottes bei uns: Wir durchschreiten Tor um Tor. Und dann am Ende stehen wir vor der Himmelstüre, wo wir pochenden Herzens anklopfen werden und darauf warten, dass uns ein Anderer aufmacht und in ein Land führt, das wir von hier aus nur erahnen können. Das wird dann das eigentliche Weihnachtsfest sein: Unsere Ankunft bei Gott!

4 Antworten zu “Impulse Dezember 2012

  1. Auch mir geht es oft so, und begreife gar nicht, das eigendlich ich gemeint bin! Ich glaube es ist wichtig das man sich dessen einmal bewusst wird!
    Danke für die Kurzimpulse P. Bernhard, ich freue mich immer schon drauf und warte wann der nächste kommt!

  2. Von Herzen DANKESCHÖN dafür, dass du P.Bernhard mit uns Jugendlichen dein Leben teilst und mitteilst. Jeder Impuls eine Bereicherung und Ansporn für mich, den Weg mit Jesus weiterzugehen! 🙂 Sei fest vom Herrn gesegnet!

  3. Danke für deine bereichernden Impulse.
    So bekommen auch wir einen Einblick wie die Feste in einem Kloster gefeiert werden,…
    Freu mich jedesmal auf einen neuen Impulse.
    🙂

  4. Danke –
    für den Einblick ins Klosterleben
    für die vielen Denkanstöße und Anregungen für unser tägliches Leben
    für Treffpunkt Bendedikt
    für Eure großartige Glaubensarbeit
    dass Ihr da seid.