Impulse August 2012

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Vorbereitung (31.08.2012)

Die Ferien sind für mich immer die Zeit der Vorbereitung. Die Erholung ist nicht nur eine wichtige Grundlage, nach den Ferien wieder mit voller Kraft ans Werk gehen zu können; sie führt mitunter auch zu guten Ideen – so ganz nebenbei. So möchte ich Euch heute anregen zu überlegen, was im alltäglichen Treiben, das bald wieder voll einsetzen wird, anders gemacht und bewusst gestaltet werden sollte.

Auf was möchte ich besonders achten? Wofür mir fixe Zeiten einräumen? Welche zeitraubenden Dinge begrenzen bzw. an fixe Zeiten binden, damit sie nicht ausufern? Und schließlich: Welchen Personen möchte ich mehr Zeit schenken, die sich nicht so aufdrängen, die aber für mich ganz wichtig sind?

Die Rückkehr der Pilger II (22.08.2012)
Vor zwei Wochen habe ich erzählt von der Rückkehr der junge Pilger, die mit Abt Ambros und P. Franz beim Jugendfestival waren. Zwei hatten gefehlt: Martin Brenner und Michael Gruber waren mit ihren Rädern zurückgekommen. Nun sind auch sie in Kremsmünster eingetroffen – mit dem Fahrrad. 1.265 km in 12 Tagen. Wow.

Sie waren jetzt auf Kurzurlaub in Kremsmünster, ehe es weiter geht nach Hause. Sie haben uns genau die Reiseroute gezeigt und ihre vielen Erlebnisse erzählt.

Wir waren Eis essen im Cafe Egelseer, wo Andrea (die auch mit in Medu war) ihren Ferialjob macht (so einen großen Eisbecher habe ich noch nie gegessen!). Wir sind im Stiftsbad gewesen und haben uns viel unterhalten. Ich merkte, wie sehr sie trotz der Strapazen begeistert waren von diesen Tagen auf dem Fahrrad, an der kroatischen Küste, in einsamen Dörfern. Beim nächsten Treffpunkt Benedikt (6. Oktober) werden davon berichten: Selbstverpflegung, Reifenplatzer, Übernachtung unter freiem Himmel – ein Abenteuer, das fordert, aber auch reich beschenkt.

Großartig, wer die Ferien auf so eine oder eine ganz andere Weise zum Erlebnis macht. Ja, zu einem körperlichen, geistigen und geistlichen Erlebnis!

Eindrücke aus der Schweiz (16.08.2012)

Diesen Sommer bin ich wirklich viel weg. Mein Vater zitiert neuerdings gerne den Satz: „Willst Du dir die Welt ansehn, musst du in ein Kloster gehn!“ Jetzt komme ich gerade von einer Woche in der Schweiz zurück. Dort war ich zu einem Kurs eingeladen, wo ich zum Thema „Arbeit und Klosterleben“ vier Tage referierte. Die 30 Benediktinerinnen und Benediktiner aus verschiedenen Klöstern der Schweiz gaben mir einen Crashkurs in Schweizerisch. Denn bei den Mahlzeiten und Unterhaltungen zwischen den Vorträgen redeten sie so wie ihnen der Schnabel gewachsen ist – d.h. für mich völlig unverständlich. Aber süß! Fast jedes Wort endet mit „i“. Ich war ja nur einmal vor ca. 15 Jahren in der Schweiz gewesen und betrat diese Tage sozusagen Neuland. Gleichsam vom unverständlichen Texas English zum „Schwitzer Dütsch“.

Natürlich bekommt man bei einem solchen Kurs viel von der Kirche im Land mit. Ich war überrascht zu hören, wie sehr die politischen Machthaber in das Leben der Kirche eingegriffen haben. Klöster waren im Kulturkampf des 19. Jh.’s bedroht, viele wurden aufgehoben, einige erhielten erst 1970 ihr Klostergebäude zurück (als der letzte Artikel gegen Ordensgemeinschaften aus der Verfassung gestrichen wurde). Pfarren und Diözesen sind sehr vom Staat abhängig. Die reichen finanziellen Zuwendungen des Staates müssen sich die christlichen Konfessionen teuer mit Unabhängigkeit erkaufen: Staatliche Gremien reden entscheidend bei Bischofs- und Pfarrerernennungen mit und üben Druck aus auf das kirchliche Leben. Dieses läuft dadurch Gefahr, sich anzupassen und das prophetische Element, das oft gegen Mehrheitsmeinungen auftritt, zu verlieren.

Das ist für mich eine gemeinsame Lehre aus den USA und der Schweiz: Christen sollen von den politischen Einflüssen unabhängig sein! Es ist nicht gut, wenn Bischöfe in den USA sagen, dieser oder jene Kandidat könne absolut nicht gewählt werden; denn dadurch schafft sich die Kirche automatisch Feinde im entsprechenden politischen Lager, wo legitimerweise auch gute Katholiken zu finden sind. Und es tut dem Glauben nicht gut, wenn es eine zu starke Vermischung zwischen Staat und Kirche gibt wie in der Schweiz. Schätzen wir uns die weitgehende Unabhängigkeit unserer österreichischen Kirche von der Politik – und sagen wir nicht vorschnell, diese oder jene politische Richtung sei für Katholiken von vorne herein vom Teufel. Wir sollen das Reich Gottes im Blick haben, das alle und alles übersteigt!

Die Rückkehr der Pilger (08.08.2012)

Müde und doch innerlich entflammt kamen sie in die Michaelskapelle: die Rückkehrer vom Jugendfestival in Medjugorje. Ihre Woche schlossen sie mit einer hl. Messe bei uns ab, die P. Franz zelebrierte. In seiner Einleitung und Predigt erzählte er von den Glaubenserlebnissen, die sie gemeinsam gemacht hatten. Sie gelte es nun im Alltag zu bergen.

Ich habe bei der Verabschiedung dann einige gefragt, wie es ihnen gefallen hat. Alle waren begeistert. Auch junge Leute, die bisher mit der Anbetung wenig anfangen konnten, sprachen von ihrem Highlight: 60.000 junge Menschen spätabends für eine Stunde vor der großen weißen Hostie.

Bei der Verabschiedung spürte ich: Hier ist Gemeinschaft und Glaube gewachsen. Und Abt Ambros verteilte Merci-Schokolade.

Die Kirche ist jung! (07.08.2012)

Ich bin wieder aus den USA zurück. In den letzten Tagen wurde ich reich beschenkt; so ist es oft, wenn man gerufen ist, anderen etwas zu bringen: Man kehrt letztlich mit Gewinn zurück. Bei der Ordensoberenkonferenz in Houston hielt ich nun also meinen lange vorbereiteten Vortrag und legte die 30 Seiten zur Diskussion vor, die meine These entfaltete: „Jugend und Orden müssen sich gegenseitig herausfordern und beschenken!“

Da ich am ersten Tag dran war, konnte ich mich für den Rest der Tagung relativ ungezwungen den weiteren Diskussionen und vielfältigen Begegnungen widmen. Da 250 Provinziale, Pröpste und Äbte aus allen US-Staaten der gekommen waren, gab es ein interessantes Bild verschiedener Orden und Hintergründe. Und eine enorme Aufbruchsstimmung einer Kirche, die insgesamt wächst.

Eines zog sich durch das ganze viertägige Treffen, zu dem auch der Nuntius aus Washington angereist war: „Die jungen Leute in unserer Kirche haben so viel zu sagen. Wir dürfen ihnen nicht unsere alten ideologischen Fragestellungen und Antworten überstülpen, sondern müssen auf sie horchen und sehen, wie sie heute Christsein verstehen und leben.“ Plötzlich erzählten wir einander die vielen großartigen Erfahrungen mit jungen Gläubigen – und merkten, wie sehr die junge Kirche im Begriff ist, die alte Kirche zu erneuern und abzulösen.

Willkommen in der Kirche, liebe junge Freunde: Bringt Euch ein – wir zählen auf Euch!

Ungarn in Texas (02.08.2012)

Ich bin seit einer Woche in Texas, gerade bei den Zisterziensern von Dallas. Heute habe ich meine Vorbereitungen fuer die Konferenz in Housten endlich abegeschlossen, und ein Mitbruder von hier hat die 32 Seiten verbessert. Dabei lerne ich natuerlich viel, vor allem was die Wortstellung betrifft, bei der ich noch immer viele Fehler mache.

Was ich nicht fuer Sorgen habe! Hier im Kloster treffe ich auf die Geschichte verfolgter Christen. Die aelteren Zisterzienserpatres erzaehlen gerne davon (in Deutsch): Als sie, gefluechtet aus dem kommunistischen Ungarn, in den 1950er Jahren hier das neue Kloster gruendeten. Sie hatten als junge Maenner im Untergrund Profess auf das aufgehobene Kloster Zirc in Ungarn gemacht.

Einer von ihnen, P. Paschal, war vier Jahre im Gefaengnis. Hier in Dallas haben sie eine neue Heimat gefunden und aufgebaut. Im Gymnasium unterrichten die meisten Patres. So geht das Klosterleben weiter – und wird auch weiter gegeben: durch die Schule, die Universitaet nebenan, die Leute, die zum Chorgebet oder zur taeglichen Messe kommen (6:30 – recht frueh fuer Amerikaner. Und vor allem geht der zisterziensische Geist weiter durch die 11 jungen, wirklich grossartigen Moenche, die in den letzten sieben Jahren eingetreten und geblieben sind. Schoen, diese Entwicklung zu sehen. Vor genau 20 Jahren, im August 1992, war ich als junger Student ein paar Tage hier, um zu schauen, ob ich an der University of Dallas studieren will. Damals fand ich einen alten Konvent vor, der hauptsaechlich aus den ungarischen Patres bestand. Nun schliessen die Amerikaner an die monastische Tradition aus Europa an – mit Freude und Entschiedenheit. Gestern haben wir in ihrem Waldhaus am See (ich fuehlte mich wie am Almsee, nur dass es 38 Grad C hatte) Hamburgers gegrillt. Sie sind also voll in dieser Welt und doch im Kloster. Die Zisterzienser von Dallas …

Die Herausforderung evangelikaler Gruppen (01.08.2012)

Mich beschaeftigt ein Abend von letzter Woche noch immer: Ich war im Sueden von Texas, wo ich nicht nur im Golf von Mexiko lange baden war (Lufttemperatur 40, Wassertemperatur vielleicht 27 Grad), sondern zufaellig auch ein christliches Rockkonzert besuchte. Ihr werdet Euch wundern: Ich blieb bis zum Schluss! Das oeffentliche Gratis-Konzert an einem Platz einer mittleren Stadt hat mich beeindruckt. Verschiedene christliche Bands spielten auf. Zwischen den z.t. mitreissenden Liedern mit zumeist biblischen Texten gab es immer wieder kurze Impulse zum christlichen Glauben. Ich lernte dabei auch einen Pastor einer presbyterianischen Gemeinde und seine Frau kennen, die nicht glauben konnten, dass ein oesterreichischer Benediktiner im T-Shirt vor ihnen stand.

Schon waehrend meiner amerikanischen Studienzeit lernte ich viele protestantische Mitchristen kennen – und schaetzen. Besonders die evangelikalen Christen stellen viel auf die Beine, wie eben dieses Rockkonzert. Viele junge Besucher hatten T-Shirts mit Bibeltexten an – wird Zeit, dass wir Treffpunkt-Benedikt-Shirts machen.

Auch wenn mir bei solchen Abenden oder auch bei den langen Autofahrten durch die vielen christlichen Radiosender das wiederholte „The Bible says“ oder „I have given my life to Jesus“ fremd bleibt, im Grunde glaube ich, dass unsere Kirche in Oesterreich ein wenig von diesem Missionseifer und von dieser Freude in Christus gebrauchen koennte …

P.S.: Und ich merke, wie ich in der Schule und bei Jugendgruppen noch staerker herausstellen moechte, was das Enge am biblischen Fundamentalismus ist und wie befreiend da die katholische Lehre sein kann!