Impulse April 2013

Schreibe Deine Einschätzung in einem Kommentar unterhalb der Impulse von P. Bernhard!

In einem anderen Licht (24.04.2013)

Auch Schulstunden können zu religiösen Erlebnissen werden. Gestern habe ich – weil ich nach meiner regulären Reli-Stunde eine Supplierung in der gleichen Klasse bekam – einen Film gezeigt (was ich sonst kaum einmal tue). Aus Anlass der Wahl von Papst Franziskus möchte ich jetzt Franz von Assisi durchnehmen. Und da passte in der einen Klasse der Film „Bruder Sonne, Schwester Mond“ von Franco Zefirelli, einem italienischen Altmeister der Regie und Inszenierung.

Franziskus kehrt verletzt und völlig erschöpft aus dem Krieg zurück. Er wird gesund gepflegt und kann wieder erste Schritte machen. Alles sieht er anders als früher: Den Vogel auf dem Dach, die Wiesen und Felder, dann auch die Arbeiter in der Firma des Vaters und die armen Menschen rundherum. Franziskus ist ein anderer geworden, und die Verwandlung lässt ihn alles in einem neuen Licht sehen.

Der Film taucht die Welt des Franziskus nach seiner radikalen Hinwendung zu Gott in eindrucksvolle Bilder, in denen Licht und Dunkelheit, Buntheit und Einöde ein wirkungsvolles Schauspiel entfalten. Diese Bilder berührten mich, ich sah mich selbst durch diese Lichtgestalt aus Assisi in meinem Weg und meiner Berufung getroffen – und war froh, dass meine Schüler die leichten Tränen, die mir beim Film immer wieder kamen, im abgedunkelten Klassenzimmer nicht sehen konnten. Am Abend ging ich dann spazieren und genoss das Abendlicht, die aufblühende Natur, die frisch zwitschernden Vögel.

Das heutige Evangelium ließ in mir dieses religiöse Erlebnis des Vortags aufleben (Joh 12,44-50): „Ich bin das Licht, das in die Welt gekommen ist, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt.“ Christus – mein Licht. Weil er auferstanden ist. Eine zutiefst persönliche Sache: „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, das hat Gott denen bereitet, die ihn lieben.“ (1 Kor 2,9)

Dass das Licht von oben Eure Welt neu erhellt – gerade in diesen Tagen der leuchtenden, endlich warmen Tage –, das wünsche ich Euch.

Von Muslimen beten lernen (19.04.2013)

GymIn einer Schulstunde habe ich die Kraft des Gebetes anderer Konfessionen und Religionen kennengelernt. Es war eine erste Einheit in einer 2. Klasse in unserem Stiftsgymnasium. Den 12-Jährigen beten lehren, das ist doch für mich als ihr Religionslehrer ein vorrangiges Ziel. Ich wollte nicht das allgemeine Schulgebet einmal mehr herunterleiern lassen und fragt sie: Wie können wir denn beten? Fragende Gesichter kamen mir entgegen. Da schoss mir der Gedanke durch den Kopf: Frag doch „die anderen“! In der Klasse sind zwei Musliminnen und ein Schüler aus Serbien. Sie sitzen auch im Religionsunterricht drinnen und tun oft recht eifrig mit.

Also fragte ich: „Beriwan, betest Du?“ – „Natürlich. Immer in der Früh und am Abend.“ – „Sag uns doch, wie du betest!“ Und sie sprach auf Arabisch ein Gebet. Den anderen Schülern blieb der Mund offen vor Staunen: Das hatten sie noch nie „live“ gehört! Beriwan fügte hinzu, dass sie nach diesem Gebet in der Stille drei Dinge tut: Erstens nachdenken, was ich mir für diesen Tag wünsche. Zweitens: An bestimmte Menschen in Liebe denken. Drittens: Was ich mir für diesen Tag besonders vornehme.

Das übernahm ich sogleich: Ich sprach ein freies Gebet zu Christus. Dann lud ich die Schüler ein, sich für diesen Tag etwas zu wünschen, an liebe Menschen zu denken und einen Vorsatz zu machen. Alle waren voll dabei. Schließlich ein Abschlussgebet. Die zweite Muslimin in der Klasse sagte dann noch ein Gebet auf Türkisch und der orthodoxe Schüler eines auf Serbisch – ganz selbstverständlich. Meine österreichischen, zumeist vom Glauben nur am Rande berührten katholischen Wohlstands-Schüler sahen, dass Religion eigentlich das Selbstverständlich und Normale ist und wir uns in Mitteleuropa fragen müssen, ob die Abwesenheit von Religion, die Sprachlosigkeit beim Gebet nicht das Fragwürdige ist.

Ja, wir können voneinander lernen und uns gegenseitig ermutigen, die Welt des Glaubens ernst zu nehmen. Andere Konfessionen und Religionen brauchen uns nicht fremd bleiben oder zur Bedrohung werden: Im Alltag können wir sie als Bereicherung erleben!

Das Leben unter dem Tod (16.04.2013)

Es gibt Sprüche und Texte, die uns gleich ansprechen und die eigene Situation in einer Art und Weise auf den Punkt bringen, wie wir das selbst gar nicht formulieren können. So ging es, als mir ein lieber Mensch diese Zeilen des evangelischen Theologen Paul Tillich schenkte:

Nur wer die Macht unter der Schwachheit,

das Ganze unter dem Fragment,

den Sieg unter der Niederlage,

die Herrlichkeit unter dem Leiden,

die Unschuld unter der Schuld,

die Helligkeit unter der Finsternis,

das Leben unter dem Tod

zu sehen vermag,

kann sagen:

„Meine Augen haben dein Heil gesehen!“

Gläubige haben Probleme (12.04.2013)

Manchmal erschrecke ich, wie gerade junge Menschen trotz oder auch durch ihren Glauben riesige Probleme haben. Sollte der Glaube nicht alles leichter machen? Tut er auch – aber auf seine Weise, die wir erst in einer anderen Welt ganz verstehen werden.

Warum Gott die Schwierigkeiten und Probleme nicht einfach wegnimmt, verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Könnte er nicht eine Welt ohne Leid schaffen? Natürlich: Die Freiheit! Wir machen also unser Schicksal selbst. Aber dann denke ich wieder an die konkreten Menschen und was sie mir erzählen: Warum haben sie so schwer an ihrem Leben zu tragen? Gott, warum ist das so?

Eine junge Frau hat mir kürzlich ihr Leid geklagt. Ich hatte keine Antwort, saß nur da und nickte. Und versuchte ihr zu vermitteln, dass Gott gerade im Leid gegenwärtig ist. Einige Tage nach unserem Gespräch schickte Sie mir eine Mail, und sie erlaubte mir, dieses Zitat hier zu bringen: „Warum das Leben nicht einfach sein kann? Ich bin jetzt zur Meinung gekommen: Wenn das Leben einfach wäre, würden wir doch Jesus nicht so sehr spüren, denn gerade in schwierigen Situationen ist Jesus für uns besonders da. Das nahm ich in letzter Zeit besonders wahr und durfte es auch spüren.“

Natürlich bleiben Fragen. Aber ich finde diese Zeilen für mich persönlich sehr hilfreich!

Martina ist angekommen (11.04.2013)

Ich habe hier schon drei Mal über Martina geschrieben – jene junge Frau, die bei den Schwestern von Mutter Theresa eintreten will und nun zu einer ersten Probezeit in Rom ist. Ihre Entscheidung, ihre Hingabe, ihre innere Stimmigkeit haben mich beeindruckt.

Nun hat sie einen allgemeinen Brief geschrieben (ihre Kommunikation mit der Heimat ist ja stark eingeschränkt, damit sie sich ganz auf ihren neuen Weg einlassen kann). Darin schrieb sie, wie sehr sie mit Zuhause verbunden ist: „Im Gebet bin ich so mit Euch verbunden wie noch nie. Echt! … Ich fühle mich im Gebet, in der Anbetung, in der Hl. Messe euch allen näher als zuvor!“ Das erinnert mich an meine Studienzeit in den USA, als ich so jung war wie Martina heute ist und dann als 29-Jähriger im Noviziat, in dem ich kein einziges Mal nach Hause fuhr: Ich hätte meine Familie und meine Freunde in inniger Verbundenheit umarmen wollen!

Dann schreibt Martina den für mich entscheidenden Satz: „Ich bin glücklich hier, auch wenn’s weh tut.“ Martina hat ja in Oberösterreich viel zurück gelassen; sie ist nicht aus Frust von uns weggegangen. Und so tut die räumliche Trennung auch weh. Aber es ist ihr Weg, und deswegen ist sie glücklich.

Martina hat viel aufgegeben – deshalb wird ihr viel geschenkt. Gerade auch deshalb, weil sie nichts Bestimmtes erwartet hatte, außer sich auf den Weg dieses strengen Ordens einzulassen. Und siehe da – eine neue Welt öffnet sich ihr, innerlich wie äußerlich. Das Innerliche bleibt vor den Augen der Welt und vor uns verborgen, so wie die andauernde Präsenz von Papst Benedikt XVI. und sein fortwährendes Wirken für die Kirche. Aber das Äußerliche, das ja auch innerlich bereichert, kann sie schildern: „Heute waren wir auf dem Petersplatz mit einigen hunderttausend Gläubigen bei der Amtseinführung des neuen Papstes. Es war einfach unglaublich J. In der vergangenen „Habemus Papam“ – Woche haben wir für unser Leben Einzigartiges erlebt. Wir waren am Mittwoch, 13. März, nach St. Peter aufgebrochen, um für das Konklave zu beten. Als es Abend wurde, warteten wir dann doch noch ab, bis um 19:00 Rauch aus dem Rauchfang der Sixtinischen Kapelle aufstieg. Und dann die große Freude, da wir ganz, ganz vorne bei den Stufen waren: Weißer Rauch, große Glocken läuten, Warten auf den neugewählten Papst. Dann: Habemus Papam!!! Und wir Kandidatinnen aus Torbellamonaca, einem armen Stadtteil Roms, waren dabei! Ganz vorne! Wie Ihr Euch sicher denken könnt, ist es für uns eine große Freude, dieser Papst der Einfachheit und der Armen. … Ich staune echt nur, wie groß unser Gott ist – dass er mich plötzlich über Nacht hierher gestellt hat. Rom – wo ich die Kirche so lebendig erleben darf. Es ist wunderschön zu sehen: so viele junge Gemeinschaften, so viele junge Priester, Seminaristen, Jugendliche, so viele ganz junge Ordensschwestern und der Papst!!! Ich bin sehr dankbar für die Monate, die ich bis jetzt hier sein durfte.“

Martina ist also angekommen. Um neu aufzubrechen. Thanks be to God!

Richtige Information (08.04.2013)

„Information ist das halbe Leben.“ Diesen Satz habe ich von meinem Vater als Jugendlicher öfters gehört. Er las viel Zeitung und war immer gut informiert. Auch über Hintergründe. Fernseher hatten wir keinen zuhause. Meine Eltern meinten, so lange wir Kinder im Haus wären, sollten wir lieber miteinander reden als nichts-sagend vor der Klotze sitzen.

Information ist wichtig: Was geht ab, wie entwickeln sich die Dinge, wo bin ich gefordert? Information über weltliche und kirchliche Ereignisse, über das was andere bewegt, was wo wann stattfindet und sich ändert. Auch im Kloster.

Ihr seid eine neue Generation der Kommunikation – und habt einmalige Chancen, die noch keine Generation vor Euch hatte: Ihr könnt meist kostenlos auswählen, wie Ihr informiert werdet. Nutzt diese Möglichkeiten des Internets. Gerade auch was die Infos über Kirche und Glauben betrifft. Aber passt auf: Wir werden von Information geradezu überflutet! Und viele sind falsch oder einseitig! Da muss man bewusst auswählen und gute Quellen kennen.

Ihr werdet kaum so Zeitung lesen wie ich in der Lebensmitte meiner Tage. Ich lese zwei Zeitungen regelmäßig: Die eher liberale und kirchenkritsche deutsche Wochenzeitung „Die Zeit“ und die kirchliche Zeitung „Die Tagespost“, die dreimal wöchentlich erscheint. Dazu etwa 20 theologische Fachzeitschriften, die unsere Bibliothek bezieht (diese überfliege ich meist nur). So bin ich gut eingedeckt, überlese sozusagen das letztlich unbedeutende Tagesgeschäft und kann mich mit grundlegenderen Dingen eingehend beschäftigen. Internet und Fernsehen spielen für meine Informationsbeschaffung praktisch keine Rolle.

Ich möchte jetzt nicht sagen, Ihr sollt das gleiche Leseverhalten haben wie ich. Aber ich bitte Euch, genau zu überlegen, woher Ihr Informationen über die Kirche bezieht. Gerade die Botschaften des neuen Papstes sollten wir verfolgen! Ich bin oft erstaunt, wie Ihr über Links und Facebook direkt über das kirchliche Geschehen Bescheid wisst. Das ist wichtig in einer Zeit, in der die meisten Medien Mitteleuropas mit Glaubensdingen wenig anfangen können und deshalb die Kirche vorwiegend unter dem Gesichtspunkt der Neuerungen und Skandale wahrnehmen können.

So freut es mich, wenn ich von einer jungen Katholikin erfahre, sie habe die Osterpredigt von Kardinal Schönborn über Facebook gehört, ein anderer unserer Community sagt mir, er würde über eine Internetplattform genau verfolgen, was Papst Franziskus sagt. Tauscht Euch bitte darüber aus, wie Ihr zuverlässige Informationen erhaltet! Ein kleiner Tipp von mir (dem technischen Analphabeten) am Rande: siehe: http://www.die-tagespost.de

Neues Leben braucht neue Formen (02.04.2013)

Jetzt nach der doch sehr vollgepackten Fastenzeit und den Ostertagen komme ich zur Ruhe. Da sehe ich die Gefahr, alles so aufzunehmen wie es bisher war und irgendwie „weiterzuwursteln“. Doch ich merke auch die Chance eines Neuanfangs! Vieles hat mich in den vergangenen Wochen und Tagen berührt, nachdenklich gemacht, geärgert (auch bei mir: wie ich alles vollpacke, wie ich Menschen begegne, was ich sage oder was ich eben nicht tue und nicht sage – weil ich dem „alten Menschen in mir“ zu viel Raum gebe).

CIMG2880_(800_x_600)So möchte ich neu anfangen: Einen etwas geänderten Tagesablauf, dem persönlichen Gebet einen festeren Platz geben, Dinge endlich abschließen, die schon lange warten. Deshalb fahre ich erst einmal zu meinem geliebten Almsee, um dort drei Tage zu schweigen, einige Radiosendungen über die „Wüstenmütter“ zu verfassen, vor allem aber das österliche Mysterium zu betrachten, sprich viel zu beten, nachzudenken, auch im Freien durch lange Spaziergänge. Und dann geht’s ab Samstag mit dem Treffpunkt Benedikt und vielen anderen Dingen wieder los – aber anders als vorher.

Lebenswandel bedeutet sich ständig zu wandeln, das hat uns Mönchen der hl. Benedikt die Regel geschrieben: conversio morum, ein eigenes Gelübde neben Gehorsam und Beständigkeit. Conversio – der Wandel, die Umkehr der Gewohnheit. So möchte ich auch Euch auffordern, nicht wieder in den Alltag einzusteigen, als wäre nichts gewesen. Ändert Euer Leben, tut endlich das, was Ihr schon als richtig erkannt habt, wo Euch aber alte Gewohnheiten daran hindern. Stellt Euer Leben um: die Art mit anderen zu kommunizieren, sich zu Gott zu verhalten, den Alltag zu gestalten. Denn: Neues Leben braucht immerfort neue Formen, um nicht einzurosten und fad zu werden!

3 Antworten zu “Impulse April 2013

  1. Alte Gewohnheiten kann man nicht einfach aus dem Fenster werfen.
    Man muss sie Stufe für Stufe hinunterboxen.

  2. Die Worte von Martina berühren!

  3. Beten lernen!

    wir haben so viel zu danken, dass wir nicht daran denken zu beten.

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