Impulse April 2014

Ein besonderer Sonntag naht (25.04.2014)

Eigentlich bräuchte ich heute drei Radiobeiträge, denn für die Kirche kommt an diesem Sonntag viel zusammen: Erstens war vor einer Woche Ostern. Das heutige Evangelium erzählt vom Apostel Thomas, dem Zweifler, der verlangt, Jesus müsse ihm leibhaftig begegnen: „Sonst glaube ich nicht!“ (Joh 20,25) Wie tief muss er von Jesu Tod erschüttert gewesen sein. Doch eine Woche nach Ostern ruft er aus: „Mein Herr und mein Gott!“ (Joh 20,28)

Zweitens feiern wir heute den Sonntag der Barmherzigkeit. Für Papst Franziskus ist die göttliche Barmherzigkeit der Ausgangspunkt seiner Verkündigung: Ganz gleich, wer wir sind und wie sehr wir in die Irre gehen, wir können immer wieder umkehren – Gott nimmt uns auf. So lautet auch der Wahlspruch unseres derzeitigen Papstes „Miserando atque eligendo“- „Erwählt aus Erbarmen“.

Den Barmherzigkeitssonntag hat Johannes Paul II. eingeführt. So ist es passend, dass er an diesem Tag zusammen mit Johannes XXIII. heilig gesprochen wird. Diese Feier ist der dritte Punkt, der den heutigen Sonntag so besonders für die Kirche macht. Sie stellt uns immer wieder bekannte Persönlichkeiten des Glaubens vor, damit unser Glaube gestärkt werde. Heilige hielten trotz allem Unglauben an der Auferstehung fest und haben in ihrem oft auch armseligen Leben auf die göttliche Barmherzigkeit gebaut. Deshalb finde ich so wichtig, was der Konzilspapst Johannes einmal niedergeschrieben hat: „Der Mensch ist nie größer als dort, wo er kniet.“

(P. Bernhard Eckerstorfer, ORF 2014)

Gebetsprobleme (23.04.2014)

Jetzt erhielt ich unabhängig voneinander zwei Mails von jungen Leuten, die beklagen, dass sie sich fürs Gebet zu wenig Zeit nehmen. Das ist natürlich gerade jetzt nach Ostern wieder eine Herausforderung. Was ist da zu tun?

Zuerst einmal kommt es mir wichtig vor, einzusehen, dass nicht wir den wesentlichen Teil machen müssen. Diese Einsicht des Hl. Augustinus (4. Jh.) genügt: „Du warst bei mir, Herr, aber ich nicht bei dir.“ Eigentlich ein schönes Gebet für sich! Zweiten sollten sich gerade junge Menschen voll Enthusiasmus nicht überfordern. Weil es schwierig ist, täglich persönlich zu beten, deshalb gibt es ja in der Kirche gemeinsame Gottesdienste und wurden Klöster gegründet, in denen gemeinsam mehr gebetet wird. Auch ich muss mich immer wieder zum persönlichen Gebet entscheiden – wenn ich es dann aber tue, dann merke ich: Das ist Wichtiger als alles andere.

Hat jemand das Gefühl, zu wenig oder unregelmäßig zu beten, ist irgendeinen Rhythmus unbedingt notwendig. Da reicht es dann, EINE fixe Gebetszeit am Tag zu haben, z.B. für 10 Minuten sich in der Früh oder am Abend hinsetzen, still zu werden, ein Gebet oder sogar eine Schriftstelle zu lesen, dann ruhig zu verharren. Über die Tage und Wochen und Monate und Jahre macht das etwas mit uns! Wir sind ja nicht die ersten, die beten wollen, aber nicht genau wissen, wie sie das anstellen sollen. Deshalb immer wieder neu anfangen, verschiedene Zeiten und Abläufe der eigenen Gebetszeit ausprobieren. Aber eine persönliche Gebetszeit am Tag sollen wir alle halten!

Dazu muss ich aber ein beruhigendes Wort hinzufügen: Nicht immer gelingt es, ja es gibt sogar immer wieder Zeiten, in denen uns im geistlichen Leben gar nichts zu gelingen scheint. Da geht es mir im Kloster nicht anders. Wichtig ist dann auch, dass wir nicht glauben, die Zeitdauer der persönlichen Gebetszeit ist entscheidend. Lieber nur drei Minuten täglich wirklich vom Alltagsbetrieb abzweigen und diese Zeit mit Gott verbringen, als sich vorzunehmen, täglich eine halbe Stunde in der Früh und eine weitere halbe Stunde am Abend zu beten, das dann aber praktisch nie zu schaffen.

Ich habe jetzt öfters von „regelmäßig“ gesprochen. Das ist der Schlüssel. Suche Dir also eine Zeit, einen Ort und einen Ablauf einer Gebetszeit aus – und das tust du dann bis auf weiteres. Eine wichtige geistliche Regel im Alltag ist dabei: „Täglich“ bedeutet fünf Mal in der Woche, zwei Mal kann es aus irgendeinen Grund ausfallen (weil der Tag besonders dicht ist, man den ganzen Tag weg ist u.s.w.). Und vor allem: Wenn Du nicht schaffst, was Du Dir vorgenommen hast, fange heute einfach wieder neu an! Es ist nie zu spät, mit Gott in eine neue Phase der innigen Beziehung einzutreten.

Ostermontag (21.04.2014)

Am Ostermontag vor 43 Jahren wurde ich geboren. Für mich ist dieser Tag wohl deshalb so wertvoll. Mit dem Ostermontag verbinden viele das Emmaus-Evangelium. Auch dieses spricht von einem Anfang – von der Geburt des neuen Glaubens nach Jesu Tod.

Ich sehe sie vor mir, die beiden Jünger, wie sie mit hängendem Kopf von Jerusalem wieder in ihr Dorf Emmaus zurückgehen. Ein Fremder gesellt sich zu ihnen, und sie erzählen ihm von ihrem Schmerz: Jesus, schon seit drei Tagen tot – „wir aber hatten gehofft…!“ Der Fremde hört ihnen erst einmal zu, dann versucht er ihnen darzulegen, dass es so kommen musste. Doch die Erklärung alleine führt sie noch nicht zum Glauben an die Auferstehung.

Erst als der Fremde in Emmaus weitergehen will, merken sie, dass er zu ihnen gehört: „Bleib doch bei uns!“ Er geht mit ins Haus und nimmt beim Abendmahl das Brot, sagt den Dank, bricht das Brot und gibt es ihnen. Da gehen ihnen die Augen auf. Plötzlich sehen sie ihn nicht mehr. Doch sie haben erfahren, dass er da ist – im Brot, auf ihrem Weg. Und sie erkennen im Rückblick: „Wie sehr hat uns doch das Herz gebrannt, als er mit uns redete.“

So laufen sie in der Dunkelheit nach Jerusalem zurück, um es den anderen zu erzählen. Dort hören sie, dass Jesus auch schon weiteren Jüngern erschienen ist. Die Kirche Jesu Christi ist geboren – und damit der Glaube an eine ewige Existenz, die Gott zu schenken vermag, so wie das irdische Leben.

(P. Bernhard Eckerstorfer, ORF 2014)

Ostersonntag (20.04.2014)

Ganz aus dem Häuschen waren sie, die Jünger Jesu, zu Ostern vor 2000 Jahren: Maria Magdalena kommt zum Grab, sieht, dass der Stein weggewälzt war – und läuft davon. Als Petrus und Johannes das erfahren, rennen sie aufgeregt hin zum Grab. Ein bisschen unkoordiniert, die verlassene Jüngerschar von damals.

Scheinbar geordneter und ruhiger geht es zu, wenn in der Osternacht und heute Vormittag erstaunlich viele Menschen in unsere Kirchen strömen. „Der gekreuzigte Jesus ist nicht tot geblieben, sondern auferstanden – er lebt!“ Diese Botschaft ist so ungeheuerlich, dass eigentlich auch wir nicht ganz so sicher sein sollten, was das bedeutet.

Und da helfen die Glaubenszeugen des Anfangs. Tröstlich, wie Petrus gar nichts mehr versteht, Thomas Beweise haben will, die anderen sich noch tagelang einschließen vor Angst. Mich berührt, wie Maria Magdalena den vermeintlichen Gärtner bittet, doch den Leichnam Jesu wieder herauszurücken. Der spricht sie mit vertrauter Stimme an: „Maria!“ Sie fällt vor ihm nieder: „Rabbuni!“ – und begreift langsam das unsichtbare Geheimnis. Und Johannes, den der Herr besonders lieb hatte, sieht das leere Grab und vertraut einfach auf Gott. „Er sah und glaubte.“ (Joh 20,8)

(P. Bernhard Eckerstorfer, ORF 2014)

Karsamstag (19.04.2014)

Den Karsamstag empfinde ich von Jahr zu Jahr tiefer. Es ist ein ruhiger Tag. Keine Messe, die Orgel ertönt nicht, die Glocken schweigen. Nach dem schrecklichen Tod Jesu ist es still geworden. Evangelische Schwestern und Brüder nennen die Karwoche zuweilen „die stille Woche“. Das trifft besonders den heutigen Tag.

Ob Gott stumm bleibt? Manchmal bekommen wir den Eindruck, dass er schweigt. Menschen in tiefem Leid fragen sich: „Wo bist du, Gott?“ Es ist der Aufschrei Jesu am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!“ Beim Sarg einer 40-Jährigen verstumme ich, wenn mich ihr hinterbliebener Mann und die drei kleinen Kinder fragend ansehen. Jede einfache, allzu fromme Antwort würde mir im Hals stecken bleiben.

Manchmal muss man Situationen und Anfragen einfach einmal aushalten. Das ist die Stimmung am Karsamstag: Der schreckliche Karfreitag liegt hinter uns, der Osterjubel ist noch nicht Wirklichkeit geworden. Jetzt ist die Zeit des Wartens. Ich will mich nicht vordergründig ablenken, denn ich spüre: der Karsamstag sagt viel über meine Existenz. Sie ist freilich auf wunderbare Weise umstrahlt von einem Licht, das schon durchschimmert aus einer anderen Welt. Es ist wie mit dem Frühling: Vieles keimt und blüht auf und sagt mir, dass das Leben neu erwachen wird.

(P. Bernhard Eckerstorfer, ORF 2014)

Karfreitag (18.04.2014)

Ich darf Sie heuer kurz vor 8 in Radio Oberösterreich durch die Heiligen Tage begleiten. Mit jedem Jahr merke ich mehr, was wir da eigentlich begehen. Es ist ja nicht so, dass ich durch das Theologiestudium und dann durch den Klostereintritt und die Priesterweihe sogleich alles verstanden hätte. Wir wachsen erst langsam hinein in die Mysterien unseres Glaubens – und nie können wir sagen, wir hätten ganz begriffen, was uns ausmacht und wer Gott ist.

Wurde am Palmsonntag heuer die Passionsgeschichte nach Matthäus gelesen, so ist es am Karfreitag immer die Erzählung vom Leiden und Sterben Jesu nach Johannes, die in verteilten Rollen vorgetragen wird. Da höre ich – wie die anderen Gläubigen auch – mit großer Aufmerksamkeit und innerer Anteilnahme die Leidensgeschichte.

Eine der Stellen, die mich am meisten berührt, ist die Verleugnung durch Petrus. Er war von Jesus als Fischer berufen worden, hatte ihn wohl drei Jahre begleitet – und jetzt verleugnet er ihn drei Mal, bevor der Hahn kräht. So mancher Hörer bekommt Tränen bei der Schilderung dieser Begebenheit, noch dazu wo Markus, Lukas und Matthäus nach der Verleugnung hinzufügen: „Petrus ging hinaus und weinte bitterlich.“

Dieses armselige Verhalten des größten Jüngers Jesu ist vielsagend: Sogar ihn verließ in dieser entscheidenden Stunde der Mut. Das ist tröstlich für mich: Auch wir dürfen lange Wege brauchen, wirklich zu verstehen, um was es geht – an diesem Karfreitag.

(P. Bernhard Eckerstorfer, ORF 2014)

Gründonnerstag (17.04.2014)

Als ich vor 14 Jahren ins Kloster eingetreten bin, erzählte mir der mittlerweile verstorbene Pater Gregor immer wieder von seinem Vater. Der wurde von der NS-Wehrmacht in seinem vorgerückten Alter eingezogen, weil er sich abfällig über Hitler geäußert hatte. Über 400 Briefe schrieb er von der russischen Front an seine Frau und die vier Kinder. Am 3.7.1944 kam der letzte Brief von Ferdinand Humer aus Weißrussland in Vorchdorf an; die Familie sollte den Ehemann und Vater nie wiedersehen.

Ich erzähle Ihnen von diesem Lebensschicksal, weil sich in den Briefen Ferdinand Humers Sätze finden, die den heutigen Gründonnerstag erschließen: „Ich lasse mir die Mehlspeise gut schmecken, die du mir geschickt hast. Sie ist von dir. Ich merke, sie enthält die ganze Liebe meiner Liebsten.“ Ein anderes Mal schreibt er von der Front: „Was von dir kommt, ist für mich mit nichts zu vergleichen. Es ist nicht nur die Speise, sondern deine ganze Liebe in der Speise.“

Das Sprichwort „Liebe geht durch den Magen“ erhält eine tiefe Bedeutung, wenn der oberösterreichische Soldat an seine Frau schreibt: „Ich weiß, mit welcher Liebe du alles gemacht hast. Täglich habe ich etwas von meiner Liebsten.“ Nach einer Paketsperre meldet er sich überglücklich mit den Worten: „Deine Liebe kann ich endlich wieder nicht nur lesen, sondern auch essen. Ja, ich habe deine Liebe gegessen.“ – Dies lässt mich Jesu Worte neu verstehen: „Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!“

(P. Bernhard Eckerstorfer, ORF 2014)

Gebetsanliegen (15.04.2014)

Auf der Homepage von Treffpunkt Benedikt kann man Gebetsanliegen verfassen. Heute las ich dieses Anliegen: „Bitte um Genesung unseres Babys. Es ist noch nicht geboren, wir haben aber bereits erfahren, dass es einen offenen Rücken hat. Dadurch ist mit verschiedenen Behinderungen zu rechnen. Wir hoffen das Beste.“

Wenn ich so etwas lese, gehe ich in mich und bitte Gott, er möge den Menschen beistehen. Und dann frage ich mich, was für mich wichtig ist und ob ich nicht zu sehr an der Oberfläche hängen bleibe. Da sind Eltern, die um ihr noch ungeborenes Kind bangen. Und ich? Was für Kleinigkeiten und unwichtige Dinge beschäftigen mich oft?

Dieses Anliegen braucht unser aller Gebet: Gott möge mit diesem Kind und seinen Eltern gehen. Und dieses Anliegen kann uns alle aufrütteln, um was es wirklich im Leben geht!

Palmsonntag (12.04.2014)

Als Kind war ich manchmal über die Osterferien mit meiner Familie in St. Wolfgang. Was ich von meiner Linzer Pfarre her nicht so kannte, beeindruckte mich am Palmsonntag im Salzkammergut: Fast jeder hatte Palmbuschen in der Hand, viele auf langen Holzstangen angebracht. Die schön gebundenen Zweige machten die Prozession eindrucksvoll, verliehen der Messe in der Kirche eine besondere Atmosphäre und wurden dann oft nach der Palmbuschenweihe zuhause auf den Dachboden gelegt, zum Hergottswinkel gegeben oder auch aufs Feld gesteckt.

Später als Theologiestudent las ich die Reisebeschreibung einer Pilgerin aus Westeuropa, die im 4. Jahrhundert ins Heilige Land gepilgert war. Egeria berichtet vom Palmsonntag in Jerusalem: „Zuerst wird das Evangelium gelesen, wo die Leute mit Zweigen und Palmwedeln dem Herrn entgegengehen und rufen: ‚Gesegnet, der kommt im Namen des Herrn.‘ Dann geht das ganze Volk vom Ölberg hinab. Und alle tragen Zweige, die einen von Palmen, die anderen von Ölbäumen. So wird der Bischof in der Weise geleitet, wie der Herr nach Jerusalem hineinbegleitet worden ist.“

Pilger, die das in Jerusalem erlebt hatten, wollten auch in ihrer Heimat das Gedächtnis an den Weg Jesu Christi begehen und am richtigen Tag die passenden Texte hören und die Palmprozession nachvollziehen. Das geschieht auch heute wieder, in Oberösterreich.

(verfasst für die Sonntagsgedanken in Radio Oberösterreich, ORF 2014)

Lazarus (08.04.14)

Der ORF bat mich, für den April in Radio Oberösterreich an den Sonntagen und den besonderen Tagen der Osterzeit Gedanken vorzutragen. Diese möchte ich für Euch als Impulse weitergeben. Am 5. Fastensonntag versuchte ich, das Evangelium von Lazarus aufzunehmen:

Wie stellen Sie sich eigentlich Jesus vor? Er war jedenfalls von freudigen wie schmerzhaften Erfahrungen nicht unberührt. Im heutigen Sonntagsevangelium begegnen wir einem sehr menschlichen Jesus: Sein Freund Lazarus war gestorben, und er geht hin zum Grab. „Da weinte Jesus.“ Die Umherstehenden sagten: „Seht, wie lieb er ihn hatte.“

Jesus ist aber auch jener Messias, der den Tod überwindet. Er holt Lazarus aus dem Grab heraus. Eine Vorausschau auf das ewige Leben, das Gott geben möchte. Vor dem Grab eines lieben Menschen vernimmt man Jesu Worte anders als sonst: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“

Es war schon damals für die Freunde Jesu nicht leicht, davon wirklich überzeugt zu sein. Erst durch die Auferstehung Jesu wurde für sie die Verheißung zur Gewissheit. Und so konnte Johannes überzeugt aus seiner Christengemeinde das Evangelium vom Leben, Sterben und der Auferstehung Jesu Christi schreiben.

In der heutigen Erzählung sagt Jesus zu Maria von Bethanien, der Schwester des Lazarus: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.“ Er fragt sie: „Glaubst du das?“ Und Jesus fragt damit auch uns, zwei Wochen vor Ostern, provokant: „Glaubst du

Bärlauch (07.04.2014)

Im letzten Impuls habe ich erwähnt, dass ich zumindest zeitweise gerne ein primitives Leben führen möchte. Ich stamme aus den 1970 Jahren, und da wurde uns das Aussteiger-Sein als Traum und positiver Wert vermittelt (und dieser Gedanke erlebt derzeit eine Renaissance).

IMG_1263Anders zu leben und auf kaum jemanden oder etwas angewiesen zu sein, verheißt für mich auch heute noch Freiheit. In einigen Punkten nehme ich mir auch diese Freiheit, indem ich bewusst (und meistens unerkannt) anders bin. Z.B. derzeit in der Früh, wenn ich nicht Kaffee trinke und ein Semmerl esse, sondern in den Konventgarten gehe und mir etliche Bärlauch-Blätter pflücke (als Verbündeter von Pater Michael). Sie esse ich dann mit ein paar Stücken Brot und ein wenig Butter in Ruhe in meinem Zimmer, nach der geistlichen Lesung, zusammen mit einer Tasse Tee. Wenn am Vormittag jemand in mein Zimmer kommt, riecht es manchmal noch nach Bärlauch, und dann droht die Sache aufzufliegen.

Jedenfalls freue ich mich, wenigstens in einem so kleinen Aspekt meines Alltages ganz natürlich zu leben: Ich nehme, was vor der Haustüre wächst – es ist gratis, ganz gesund und frisch, braucht keinen Transport und geht niemanden ab. Damit kennt Ihr mein tägliches Frühstück. Und Ihr wisst nun auch, was der Grund sein dürfte, falls in diesen Wochen plötzlich die Reihe der Impulse aufhört … dann habe ich nämlich irrtümlich etwas anderes als meinen geliebten Bärlauch verzehrt. Immerhin hätte ich dann Chancen, zum Märtyrer der gesunden Bärlauch-Ernährung ernannt zu werden – und so zum Patron der Vergifteten.

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