Impuls und Predigt des Apostolischen Nuntius

Impuls anläßlich des Christkönig-Jugendfestivals im Benediktinerstift Kremsmünster 

Impuls des Apostolischen Nuntius Erzbischof Dr. Peter Stephan ZURBRIGGEN

 (15. November 2014, 9.45 Uhr)

Hochwürdigster Herr Abt [Ambros Ebhart]!

Liebe Benediktiner!

Liebe junge Freunde aus nah und fern!

Sehr gerne bin ich heute als Vertreter des Heiligen Vaters in Österreich zum diesjährigen Christkönig-Jugendfestival in das schöne Stift Kremsmünster gekommen, um Euch allen die Grüße und den Segen unseres Heiligen Vaters Papst Franziskus zu bringen.

Beten muß gewollt sein.

Der Titel des diesjährigen Festivals trägt den englischen Titel „Jesus 4 you & me“ – Jesus für Dich und mich. Gewiß, jeder von uns will Jesus nahe sein. Wie geht das, wie ist das möglich, werdet ihr vielleicht fragen. Wie kann ich zu Jesus eine echte, ehrliche Beziehung aufbauen? Die Antwort ist einfach und schwer zu gleich. Was für eine freundschaftliche Beziehung gilt, gilt für die Beziehung mit Jesus Christus, dem Sohn Gottes, in gleicher Weise.

Denn eine echte Freundschaft kann nur dann Bestand haben, wenn es eine regelmäßige Begegnung mit dem Freund gibt. Aus diesem Grund reicht es nicht einfach zu sagen, ich möchte beten. Beten muß gewollt sein. Der Katechismus der Katholischen Kirche sagt es uns so klar: „Die Überlieferung der Kirche bietet den Gläubigen sich regelmäßig wiederholende Gebete an, um das ständige Gebet zu fördern. Einige davon sind tägliche Gebete, z. B. das Morgen- und Abendgebet, das Gebet vor und nach den Mahlzeiten und das Stundengebet. Der Sonntag mit seiner Ausrichtung auf die Eucharistie wird besonders durch das Gebet geheiligt. Das Kirchenjahr mit seinen großen Festen ist das zeitliche Grundmaß im Gebetsleben des Christen“ (KKK, 2698). Ich möchte Euch daher einladen, dem persönlichen Gebet täglich neu erste Priorität einzuräumen. Vergessen wir nicht, daß dort, wo Gott kein Platz gewährt wird, nichts gut werden kann. Deshalb ist das tägliche Morgen- und Abendgebet für uns Christen – neben dem Besuch der Sonntagsmesse und dem Halten der Gebote – von so entscheidender Bedeutung.

Das Gebet setzt ein Mühen voraus.

Immer wieder werden wir vermutlich auch die Erfahrung machen, daß uns das Gebet schwer fällt, vielleicht sogar, daß es uns nicht freut oder wir unter Zerstreuung leiden. Große Mystiker, denken wir an die hl. Teresa von Avila, Johannes von Kreuz oder Mutter Teresa von Kalkutta, erwähnen immer wieder eine dunkle Nacht der Seele, in der Gott als gänzlich abwesend und unerreichbar erfahren wird. Beten, das Gebet also, ist das Gespräch mit Gott. Ein geistlicher Schriftsteller hat in zwei Punkten zusammengefaßt, was das Evangelium über das Beten lehrt: 1. Jesus verspricht, daß Gott auf uns zu kommen und uns begegnen wird, wann und wie Er will. Das ist der Anteil Gottes an unserem Beten und Er ist die Hauptsache, daß nämlich unser Gebet in Ihm sich vollendet. 2. Jesus fordert uns dringend zur Beharrlichkeit auf. Die Beharrlichkeit ist unser Beitrag. Um Beten zu lernen, muß man also ganz einfach beten, viel beten und immer wieder neu anfangen, ohne müde zu werden (René Voillaume).

Der theologische und philosophische Schriftsteller Søren Kierkegaard schreibt: „Beten heißt nicht, sich selbst reden hören. Beten heißt still werden und still sein und warten, bis der Betende Gott hört“. Ja, wir müssen alle in diesem Sinne Hörer des Wortes werden. Beten verlangt von uns auch, daß wir radikal werden, d.h. zu den Wurzeln unserer Existenz als Geschöpf und unserer Berufung als getaufte und gefirmte Christen gehen und so eine Haltung der Hingabe des Aus-sich-heraus-tretens einüben, um die Anwesenheit Gottes zu erfassen und zu erfahren. Beten heißt also zuerst einmal lauschen auf Gott. Das ist das Wichtigste, daß Gott spricht.

Der Katechismus der Katholischen Kirche lehrt uns auch ganz klar, daß das Gebet ein Mühen unsererseits voraussetzt: „Das Gebet setzt ein Mühen und einen Kampf gegen uns selbst und gegen die List des Versuchers voraus. Der Kampf des Gebetes ist nicht vom ‚geistlichen Kampf‘ zu trennen, der notwendig ist, um mit innerer Beständigkeit aus dem Geiste Christi zu handeln: Wir beten, wie wir leben, weil wir leben, wie wir beten … Es ist angebracht, … Versuchungen, die den Nutzen oder die Möglichkeit des Betens in Zweifel ziehen, mit Demut, Vertrauen und Ausdauer zu widerstehen“ (KKK 2752 u. 2753). Wenn wir diese weisen Ratschläge berücksichtigen, wird es uns bestimmt immer besser gelingen, unsere persönliche Beziehung zu Christus zu stärken. Obwohl der Glaube an den Sohn Gottes immer ein Geschenk Seinerseits ist, setzt er doch unsererseits stets eine gewisse Offenheit für Ihn und ein Mindestmaß an Bemühen voraus. Tröstend für uns alle, die wir uns ehrlich bemühen, sind die Worte des hl. Apostels Paulus, der schreibt: „So nimmt sich auch der Geist unserer Schwachheit an, denn wir wissen nicht, wofür wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein, mit unaussprechlichem Seufzen“ (Röm 8,26).

Lassen wir uns von Christus finden!

Für mich persönlich ist immer das Prinzip cum Petro et sub Petro wichtig gewesen. Ja, bis heute ist es für mich ganz entscheidend. Mit Petrus, dessen Name heute Franziskus ist und unter seiner Führung, wollen wir als Katholiken stets eng verbunden sein. Ich möchte Euch auf drei wichtige Aussagen von Papst Franziskus hinweisen:

  1. Erst vor etwa einem Jahr erschien das Apostolische Schreiben von Papst Franziskus über die Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute sein. Es trägt den lateinischen Titel Evangelii Gaudium und möchte alle Katholiken ermutigen, die Freude des Evangeliums neu zu entdecken und weiterzugeben.

Darin schreibt Papst Franziskus gleich zu Beginn: „Ich lade jeden Christen ein, gleich an welchem Ort und in welcher Lage er sich befindet, noch heute seine persönliche Begegnung mit Christus zu erneuern oder zumindest den Entschluß zu fassen, sich von ihm finden zu lassen, ihn jeden Tag ohne Unterlaß zu suchen. Es gibt keinen Grund, weshalb jemand meinen könnte, diese Einladung gelte nicht ihm, denn ‚niemand ist von der Freude des Evangeliums ausgeschlossen, die der Herr uns bringt‘. Wer etwas wagt, den enttäuscht der Herr nicht, und wenn jemand einen kleinen Schritt auf Jesus zu macht, entdeckt er, daß dieser bereits mit offenen Armen auf sein Kommen wartete“ (Papst Franziskus: Apostolisches Schreiben Evangelii Gaudium, 3).

  1. Ein zweites Herzensanliegen von Papst Franziskus ist, daß alle getauften und gefirmten Christen an der Mission ad gentes teilhaben, d.h. daß alle Regionen der Erde in einen „Zustand permanenter Mission“ versetzt werden (cfr. Papst Franziskus: Apostolisches Schreiben Evangelii Gaudium,, 25). Es wäre schön und wichtig, wenn Ihr alle jeweils mit Euren Pfarren und Gemeinschaften eine solche lebendige Gemeinschaft im „Zustand permanenter Mission“ werden würdet. Der Glaube soll und muß stets neu lebendig weitergeben werden.

 

  1. Und ein Drittes: Papst Franziskus wird nicht müde mit großer Begeisterung für die Nachfolge Jesu zu werben. In einem seiner täglichen Tweets heißt es: Es gibt kein Christentum zum Billigtarif: Jesus nachfolgen heißt gegen den Strom schwimmen und dabei auf Böses, auf den Egoismus verzichten“ (Papst Franziskus: Tweet,09.2013). Ich möchte Euch sehr ermutigen, Euch nicht mit einer Mittelmäßigkeit im Gebets- und Glaubensleben zufrieden zu geben, sondern – wie es Papst Franziskus sagt – konsequent „gegen den Strom“ zu schwimmen. Das wird nötig sein, um Fortschritte im Guten und in der Nachfolge Christi zu machen.

 

In diesem Zusammenhang, als Sucher der Wahrheit und Gerechtigkeit, müssen wir immer wieder bereit sein, uns neuen Heraus­forderungen zu stellen und Zeugnis abzulegen. In einem bekannten Studentenlied aus meiner Jugend heißt es: Qui sedet post fornacem. Et habet bonam pacem! (Der hinter dem Ofen sitzt. Und er hat guten Frieden). Wir dürfen als Katholiken nicht hinter dem Ofen sitzen bleiben zugunsten eines bequemen und trügerischen Friedens, sondern müssen unseren Glauben und unsere Ideale in der Öffentlichkeit mutig bezeugen und mit Engagement dafür eintreten. Wir müssen Farbe bekennen! Und dazu gehört auch worauf Kardinal Christoph Schönborn einmal hingewiesen hat, daß wir u.a. zu einem mutigen Auftreten in der Öffentlichkeit und in den Medien aufgerufen sind. Dieser Auftrag gilt nicht nur für die Bischöfe sondern ganz allgemein für uns alle: „Wir müssen gemeinsam deutlicher werden!“

 

Der Glaube ist nie nur Privatsache!

 

Aus diesem Grund kann der Glaube nie nur eine Privatsache sein. Den Glauben an Gott zu bekennen, bedeutet daher auch, daß „der Glaube ein öffentliches Zeugnis und Engagement einschließt“, wie es Papst Benedikt XVI. in seinem Apostolischen Schreiben Porta Fidei darlegt (cfr. Papst Benedikt XVI.: Apostolisches Schreiben Porta Fidei, 10). Der Glaube „ist die Entscheidung, beim Herrn zu sein und mit ihm zu leben. Dieses ‚Bei-ihm-Sein’ führt in das Verständnis der Gründe ein, warum man glaubt“ (Papst Benedikt XVI.: Apostolisches Schreiben Porta Fidei, 10). Die Kenntnis des Inhalts unseres Glaubensbekenntnisses ist substantiell, um „die eigene Zustimmung zu geben, das heißt um sich dem, was von der Kirche vorgelegt wird, mit Verstand und Willen anzuschließen … Die gegebene Zustimmung schließt also ein, daß man glaubt, freiwillig das gesamte Glaubensgeheimnis annimmt, denn der Bürge für seine Wahrheit ist Gott selbst, der sich offenbart und es ermöglicht, sein Geheimnis der Liebe zu erkennen“ (Papst Benedikt XVI.: Apostolisches Schreiben Porta Fidei, 10).

Wer glaubt ist nie allein.

Liebe Jugendliche! Je mehr wir uns mit unserem Glauben beschäftigen, der uns von der Kirche unverfälscht durch die Zeit bewahrt worden ist, desto klarer werden wir Christus kennen und durch ihn Gott kennen. Öffnen wir gemeinsam, freudig und mit persönlichem Engagement die Türen unseres Herzens ganz weit für Christus. Wer glaubt ist nie allein, machen wir es daher den Jüngern Jesu gleich und legen wir unter unseren Mitmenschen mutig und freudig Zeugnis für unseren Glauben an den Sohn Gottes – Jesus Christus – ab. Und glauben wir auch zusammen. Kommt oft in Eure Kirche, um den Glauben gemeinsam und treu zu leben. Die Kirche zählt auf jeden einzelnen von Euch!

Rosenkranz: Kurzfassung des Evangeliums und der Glaubensgeheimnisse

Liebe Jugendliche! Gestattet mir noch ein persönliches Wort: Seit meiner Kindheit ist mir das Rosenkranzgebet heilig und teuer. Gerne denke ich daran zurück, wie wir in der Familie gemeinsam den hl. Rosenkranz gebetet haben. Es scheint mir, daß in den vergangen Jahrzehnten das Rosenkranzgebet in der Kirche nachgelassen hat, ja daß es an manchen Orten ganz verschwunden ist. Dabei wird oft vergessen, welch unglaublichen Wert es für die Betrachtung der Glaubensgeheimnisse birgt. Das Rosenkranzgebet ist ein großer Schatz, der wieder neu entdeckt werden muß. Gerade die Erfahrung der Weltjugendtage mit den Päpsten zeigt, mit welcher Begeisterung viele von Euch dieses schlichte wie schöne Gebet dankbar annehmen. Viele Heilige sind nicht müde geworden, immer wieder die Wichtigkeit dieses einfachen und wirksamen Gebetes zu betonen, das eine Kurzfassung des Evangeliums darstellt. Ich möchte jeden einzelnen von Euch heute ermutigen, täglich zumindest ein Gesätzchen des Rosenkranzes, d.h. 1 Vater Unser, 10 Ave Maria und 1 Ehre sei dem Vater, zu beten. Ihr werdet sehen, wie sehr dieses Gebet Eure persönliche Beziehung zu Gott verändern wird, ja wie schön es ist stets mit dem Herrn und der Jungfrau und Gottesmutter Maria verbunden zu sein.

Herrschaft Christi in uns

Liebe junge Freunde! Am Ende meines Impulses möchte ich noch ein Wort zu Jesus Christus, dem König der Welt, sagen. Bewußt habt Ihr Eure heutige Begegnung Christkönig-Jugendfestival genannt. Das Königtum Christi beinhaltet, daß Christus dem Menschen Gesetzgeber und Richter ist. Im vergangenen Jahrhundert haben viele Menschen erlebt, wohin es führt, wenn Diktatoren und totalitäre Staaten versuchen, auch über die Seelen der Menschen zu herrschen. Jede Seele kann aber nur einen Herrscher haben und dieser Herrscher ist Jesus Christus. In dieser Hinsicht ist die wohl wichtigste Frage, die wir uns täglich neu stellen müssen, nicht die, ob Christus tatsächlich in der Welt herrscht. Diese Frage müsste vielerorts wohl negativ beantwortet werden. Vielmehr geht es heute um die Frage, ob er in mir herrscht. Wichtig ist nicht, ob sein Königtum von den Staaten und Regierungen anerkannt wird, sondern ob es von mir persönlich anerkannt und gelebt wird. Ist Christus wirklich der König und Herr meines Lebens? Ist er wirklich die wichtigste Person in meinem Leben? Wer herrscht in mir? Wer legt die Ziele fest, und wer setzt die Prioritäten in meinem Leben? Lasse ich, lassen wir Christus, unseren König, herrschen? Bitte denkt darüber heute während der Kommunionspendung in der hl. Messe nach.

Liebe junge Freunde! In unserer schnelllebigen, zur Oberflächlichkeit neigenden Zeit, kommt dem Gebet ein besonders hoher Zeugniswert zu. Beten wir miteinander und füreinander, daß wir alle in der Freundschaft mit Jesus Christus das „eine Notwendige“ (cfr. Lk 10,42) finden und „Leben in Fülle“ (Joh 10,10) haben.

Gelobt sei Jesus Christus. In Ewigkeit. Amen.

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Hl. Messe am Hochfest des hl. Markgrafen Leopold

in der Stiftskirche Kremsmünster

Predigt des Apostolischen Nuntius Erzbischof Dr. Peter Stephan ZURBRIGGEN

 (Hochfest des hl. Markgrafen Leopold, 15. November 2014, 10.30 Uhr )

L1: Spr 3,13-20; L2: Röm 8,26-30; Ev.: Lk 19,12-26

Hochwürdigster Herr Abt [Ambros Ebhart]!

Liebe Benediktiner!

Liebe junge Freunde aus nah und fern!

Mit ganz großer Freude möchte ich heute diese heilige Messe am Hochfest des hl. Leopolds, des zweiten Landespatrons von Oberösterreich, im Rahmen des diesjährigen Christkönig-Jugendfestivals, für Euch alle feiern. In der Feier der hl. Messe, die ja die Quelle und der Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens ist, vollzieht sich an uns das Werk unserer Erlösung (cfr. II. Vatikanum: Lumen Gentium, 3 u. 11). Sind wir uns bewußt, welch große Gnaden uns in der hl. Messe geschenkt werden.

Der hl. Leopold „vergaß nie den Glauben und die Barmherzigkeit“.

 Papst Innozenz VIII., der den Markgrafen Leopold zur Ehre der Altäre erhoben hat, hat in der Bulle anläßlich der Heiligsprechung gesagt: „Viele Heilige zeigen uns ihr Beispiel, aber wir weigern uns hartnäckig, diese nachzuahmen, und wenn von unserem Heil gesprochen wird, schützen wir unsere Schwachheit oder unsere irdischen Geschäfte vor. Das klare Beispiel des Fürsten Leopold, der verheiratet war und für viele Menschen zu sorgen hatte, ermahnt uns, alle Entschuldigungen fallen zu lassen, um uns im Guten zu üben. Dieser Mann Gottes, in Reichtum erzogen, immer der Freiheit zur Sünde ausgesetzt, mit Ehesorgen und Regierungsgeschäften belastet, vergaß nie den Glauben und die Barmherzigkeit. Er war berühmt wegen seiner Einfachheit, Mäßigkeit und Freigebigkeit. Seine Aufrichtigkeit und seine Demut erwarben ihm die Achtung aller Christen. … Er verwaltete das Zeitliche so, daß er das Ewige nicht aus den Augen verlor. Vierzig Jahre regierte er das Land Österreich. Während in anderen Ländern Mord und Totschlag herrschten, erhielt er das ihm vertraute Land in langem Frieden“ (Bulle zur Heiligsprechung Leopolds, in: Lektionar zum Stundenbuch, II/8, pp. 301f.). Im heiligen Markgrafen Leopold wird ganz deutlich sichtbar – Papst Benedikt XVI. hat dies in seiner Enzyklika Deus Caritas est so prägnant formuliert in Bezug auf die Heiligen –: „Wer zu Gott geht, geht nicht weg von den Menschen, sondern wird ihnen erst wirklich nahe“ (Deus Caritas est, 42).

„Warum ist der Mensch auf Erden?“

Liebe junge Freunde! Als Ministranten konnten wir früher Teile des Katechismus auswendig. Die Antwort auf die Frage des ersten Katechismusartikels „Warum ist der Mensch auf Erden?“ lautete: „Um Gott zu erkennen, zu lieben und dadurch in den Himmel zu kommen“. Auch Ihr fragt Euch vielleicht nach dem Sinn des Lebens? Worin besteht dieser und wie kann ich diesem näher kommen?

Der heilige Kirchenvater Gregor von Nyssa, aus dem 4. Jahrhundert, sagt uns so klar, daß „das Ziel eines tugendhaften Lebens“ darin besteht, „Gott ähnlich zu werden“ (Gregor von Nyssa, beat. 1). Die Tugend ist somit „eine beständige, feste Neigung das Gute zu tun. Sie ermöglicht den Menschen, nicht nur gute Taten zu vollbringen, sondern sein Bestes zu leisten. Mit all seinen sinnlichen und geistigen Kräften strebt der tugendhafte Mensch nach dem Guten. Er sucht es zu erreichen und entscheidet sich bei seinen konkreten Handlungen dafür“ (KKK, 1803). Auch wenn es heute nicht modern scheint, für ein tugendhaftes Leben zu plädieren, möchte ich Euch doch ganz neu dazu einladen. Der Weg der Einigung mit Christus ist der Weg aller Heiligen, ja aller Menschen.

Der Weg der Heiligen.

So möchte ich Euch von neuem dazu einladen, den Weg der Heiligen und der Heiligung zu gehen. Wenn wir nicht nur auf Gott hören, sondern ihm auch in unserem Alltag folgen, wird unsere Liebe zu ihm Tag für Tag glühender werden, so daß wir am Ende mit dem Apostel Paulus ausrufen können: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20). Das ist das gemeinsame Ziel aller Berufungen in der Kirche, daß Christus in mir lebt. Wenn wir das sagen können, dann haben sich die Wort des hl. Gregor von Nyssa in unserem Leben verwirklicht, daß wir Gott ähnlich geworden sind. Ich brauche vermutlich nicht gesondert darauf hinzuweisen, daß ein solches Leben das tägliche Gebet und den zumindest sonntäglichen Besuch der hl. Messe, der wöchentlichen großen Gnadenstunde, sowie die regelmäßige Beichte voraussetzt. Dann wird auch der Herr einst zu uns sagen können – wie wir es im heutigen Evangelium gehört haben –: „Du bist ein tüchtiger Diener“ (Lk 19,17). Wie Ihr wißt, hat Papst Franziskus das Jahr 2015 als Jahr der Orden ausgerufen. Beten wir also heute hier miteinander und füreinander für geistliche Berufungen für unsere Kirche, hier in Österreich.

Der Priester handelt in persona Christi capitis.

Liebe Freunde! Wenn ich so viele junge Menschen vor mir sehe, muß ich Euch noch ein Wort zum Priestertum sagen. Die Berufung und der Dienst des Priesters sind ein unermeßliches Geschenk nicht nur für die Kirche, sondern für die Menschheit überhaupt. Nichts wird den Dienst des Priesters im Leben der Kirche je ersetzen können! Ich möchte hier ganz klar und deutlich betonen, daß der Beruf des katholischen Priesters in erster Linie eine Berufung ist. Das heißt es ist also eine Erwählung durch den Herrn. Kraft des Weihesakramentes handelt der Priester „in der Person Christi des Hauptes“ [in persona Christi capitis]. Papst Pius XII. hat dies in seiner bis heute sehr bedeutenden Enzyklika Mediator Dei einst so anziehend erklärt: „Es ist der gleiche Priester, Christus Jesus, dessen heilige Person sein berufener Diener vertritt. Durch die Priesterweihe dem Hohenpriester angeglichen, besitzt er die Vollmacht, in der Kraft und an Stelle der Person Christi selbst zu handeln“ (Papst Pius XII.: Enz. Mediator Dei, in: KKK, Nr. 1548). Wenn also der Priester die Sakramente spendet, ist es Christus, der Sohn Gottes selbst, der durch den Priester handelt und sich dessen Stimme und Gestik bedient. Wenn wir zum Beispiel zur hl. Beichte gehen und uns der Priester losspricht, tut er dies in der Person Jesu Christi des Hauptes, d.h. Gott bedient sich seiner Person und spricht uns von unseren Sünden los.

Diese Gegenwart Christi im Priester ist allerdings nicht so zu verstehen, daß dieser gegen alle menschlichen Schwächen gefeit wäre. Immer wieder haben wir vielleicht sogar kopfschüttelnd erlebt, daß Priester auch nur Menschen sind und gegen die Sünden ankämpfen müssen. Bei den Sakramenten ist uns jedenfalls die Gewähr gegeben, „daß selbst die Sündhaftigkeit des Spenders die Frucht der Gnade nicht verhindern kann“ (KKK, Nr. 1550). Die Sendung eines Priesters ist es daher vor allem ein ‚Gottmensch’ sein, wie es der heilige Paulus ausdrückt (1Tim 6,11).

Bin ich berufen?

Liebe Freunde! In besonderer Weise möchte ich heute jeden einzelnen von Euch ganz persönlich einladen, beim Empfang der hl. Kommunion den Herrn zu fragen, ob nicht auch Du einen besonderen Ruf des Herrn zur ungeteilten Nachfolge verspürst. Stell Dir dabei die Frage: Ruft Jesus heute mich? Ja, bin ich zum Priestertum oder zum Gott geweihten Leben berufen? Haben wir Mut diesen Ruf, den uns Jesus in unser Herz gelegt hat, dankbar anzunehmen und ihm zu folgen. Eines kann ich Dir jetzt schon versprechen: Wer dem Ruf des Herrn folgt, wird besonders von ihm beschenkt werden! Ihm ist ein Leben in Fülle verheißen. Hab‘ also keine Angst, dem Herrn alles zu geben. Wir werden es 100-fach zurückbekommen. Dafür können ich selbst und viele andere Priester Zeugnis ablegen.

Das Beispiel und die Fürsprache des hl. Leopold mögen uns heute und allezeit begleiten. Heiliger Leopold, bitte für uns!

 Gelobt sei Jesus Christus. In Ewigkeit. Amen.

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