Impulse Februar 2014

Schreibe Deine Einschätzung in einem Kommentar unterhalb der Impulse von P. Bernhard!

Nein sagen können (28.02.2014)

Vielleicht aus falscher Angst, gegen eine Meinung oder einen Wunsch zu stehen, oder auch aus einer übertriebenen Erziehung der Anpassung heraus sagen wir manchmal „ja“, wo wir doch „nein“ sagen wollten und auch sollten. Denn Liebe bedeutet nicht, alles herunterzuschlucken und sich selbst aufzugeben. In einem Gedicht von Peter Turini kommt wohl unser aller Erfahrung gut zum Ausdruck – und sollte uns Mut machen, das nächste Mal nein sagen zu können:

Das Nein

das ich endlich sagen will

ist hundertmal gedacht

still formuliert

nie ausgesprochen.

Es brennt mir im Magen

nimmt mir den Atem

wird zwischen meinen Zähnen zermalmt

und verläßt

als freundliches Ja

meinen Mund.

(Das Nein aus „ein paar Schritte zurück“ von Peter Turrini)

Geistliche Kontinentalverschiebung (25.02.2014)

Heute las ich weiter in einer neuen Sammlung von Wüstenväter-Geschichten. Da gab es einen Asketen in der Nähe des Meeres, der vom Teufel gefragt, warum er dort sei und so lebe. – „Wegen meines Herrn Jesus Christus.“ Ich nickte zufrieden und dachte, das wäre der Impuls für mich. Ich bin ja auch ins Kloster gegangen wegen Jesus Christus! Dann aber kam die Überraschung: „Da schickte der Herr einen Engel und trug dem Asketen auf: Gehe zu Abbas Poimen, damit du aus der Falle gerätst.“ Welche Falle, sich wegen Jesus Christus zurückzuziehen und vorzugeben, für ihn zu leben?

Der Asket ging zu Poimen und offenbarte ihm sein Leben. Der berühmte Altvater sagte dem Asketen: „Wenn dich der Teufel wieder fragt, warum du dich zurückgezogen hast und so lebst, antworte: Wegen meiner Sünden.“ Erbaut von dieser Begegnung mit Poimen kehrte der Asket in seine Einsiedelei am Meer zurück. Da erschien ihm der Teufel und fragte erneut, warum er hier sei. – „Wegen meiner Sünden!“ Daraufhin schrie der Teufel laut auf: „Fast schon wärest du in meine Falle geraten.“ Und er verließ den Asketen für immer. (Eti Ger 214)

Das passt so gut in meine Situation: Nicht alles fällt mir leicht, in meiner Lebensmitte erlebe ich auch Enttäuschungen; ich mache nicht nur Fortschritte in meinem geistlichen Leben, Charakterschwächen verschwinden mit zunehmendem Alter nicht, sondern sie scheinen sich sogar noch zu verstärken. Gestern habe ich mich abends mit Pater David bei Schokolade und Nusslikör darüber ausgetauscht: Wir müssen manchmal weiter gehen, auch wenn es mühsam ist, wir eigentlich konsequenter sein wollen und das Gebet nicht jedes Mal ein Highlight ist. „Aus dem wird Gott dann mehr machen“, war sich der kleine Mitbruder David sicher, der oft große Einsichten hat.

Eine geistliche Kontinentalverschiebung, die auch wir brauchen: Nicht sofort glauben, dass wir schon mit Gott sind und für ihn leben! Das kann zum Hochmut führen, die Falle des Teufels schlechthin. Gott will uns aber von unseren Einbildungen reinigen, und deshalb lässt er uns in Versuchung führen. „Sünde“ steht in der Geschichte der Wüstenväter für alles, was nicht gut läuft. Gerade junge Menschen erzählen mir: „Ich kann mich selbst nicht annehmen; die Situation in der Familie macht mir Sorgen; ich habe Angst nicht den Richtigen/die Richtige für mein Leben zu finden.“ – DAS muss der Ausgangspunkt unseres religiösen Lebens sein. Ganz unten anfangen, dort wo wir mit unserer Weisheit am Ende sind, unsere Schattenseiten erleben und einfach leiden – dort beginnt die Geschichte Gottes mit uns. Dann ist er für uns da und nicht wir für ihn.

„Wegen meiner Sünden lebe ich so.“ Askese, Gottesdienst, Gebet – nicht, weil ich ein so toller Jünger des Herrn bin. Sondern weil ich in meiner Gebrochenheit und Ratlosigkeit IHN brauche, auf ihn anstehe, ohne ihn nicht auskomme. Und da hat dann der Teufel keine Chance, seine Falle kann mich nicht einfangen. Denn in der Schwachheit bin ich eigentlich stark – und endlich der Mensch, der ich ohne Fassade und Schminke sein darf.

Wer soll mich prägen? (22.02.2014)

Es ist ja nicht so, dass ich nur nach dem Aufstehen um 5:05 lese und bete, sondern auch nach der Messe habe ich eine weitere Einheit der Betrachtung. Das macht das Spannende am Klosterleben aus: solche geschützte Zeiten zu haben. Wenn andere Kinder aufwecken und in die Arbeit müssen, darf ich mich der heiligen Lesung widmen, für die Benedikt zwei bis drei Stunden in der Früh vorsieht – das ist unsere erste Aufgabe. Nur von daher kann man verstehen, warum jemand an sich großartige Dinge in der Welt hinter sich lässt und Benediktiner wird.

Während ich vor der Laudes die Bibel und ihre Auslegungen meditiere, lese ich nach der Laudes oder nach der Messe (wenn ich sonst keine Messe während des Tages habe) bei den Mönchsvätern weiter. Heute bin ich bei einem nur auf koptisch erhaltenen Spruch von Antonius hängen geblieben, der mir in einer italienischen Ausgabe mit Sprüchen der Wüstenväter zugänglich ist: „Gehe nicht mit dem, der schlechter ist als du, sondern mit dem, der dir voraus ist.“ Damit meint Antonius natürlich nicht, dass wir uns nicht auf Menschen einlassen sollen, die uns brauchen; er will nicht, dass wir hochnäsig zu anderen meinen, sie seien nicht gut genug für uns.

IMG_1163Seine Weisheit zielt auf etwas ab, was ich immer mehr bei mir und anderen merke: Die Menschen, mit denen ich mich umgebe, haben einen Einfluss auf mich. Und so muss ich mich ganz realistisch fragen: Wovon möchte ich geprägt werden? Da ist es ein Gebot der Stunde, sich vor allem mit denen zu umgeben, die mir voraus sind, von denen ich lernen kann, die mich anregen, mehr aus mir zu machen. Das können auch religiöse Veranstaltungen sein. Ich denken mir z.B. bei der Agape eines Treffpunkt Benedikt manchmal, dass ich nach diesen vier Stunden fröhlicher und reicher geworden bin durch die großartigen Gott suchenden Menschen, mit denen ich jetzt beisammen war.

Ja, Antonius hat recht: Lasse dich nicht zu viel auf die ein, die dich hinabziehen, sondern suche den Kontakt mit Menschen, die dir Flügel verleihen – und die auch selbst gut voranfliegen können. Und ich schaue auf meine Vorbilder: Die stehen auf, wenn eine Unterhaltung seicht und bösartig wird, sie lesen Heiliges und suchen den tiefsinnigen Austausch mit anderen, meistens zu zweit. Und diese Menschen haben dann auch die Kraft, andere nach oben mitzureißen.

Aufgabe für heute: Mit wem möchte ich mehr und mit wem weniger Zeit verbringen. An wen möchte ich mich halten? Und wie kann ich verhindern, dass ich dadurch hochmütig werde und mir sowie den anderen den Eindruck vermittle, gewisse Leute wären nicht gut genug für mich?

Ich und das neue Jerusalem (20.02.2014)

In meiner Gebetsecke kniend, vor der Laudes, im Halbdunkel meines Zimmers, las ich wieder Augustinus. Was mich fasziniert bei solchen Bibelauslegungen ist, wie sie aus einem schlichen Satz, den ich selbst überlesen habe, viel machen. Heutiges Beispiel: „Jerusalem, das als Stadt erbaut wird“ (Ps 122). Was soll daran tiefsinnig sein? Augustinus sagt es uns: „Als König David dieses Lied sang, da war Jerusalem doch schon vollendet, die Stadt wird nicht mehr gebaut. Er redet also von irgendeiner Stadt, die noch immer gebaut wird, zu der im Glauben die lebendigen Steine laufen, von denen Petrus sagt: ‚Ihr werdet als lebende Steine hineingebaut in ein geistiges Haus‘ (1 Petr 2,5). Noch immer also wird die Stadt gebaut …“

AIRBORNE_25_03_10_0428 kleinWow, bei solchen Stellen möchte ich am liebsten jauchzen, dass das ganze Kloster aufwacht – was ohnehin an der Zeit wäre, da das gemeinsame Morgengebet um 6:00 bald beginnt. Doch noch ist Zeit, und so sinne ich nach, lese die Verse wiederholt und lasse sie tief in mich sinken. Da taucht das schöne Bild in mir auf, dass ich selbst ein solcher „laufender Stein“ bin, der das neue Jerusalem aufbaut, ich sehe mich als Teil davon, wie dieses Kloster, die Kirche, die kleine Welt um mich aufgebaut wird. Und so erhalten diese paar Worte eine tiefe Bedeutung für mich: „Jerusalem, als Stadt erbaut.“

Was nach oben führt (19.02.2014)

Die Zeit bald in der Früh ist für mich die innigste Zeit – allein mit Gott, in meiner Klosterzelle, von 5:20 bis 5:50. Da lese ich meditativ die Bibel oder geistliche Schriften. Sie führen mich zur Reflexion und zum Gebet. Heute habe ich von Augustinus (+430) die Auslegung des Psalms 122 gelesen. Da schreibt er vom unreinen Verlangen und von der heiligen Liebe. Beide Bewegungen kann ich sofort nachvollziehen, durch eigenes Erleben und was mir andere erzählen. Augustinus trifft es genau: „Das unreine Verlangen und die Gier des Irdischen stürzt uns in die Tiefe und versenkt uns im Abgrund.“ Das müssen gar nicht die großen Fehltritte sein, die uns in Filmen lebhaft vor Augen geführt werden: Ein Mord zieht das Unglück auch des Täters nach sich, eine Drogensucht zerstört jemanden innerhalb weniger Jahre. Nein, schon die kleinen Ungeordnetheiten, das was uns nicht gut tut und wir eigentlich gar nicht wollen, zieht uns hinunter und verhindert Leben.

Dem stellt Augustinus die andere Bewegung gegenüber: „Die heilige Liebe hebt uns zum Höheren empor und entflammt uns zum Ewigen hin, sie stachelt die Seele auf zu dem, was nicht vorübergeht und stirbt, empor zum Himmel.“ Auch diese Empfindungen kennen wir: Beziehungen, Gedanken, Tätigkeiten, die uns nach oben bringen.

Augustinus fragt dann: „Aber wie kannst du wissen, ob es schlechtes Verlangen oder hohe Liebe ist?“ Das ist ja immer die Frage: Wie kann ich herausfinden, was gut für mich ist? Der Bischof von Hippo gibt einen ganz einfachen Rat: „Schau, wohin dein Verlangen oder deine Liebe dich führt!“ Ja, das führt zur Erkenntnis: Ein Jugendlicher, der schon spürt, dass es nicht gut ist, wenn er halbe Nächte vor dem Computer sitzt – und seien es nur oberflächliche Serien, die er anschaut –, er merkt genau: Das zieht mich hinunter, ich bin dann einen ganzen Tag müde, und die gesehenen Bilder und gehörten Worte sind nicht gerade aufbauend und hilfreich. Anders, wenn er zu seinem geliebten Waldstück geht und dort arbeitet, das erhebt seine Seele, er ist dort ganz bei sich und merktauch, dass Gott ihm dort näher ist. (Dieses Beispiel habe ich wieder frei erfunden, aber die Erfahrungen aus vielen Gesprächen machen dieses Beispiel „real“.)

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Augustinus gibt uns noch ein gutes Bild mit auf den Weg: „Das schlechte irdische Verlangen bekleistert die Seele mit Leim, sodass die Flügel nicht fliegen können. Doch vom guten Verlangen, von der echten Liebe getragen, schwinge ich mich nach oben – und ich steige immer höher hinauf.“ Welch ein Glück!

Sex: Hohe Ziele und Hilfen für die Wirklichkeit (18.02.2014)

_MG_0422Für mich ist die katholische Sexualmoral eine wichtige, aber nach den wesentlichen Glaubensfragen auch untergeordnete Sache. Papst Benedikt XVI. hat hier ganz bewusst Prioritäten gesetzt und etwa am Weltjugendtag in Köln gesagt: „Viele haben das Gefühl, der Glaube und die Kirche würde ihnen etwas nehmen. Aber Gott nimmt nichts, er gibt alles.“ Deshalb hat der deutsche Papst unbeirrt versucht, sich nicht auf sogenannte „heiße Eisen“ reduzieren zu lassen, nicht mit dem zu punkten, wogegen die Kirche ist, sondern das zum Leuchten zu bringen, was die Kirche schenken kann: Die Freundschaft mit Gott.

Papst Franziskus geht jetzt einen Schritt weiter: Auch wenn die Ziele der katholischen Moral beibehalten werden – wir müssen die konkreten Menschen im Blick haben, sie nicht vorschnell verurteilen und ihnen zur Lebensbewältigung helfen. Die Kirche darf nicht vor allem mit Geboten und Verboten identifiziert werden, sondern sie muss wieder mehr als Quelle ungeahnter Möglichkeiten der Kinder Gottes erfahren werden. Das Ärzteehepaar Pilshofer aus der Schönstatt-Bewegung hat beim Treffpunkt Benedikt im Dezember 2013 bei unseren jungen Menschen damit gepunktet, dass sie nicht sofort riefen „Kein Sex vor der Ehe“, sondern von der beglückenden Erfahrung der Liebe ausgegangen sind, Hinweise für eine verantwortete Gestaltung von Beziehung und Geschlechtlichkeit gegeben haben und damit die Ziele katholischer Moral nicht verkauften, aber für die Wirklichkeit öffneten. Entsprechend war die Reaktion von ganz verschiedenen Personen, die diesen Vortrag einfach hilfreich fanden.

Hilfreich finde ich auch die Worte von Prälat Dr. Franz Xaver Brandmayr, der schon zweimal beim Treffpunkt Benedikt referierte und Rektor der „Anima“ in Rom ist. In einem Interview sagte er kürzlich im Hinblick auf die katholische Sexualmoral in etwa: Man soll auch im sexuellen Bereich hohe Ziele setzen. Das hohe Ziel soll ermutigen, aber nicht abschrecken. Wir müssen in der Kirche den Menschen einen Weg eröffnen, den sie Richtung Ideal gehen können. Das ist ganz die Linie des Papstes.“

Audienz für unsere Gedanken (14.02.2014)

csm_Markus_044196cfb7Kürzlich kam unser Frater Walter nach Hause von einer Fahrt mit einem älteren Mitbruder ins Krankenhaus. Er klopfte bei mir an die Zimmertüre und rief: „Weißt Du, dass wir einen Wüstenvater bei uns haben?“ Mir war klar, was mir Fr. Walter sagen wollte: Ein Mitbruder hat einen Satz geäußert, der ähnlich den Sätzen der frühen Mönche ist, mit denen ich mich so gerne beschäftigte.

So erzählte mir Fr. Walter die Begebenheit: Er war gerade mit Pater Markus vom Krankenhaus in Kirchdorf gekommen. Dort mussten sie wieder länger auf eine Untersuchung warten – wie schon einige Tage zuvor im AKH Linz. Fr. Walter, der ihn zu den medizinischen Untersuchungen führt, nimmt sich immer ein Buch mit, um die Wartezeiten sinnvoll zu verbringen. So auch wieder im Krankenhaus Kirchdorf. Auf der Heimfahrt fragte Fr. Walter P. Markus: „Ist Dir beim Warten nicht langweilig? Nimm doch das nächste Mal wie ich etwas zu lesen mit!“ P. Markus schmunzelte und meinte: „Nein, das passt schon. Ich habe wieder meinen Gedanken eine Audienz gewährt.“

Das beeindruckte Fr. Walter. Er hatte schon in Linz beobachtet, wie P. Markus ganz ruhig und zufrieden dasaß, die Menschen liebevoll anblickte, dann über etwas nachdachte, nach oben und unten schaute, dann wieder kurz die Augen schloss. In der Tat: Vielleicht sollten auch wir Jüngeren nicht jede Minute mit Lesematerial, SMS und Gesprächen füllen, sondern so wie P. Markus manchmal den in uns aufsteigenden Gedanken Raum geben und eine Audienz gewähren!

Freunde (13.02.2014)

IMG_1225Kürzlich las ich den Spruch: „Was für den Vogel die Kraft der Schwingen, das ist für den Menschen die Freundschaft.“ Ein schönes Bild: Ein Vogel schwingt sich in die Lüfte; er kann sich auf seine Flügel verlassen. Großartig muss es sich anfühlen, so emporzusteigen.

Freunde verleihen uns eine solche Kraft. Wunderbar, wenn man einige hat, auf die man sich verlassen kann; die da sind, wenn man sie braucht; die einen korrigieren, wenn man in die falsche Richtung geht.

Ich habe einige solche Freunde, die mir sehr wichtig sind. Da ist einer aus der Schulzeit, den ich zwar nur einmal jährlich treffe, aber dann ist es so als wären wir noch Schüler – und die Vergangenheit ist plötzlich ganz gegenwärtig. Da ist eine Freundin, mit der ich so reden kann wie mit keinem Mann, die mich anders sieht und deren Gedanken und Hinweise für mich sehr wichtig sind. Und dann ist da der väterliche Freund, auf den ich mich verlassen kann und wo ich weiß: Egal was ich tue, er unterstützt mich. Und natürlich habe ich Teil am Leben anderer, indem mich meine Freunde ihrerseits an dem teilhaben lassen, was sie freut, bewegt und bedrückt.

Freunde sind wie Schwingen, die einen nach oben tragen.

Nicht nur nette „Geschichten“ (11.02.2014)

_MG_0638Ich habe jetzt einmal bei uns in der Stiftkirche darüber gepredigt, dass wir die widerständigen, oft auf den ersten Blick nicht gerade erbaulichen Geschichten der Heiligen Schrift brauchen und nicht austauschen dürfen mit „G’schichtln“, die gleich verständlich sind, aber uns nicht herausfordern und zu denken geben. Eine treue Messbesucherin schrieb mir darauf hin (und sie hat mir erlaubt, diese Zeilen hier zu verwenden):

„Ich persönlich konnte letzten Sonntag wieder Verknüpfungen herstellen die mir vorher noch nie in den Sinn gekommen sind und fand eigene Erfahrungen bestätigt: Wenn in unserem Glauben nur nette Geschichten Platz hätten und die schwierigen, weniger schönen, mit denen man sich zugegeben oft sehr schwer tut, dann könnte einen dieser Glaube nicht tragen! Das wird mir ganz klar wenn ich auf die letzte, schwere Zeit in meinem Leben zurückschaue. Da würde mir Wesentliches fehlen! Ich würde mich von unserem Gott gar nicht ernst genommen fühlen. Aber er nimmt uns ernst und er geht mit uns durch das Leid. Er ist allmächtig und doch nicht  ‚von oben‘  herab, sondern ganz mit uns. Genau aus dieser Gewissheit habe ich immer wieder ganz viel Kraft schöpfen können. Mein Glaube und meine Liebe zu Jesus Christus sind dadurch viel tiefer geworden. – Daran hast Du mich wieder erinnert mit Deiner Predigt.“

Ihr seht, dass Verkündigung nie nur einseitig ist vom Priester zum heiligen Volk Gottes; vielmehr nehmen wir als Prediger oft auf, was wir bei den Menschen erleben und von ihnen lernen. So werde ich also immer wieder auf die schwierigen Erfahrungen des jüdischen Volkes und der Kirche verweisen, damit wir sehen, dass der Glaube nicht alles sofort nach unseren Maßstäben löst, Gott uns aber in unseren Wanderungen über Berge und durch Täler begleitet und zuweilen sogar trägt.

Zärtliche Liebe (10.02.2014)

IMG_1165„Wie zart muss mir gesagt werden, dass ich geliebt bin, bis ich es wirklich glauben kann.“ Diese Worte aus einem Gedicht von Andreas Knapp, einem „kleinen Bruder“ aus dem Orden des Charles de Foucauld, finde ich bemerkenswert. Es scheint gar nicht so leicht, Liebe wirklich zu spüren und auszutauschen. Oder es ist überhaupt schwer, an die Liebe zu glauben.

„Wie zart muss mir gesagt werden, dass ich geliebt bin, bis ich es wirklich glauben kann.“ Ein Satz, den ich so oft wiederholte, bis ich ihn auswendig konnte. Und da entdecke ich, wie viele Liebesbezeugungen ich seit klein auf bis heute von guten Menschen und vielen schönen Ereignissen bekommen habe. Für mich steckt dahinter auch jemand, der die Liebe selbst ist, mich und die ganze Welt erschaffen hat und der mich in die Ewigkeit hinein liebt. Und mir jetzt schon in verschiedenster Weise immer wieder zärtlich sagt, dass ich geliebt und von „wunderbaren Mächten“ geborgen bin.

Der Papst über die Jugend (06.02.2014)

DSCN0423Dass die Päpste einen guten Draht zu den jungen Menschen haben und diese ihnen vertrauen, ist für mich ein Zeichen, dass die Kirche einer guten, wenn anders gestaltigen Zukunft entgegen geht. Im Schreiben von Papst Franziskus Evangelii Nunitiandi finden sich zwei bemerkenswerte Absätze:

105. Die Jugendpastoral, wie wir sie gewohnheitsmäßig entwickelten, ist von der Welle der gesellschaftlichen Veränderungen getroffen worden. Die Jugendlichen finden in den üblichen Strukturen oft keine Antworten auf ihre Sorgen, Nöte, Probleme und Verletzungen. Uns Erwachsenen verlangt es etwas ab, ihnen DSCN0435geduldig zuzuhören, ihre Sorgen und ihre Forderungen zu verstehen und zu lernen, mit ihnen eine Sprache zu sprechen, die sie verstehen. Aus ebendiesem Grund bringen die Erziehungsvorschläge nicht die erhofften Ergebnisse. Die Vermehrung und das Wachsen von Verbänden und Bewegungen vornehmlich junger Menschen kann als ein Wirken des Heiligen Geistes interpretiert werden, der neue Wege öffnet, die mit ihren Erwartungen und ihrer Suche nach einer tiefen Spiritualität und nach dem Gefühl einer konkreteren Zugehörigkeit im Einklang stehen. Es ist jedoch notwendig, die Beteiligung dieser Gruppen innerhalb der Gesamtpastoral der Kirche zu festigen.

DSCN0415106. Auch wenn es nicht immer einfach ist, die Jugendlichen heranzuführen, sind doch in zwei Bereichen Fortschritte erzielt worden: in dem Bewusstsein, dass die gesamte Gemeinschaft sie evangelisiert und erzieht, und in der Dringlichkeit, dass sie mehr zur Geltung kommen. Man muss anerkennen, dass es im gegenwärtigen Kontext der Krise des Engagements und der gemeinschaftlichen Bindungen doch viele Jugendliche gibt, die angesichts der Leiden in der Welt ihre solidarische Hilfe leisten und verschiedene Formen von Aktivität und Volontariat ergreifen. Einige beteiligen sich am Leben der Gemeinde und rufen in ihren Diözesen oder an anderen Orten Dienstleistungsgruppen und verschiedene missionarische Initiativen ins Leben. Wie schön, wenn die Jugendlichen „Weggefährten des Glaubens“ sind, glücklich, Jesus auf jede Straße, auf jeden Platz, in jeden Winkel der Erde zu bringen!

Unverschämt leben (03.02.2014)

Immer wieder erzählen mir Menschen vom bedrängenden Gefühl, gelebt zu werden und nicht mehr selber zu leben. Wenn mir alles zu viel wird, geht es auch mir manchmal so.

Einem Freund, der vor lauter Notwendigkeiten nicht mehr zum Leben zu kommen scheint, schrieb ich nun die Weisheit aus dem letzten Impuls: „Man soll sich treu bleiben, statt so zu leben, wie es andere erwarten.“ Das ist freilich nur die eine Seite. Er wird ja nicht nur bedrängt von den Erwartungen, die im Beruf oder privat an ihn gestellt werden. Viel mehr sind es noch die Erwartungen, fast Zwänge, dem zu genügen, was er sich selbst auferlegt – was er eben glaubt tun zu müssen und wer er glaubt, sein zu sollen (obwohl die anderen das viel entspannter sehen).

IMG_1207So habe ich meinem Freund nahe gelegt, „unverschämt“ zu leben. Ja: „Lebe unverschämter!“ Und ich erzählte ihm von mir: „Heute Vormittag habe ich einfach 1 1/2 Stunden geschlafen, weil es gestern nach einem Vortrag in einer Pfarre wieder spät geworden ist. Eigentlich hätte ich am Vormittag Arbeit gehabt – und es ist, wie Du weißt, für mich die beste Zeit der Arbeit. Aber ich habe geschlafen – und jetzt kein schlechtes Gewissen. Vielleicht sollten wir unverschämter leben, um wahrhaft Mönche zu sein – unverschämt freilich nicht gegen Gott oder sich selbst oder anderen Menschen in Not, sondern gegenüber weltlichen Erwartungen, die wir uns oft selber unbesehen zu eigen machen.“

3 Antworten zu “Impulse Februar 2014

  1. Jesus, dein Mund so segensreich, sprach einst das Wort des Heiles,
    der Friede sei mit euch. Danke für die herzerwaermende Feier zu
    Maria Lichtmess! Vergelts Gott!

  2. 😀 DANKE für Euer Mitfeiern!

  3. Denn die Hoffnung ist nie vergeblich, sie hilft dem Glauben und der Liebe zu wachsen und das Vertrauen auf ein tiefgehendes Herz-an-Herz mit Jesus annehmen. Danke!

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