Februar 2012

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Glaube – Ursprung des Humors                Kremsmünster, 4. Februar 2012

Es geht um den Glauben, und es geht um den Humor. Wir sind natürlich nicht die ersten, die sich mit diesem schönen Thema befassen. Es gibt wunderbare Bücher dazu, und ich habe viel gelernt aus einem Buch, das der evangelische Theologen Helmut Thielicke unter dem Titel „Das Lachen der Heiligen und Narren“ 1974 herausgebracht hat. Und ich bitte um Verständnis, wenn ich um des lebendigen Vortrags Willen nicht jedes Mal ausdrücklich zitiere.

Schauen wir uns zunächst das weite Feld des Humors an, um dann zu fragen, warum der Glaube eine seiner – vielleicht sogar seine wichtigste – Quelle sein kann.

Wer mag es nicht, wenn Menschen fröhlich sind, wenn fröhlich und von Herzen gelacht wird, nicht gegen jemand, nicht verletzend, und auch einmal über sich selbst.

Wie wohltuend ist es, wenn gelächelt wird, in feinem Einverständnis, in freundlicher Grund- und Zustimmung.

Gelacht wird zumeist dort, wo Witze erzählt werden, wo sich etwas Heiter-Komisches ereignet. Gelächelt wird eher dort, wo der Humor im Spiel ist.

Witz und Humor, das hängt zusammen – und ist doch etwas Verschiedenes. Das zu klären ist unser erster Punkt, bevor wir fragen, wie Humor und Glaube zusammenhängen.

 

Was bewirkt ein Witz, weswegen lacht man?

 

  • Einmal: Es mutet komisch an, es gibt ein Moment der Komik. Das Wort „Komik“ kommt von dem griechischen „komos“, dem „Umzug voll Mutwillen“, und „komikos“ heißt „witzig, lächerlich“.
  • Witzig wirkt auf uns das Unerwartete, der Kontrast, der oft im Widerspruch zur Wirklichkeit steht, wie es z.B.in diesem Witz zum Ausdruck kommt:

Der Pfarrer schaut die Kirchgass nunter

und siehgt dort neber am Hollunder

drei Bubn steh scho vo aller weiten,

die heftig debattiern und streiten.

Er geht und frogt: Etz sogt mer bloß,

wos hobt er denn, wos is denn los?!

Do sprudelts raus auf amol fei

zu gleicher Zeit aus alle drei:

Mir homm aan Apfel, bittesehr,

den in drei Teile teiln is schwer,

drum hommer gsagt: Es kriegt nern wer

am besten lügn konn, bitte sehr!

Der Pfarrer sogt: Wie ungezogen!

ich habe niemals noch gelogen

in meinem ganzen Leben, nie!

Do hält aa Bu in Apfel hi

dem Pfarrer und sogt: Etz is clear,

der schöne Apfel, der ghört dir!

  • Witzig wirken Überraschungs-Effekte:

Der junge Kaplan predigt zum ersten Mal. Er predigt mit Eifer und sieht, wie einer älteren Dame in der zweiten Reihe ein paar Tränen hinunterlaufen. Da legt er noch ein bisschen zu, und die Frau muss richtig weinen. Nach dem Gottesdienst geht der Kaplan auf sie zu und sagt: „Gel, liebe Frau, die Predigt hat sie heute sehr bewegt, dass ihnen gleich die Tränen gekommen sind!“ Und sie sagt: „Wissen Sie, Herr Kaplan, ich hab’ immer an meinen Enkel denken müssen; der ist auch Kaplan, und der predigt auch so schlecht.“

  • Witzig wirkt es, wenn menschliche Schwächen humorvoll herübergebracht werden:

Der kleine Franz sagt zum Lehrer immer „Du“. Da sagt der Lehrer: Franz, du bist jetzt ein Schüler, da musst du lernen, dass man zu den Erwachsenen „Sie“ sagt.

In der nächsten Schulstunde sagt der Franzi: “Schau Herr Lehrer, wos i gschriebn hab!“

Da sagt der Lehrer: „Franzi, ich habe Dir doch gesagt, Du musst „Sie“ sagen. Jetzt schreibst Du bis morgen fünfzig Mal: „Ich muss zum Herrn Lehrer „Sie“ sagen.“

Am nächsten Morgen bringt Franzi dem Lehrer die Strafarbeit. Er hat den Satz nicht nur fünfzig, sondern hundert Mal geschrieben. „Ja, warum hast Du denn den Satz gleich hundert Mal geschrieben, Franzi?“ fragt der Lehrer. Darauf Franz: „Weil i di so mag!“

 

Ein guter Witz ist zugespitzt auf die Pointe; er stimmt heiter und lässt die Wahrheit, die vermittelt werden soll, dadurch eher annehmen. Manchmal lässt der Witz auch ein Licht aufgehen.

Der Witz wendet sich an den Verstand, an den Intellekt. Und: Mit einem Witz ist es wie mit einer Leuchtrakete: sie strahlt auf und dann ist’s wieder vorbei. Und wenn es etwas sein soll, dann muss ich ein ganzes Feuerwerk, einen Witz nach dem andern abgeben, sonst wird’s fad.  Mit dem Humor ist das anders. Dass es aber doch einen Zusammenhang zwischen Witz und Humor gibt, darauf kommen wir noch zu sprechen.

Was macht den Humor aus?

Beim Humor geht es nicht in erster Linie um den Intellekt, Humor ist eine Sache des Herzens.

Das Herz steht für’s Ganze des Lebens, und deswegen geht es auch beim Humor um’s Ganze des Lebens. Er kann tragen, er ist „der Schwimmgürtel auf dem Strome des Lebens“, und er trotzt den Unbilden des Lebens: „Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“

Etymologisch geht „das Wort Humor … auf die Ansicht von Hippokrates, Galen und der mittelalterlichen Medizin zurück, dass die Körpersäfte, die ‚humores‘ die innere Art des Menschen bestimmen“ (Thielicke S. 82).

Als ich vor einem Monat hier im Stift zu Gast war, u.a. auch, um mir Gedanken über für diesen Vortrag zu machen, las ich einen großartigen Krimi. Er heißt „Reise in die Nacht“; Autor ist der italienische Schriftsteller Gianrico Carofiglio.

In diesem Roman unterhält sich der Rechtsanwalt, Avvocato Guerrieri, mit seiner Bekannten und späteren Frau Sara. Sara fragt:

„Was ist für dich die wichtigste Eigenschaft eines Menschen?“

„Humor – nicht zu verwechseln mit Ironie und Sarkasmus, das ist etwas anderes. Leute mit Humor nehmen sich selbst nicht allzu ernst. Und wer sich selbst nicht ernst nimmt, kann weder schlecht, noch dumm, noch vulgär sein. Wenn du es dir recht überlegst, steckt da fast alles drin. Kennst du Leute mit Humor?“

„Wenige. Dafür kenne ich sehr viele, vor allem Männer, die sich wahnsinnig ernst nehmen.“

Sie zögerte einen Augenblick, aber dann sprach sie weiter:

„Mein Freud ist einer davon.“

„Was macht dein Freund?“

„Er ist Ingenieur.“

„Ist er ein ernster Mensch?“

„Nein. Er ist sympathisch, er kann einen zum Lachen bringen. Ich meine: Er ist intelligent, reißt Witze und so, aber immer nur über die andern. Sich selbst nimmt er wahnsinnig ernst. Er hat absolut keinen Humor.“

Sie machte eine Pause, bevor sie weitersprach.

„Ich fände es schön, wenn du Humor hättest.“

In diesem Gespräch steckt eine Aussage, die ganz viel mit dem Glauben zu tun hat – und damit kommen wir zu der Frage,

wie Humor und Glaube zusammenhängen.

Es ist der kleine Satz: „Leute mit Humor nehmen sich selbst nicht allzu ernst.“ Wer glaubt, muss sich nicht allzu ernst nehmen.

Sie kennen die Geschichte, die von Guiseppe Angelo Roncalli erzählt wird, dem späteren Papst Johannes XXIII.:

Nach seiner Wahl liegt er schlaflos im Bett; Sorgen quälen ihn. Wie soll ich alter Mann mit meinen 77 Jahren die ganze große weltweite katholische Kirche leiten. Er wälzt sich hin und her und findet keinen Schlaf. Auf einmal hört er eine Stimme vom Himmel, die sagt: „Guiseppe Angelo, nimm dich nicht zu ernst!“ Und er wusste: Da ist noch ein anderer da, der die Kirche und die Welt regiert, und der darauf sieht, dass nicht alle Türen zum Guten verschlossen werden.

Diesem „Nimm dich nicht zu ernst“ und dem, was es ermöglicht, spüren wir jetzt etwas nach, indem wir einige Grundaussagen unseres Glaubens anhand der drei Glaubensartikel betrachten.

Wir glauben, dass Gott die Welt und uns erschaffen hat und erhält.

(Martin Luthers Auslegung zum 1. Glaubensartikel im Kleinen Katechismus)

Das heißt: Wir sind nicht der Schöpfer, sind nicht der Herr-Gott, und müssen es auch nicht sein; wir müssen uns nicht selbst erschaffen, unsere Existenz nicht durch unsere Leistung rechtfertigen – wir dürfen schlicht und einfach Mensch sein.

Eine kleine Anekdote aus Nürnberg bringt das zum Ausdruck:

Aus dem Dürerhaus kommt ein Preuße. Nicht weit von ihm steht ein alter Nürnberger. Der Preuße geht auf den alten Nürnberger zu und sagt in schnoddrigen Ton: „Sagen Sie mal, wurden hier in Nürnberg noch mehr große Männer geboren?“ Der alte Nürnberger überlegt ein bisschen und antwortet dann ganz ruhig: „Bei uns in Nermberg werdn bloß klanne Kinder geborn.“

Wie gesagt: Wir zählen nicht, weil wir große Männer, sondern weil wir geliebte Kinder unseres Vaters im Himmel sind.

Was heißt Liebe? Der katholische Philosoph Joseph Pieper definiert es so: Wenn ich jemand liebe, dann sage ich mit oder ohne Worte: „Ich bin glücklich, dass du da bist, ich bin so, froh, dass es dich gibt!“

In dieser Liebe hat Gott die Welt und uns herbeigeliebt, und diese Liebe dürfen wir weitergeben. In dieser Liebe schwingt eine große Daseinsfreude mit, eine Grundfreude, die sich auch im Humor Ausdruck verschafft.

Dass wir es nicht sind, die die Welt halten und erhalten müssen, bringt eine alte Fabel sehr schön zum Ausdruck, die Fabel vom Vogel:

„Ein Vogel liegt auf dem Rücken und streckt seine Beine starr gegen den Himmel.

Ein anderer Vogel beobachtet das und fragt ihn:

„Warum liegst du denn auf dem Rücken und streckst die Beine von dir weg?“

„Ich trage den Himmel mit meinen Beinen“, ist die Antwort; „wenn ich meine Beine anzöge und losließe, würde das ganze Himmelsgewölbe einstürzen!“

Kaum hat er das gesagt, fällt ein Blatt von dem Baum neben ihm und raschelt dich neben ihm nieder.

Erschreckt  zieht der Vogel seine Beine ein und fliegt davon – und siehe da: Der Himmel wölbte sich weiter über der Erde.“

Wir Menschen sind manchmal seltsame Vögel; wir meinen, dass wir den Himmel halten müssten – dabei hält der Himmel, hält Gott doch uns.

Wie entlastend und befreiend ist es da, zu wissen: Die Welt ruht nicht auf unseren Schultern oder Füßen. Das zu kapieren, befreit von Verkrampfung und macht heiter und gelassen.

Ich weiß: Ich bin Gottes geliebtes Geschöpf und Kind, von seiner Hand getragen. Deswegen können wir mit dem Psalmisten sagen:

„Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken. Wenngleich das Meer wütete und wallte und von seinem Ungestüm die Berge einfielen. Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind.“

Wir glauben, dass wir aus dem ursprünglichen Vertrauensverhältnis zu dem vertrauenswürdigen Grund der Welt, zum Schöpfer und Erhalter, herausgefallen sind.

Und wo der Mensch das Vertrauen vor Gott verliert,  neigt er schnell dazu, misstrauisch zu werden und sich schließlich selbst als der kleine Gott der Welt zu gebärden, sich selbst zum Himmel aufzuschwingen.

Die alte Geschichte vom Turmbau von Babel zeigt es. Und sie zeigt auf humorvolle Weise, wie das auf Gott wirkt: Er muss erst einmal näher hinschauen, so klein ist für ihn das riesige Bauwerk der Menschen, er fährt hernieder, um zu sehen, was sie da treiben – wie nichtig ist dessen vermeintliche Größe  (Gen 11)! Da kann Gott nur lachen, wenn der Mensch selbst sein will wie Gott; so wie es im 2. Psalm heißt

„Aber der im Himmel wohnt, lachet ihrer; und der Herr spottet ihrer.“

ER sieht das Große in seiner Kleinheit, aber auch das Kleine in seiner Größe:

„Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?!“ – „Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, alles hast du unter seine Füße getan“ – so ist es.

Das Misstrauen gegenüber Gott und seiner Güte, das „Sein-Wollen-wie-Gott“ ist Zeichen dafür, dass die Schöpfung gefallen ist, dass wir jenseits von Eden sind. Und da klaffen dann auch Sein und Schein schnell auseinander, was sich zeigt im Wasser predigen und Wein trinken und im Hintenherum reden:

Do schimpft a Pfarrer doch ganz munter

voll Eifer von der Kanzel runter:

die Leut solln schlicht und einfach leben

und viel mehr für die Armen geben;

doch selber tut er oft sich gönnen,

was die sich selten leisten können,

und seine Gattin, ohne Scherz,

trägt einen superteuren Nerz.

Tja, leider trügt da stark der Schein:

man predigt Wasser und – trinkt Wein!

Oder: A Frau, die nicht von gestern,

tut schwer über die Predigt lästern:

„Das war doch nix, viel zu abstrakt,

und wo konkret, da abgeschmackt!“

Doch wie dann bald drauf diese Gift-

spritzerin den Pfarrer trifft,

sogt sie hinschmelzend – wirklich wahr:

„Die Predigt, die war wunderbar!“

Für Christen ist es anders: Wir müssen uns selber nicht zu ernst nehmen, müssen nicht mehr scheinen wollen als wir sind.

Wir glauben als Christenmenschen, dass wir erlöst und befreit sind

(Martin Luthers Auslegung zum 2. Glaubensartikel im Kleinen Katechismus)

Die Menschwerdung Gottes selbst ist vielleicht das größte Zeichen seines Humors: der ewige Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, der Urgrund allen Seines – er wird ein kleines Kind, er wird einer von uns – mein Gott, muss Gott Humor haben!

Da stellt sich auch die interessante Frage: Hat der menschgewordenen Gott, hat Jesus gelacht? In der St. Lorenzkirche in Nürnberg gibt es eine Madonna, die lächelt, und sie hat ein Jesuskind auf dem Arm, das ebenfalls lächelt. Aber hat Jesus wirklich gelacht?

Ich habe einmal den Rektor des Predigerseminars von Papua-Neuguinea durch die Lorenzkirche geführt, und ihn bei diesem Kunstwerk gefragt: „Was meinen Sie, hat Jesus gelacht?“ Er sagte: „Ja!“ „Warum?“ „Weil er ein Mensch war.“

Über diese Madonna und ihr Jesuskind habe ich einmal ein kleines Gedicht gemacht. Es war in der Adventszeit, und es hat geregnet; die Massen schoben sich über den Christkindlesmarkt in Nürnberg. Eine Frau aus meiner Gemeinde hat das richtig depressiv gemacht und ich hab‘ mir überlegt: Wie kannst Du sie ein bisschen froh machen. Und dann hab ich das Gedicht  geschrieben:

Ich geih af den Christkindlasmarkt,

es regn’t, ich konn euch sogn!

Der Reg’n, der tropft roo vo die Ständ

mir kerzegrod in Krogn.

Der Regn, der regn’t in ganzen Toch,

regn’t mer in Herz und Hern,

wenn der nu a weng weiterregn‘t,

mou i trübsinnig werd’n.

I flücht mi in mei Lorenzkerch

und hock mi ganz still hi,

und schau af all den Kerzenschein,

af Jesus und Marie.

Dou hebt des Kind ganz sacht in Kupf

und dreiht nern her zu mir,

und sogt: Du moußt net traurig sei,

weil: Ich bin doch bei dir;

und wenn’s aa allererhand gibt,

wos schwer af’s Herz dir drückt:
Ich helf der und ich trog doch mit,

drum: Mach di net verrückt.

Und die Maria nickt dezou:

Ja, des is werkli woahr!

Dou werd’s mer wieder warm ums Herz

und in mein Hern wird’s kloar.

Lukas 6, 21 sagt Jesus: „Selig seid ihr, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen“ – da wird die Zukunft, die Vollendung, die ewige Glückseligkeit bei Gott schon jetzt vorweggenommen. Wer das im Glauben weiß, der kann im besten Sinne des Sprichwort sagen: „Wer zuletzt lacht, lacht am besten.“

Jesus geht den Weg der Liebe bis zuletzt. Teilt mit uns, geht mit uns in Not und Verlassenheit und Tod. Und überwindet die Macht des Bösen und des Todes. Durch IHN wissen wir: „Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein?!“ „ Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ (Röm 8)

Das ist das größte Heilsereignis! Martin Luther konnte sich schief lachen:

„Es sitzt am Höllenschlund beim Feuer

das Teufel-Vielfraß-Ungeheuer

und wartet, dass man Sünder bringe,

die mit Genuss er dann verschlinge;

Unmengen kann er davon fassen,

denn Böse gut zum Bösen passen!

Nun kommt, nach seinem Tode schwer,

umringt von Sündern Christus her;

der pralle Teufel, nicht mehr fit,

der sieht ihn nicht und frisst ihn mit.

Doch der war ja vom Bösen rein

und schmeckt dem Teufel gart nicht fein;

er kommt ihm hoch, und – ei der Daus! –

speit er den Sündelosen aus,

und mit ihm kommen hoch im Bogen

die Sünder all herausgeflogen!

Geprellt der Teufel, ha, das lief!

Stellt es euch vor! Ich lach mich schief!

Der Tod, das Böse überwunden,

der Mensch, gerettet und gefunden;

weil Christus sich verschlingen ließ,

wir wieder drin im Paradies!“

Ja, alles wollte der Teufel schlucken, aber an einem hat er sich verschluckt!

Diese Gewissheit macht heiter und kann auch in den schwersten Zeiten tragen:

Ein junger holländischer Pfarrer, Willem-Eicke den Hertog, wurde im sog. 3. Reich von der Gestapo verhaftet und nach Dachau verschleppt. In der Kapelle des Blockes 26, des Pfarrerblocks, der als Gottesdienstraum diente, hat er am Abend des Ostermontag 1944 gepredigt. Eigentlich hatten hier  nur Geistliche beider Konfessionen Zutritt, aber trotz des Verbots nahmen auch andere teil. Die Predigt hatte die Überschrift: „Und Gott lacht …“

Aus den Tagebuchblättern des Häftlings Nr. 16921 wissen wir, welch großen Eindruck diese Osterpredigt auf die Zuhörer machte.  Hier der Hauptgedanke aus dieser Predigt:

„Jesus, der Meister, der uns lachen lehrt am dritten Tage, mitten in unserem Elend und Tod, frei und unbekümmert lachen in der Gewissheit seines Sieges, in der Kraft seiner Auferstehung. Gott schenkt uns am dritten Tage ein Lachen, so reich, dass wir es immer hören müssen und wieder hören: wie Gott lacht, selig rettend, herrlich.“

Spüren wir es? Da ist die Grundangst genommen, die Angst vor der Endlichkeit, vor dem Tod; die Angst, zu kurz zu kommen, die Angst, nicht alles zu kriegen, die Angst, nicht genug zu gelten.

„Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat“ – der Humor lebt von der Botschaft und dem gläubigen Wissen, von der Glaubensgewissheit, dass die Welt überwunden ist.

Wir sind getragen und gehalten, erlöst und befreit. Und:

Wir glauben, dass wir einen neuen Geist bekommen haben,

(Martin Luthers Auslegung zum 3. Glaubensartikel im Kleinen Katechismus)

in dem wir wieder voll Vertrauen sagen können zu dem Grund der Welt „Abba, lieber Vater“. D.h., wir können in einer neuen Grundhaltung, mit einem neuen Herzen leben. „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Verzagtheit, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“, und das ist ein guter Nährboden für den Humor.

Und: Wir gehören zu einer neuen Gemeinschaft, die von diesem neuen Geist, der auch ein Geist des Humors ist, durchdrungen wird. Jedenfalls habe ich das auch im Stift immer wieder gespürt.

Zum Beispiel, als nach dem Tod meines Freundes Pater Pius, der nicht gerade der allerdünnste war, Pater Leonhard über ihn im Nachruf schrieb: „Er hinterlässt eine in jeder Hinsicht bedeutende Lücke.“

Pater Pius selber hatte ganz viel Humor: Da hat er z.B.  beim Stundengebet nicht sofort weitergemacht, als er dran war, und im Brevier noch nach der richtigen Seite gesucht; alle wisperten ihm zu. Er aber sagte laut ins Kapitelzimmer: „a Momenterl!“

Dieser Humor erwächst aus dem Geist des Lebens, des lebendigen Herrn. Er erwächst aus der Vorwegnahme der Vollendung, des Eschaton. Die, die zur Gemeinschaft der Heiligen gehören, die Heiligen, haben einen Humor, der seine tiefsten Wurzeln im Glauben hat, dass die Macht des Bösen und des Todes ausgespielt hat. Wer davon erfüllt ist, der entdeckt das Kleine im Großen und das Große im Kleinen, der kann auch einmal über sich selber lachen, aber auch über andere, ohne sie zu kränken.

Ein Papst hat sich des Bild betracht

des grad a Maler von ihm gmacht

und fragt nach leichtem Augenreiben:

Darf ich aufs Bild noch etwas schreiben?

Es wird erlaubt, und auf die schnelle

schreibt erst er eine Bibelstelle:

„Matthäus vierzehn, Vers zwo sieben“,

und dann, dann hat er unterschrieben.

Der Maler rennt im Dauerlauf

nach Haus und schlägt die Bibel auf;

dort liest er – rot wird sein Gesicht:

„Ich bin’s, so fürchtet euch doch nicht!“
Wer war so witzig, ja, wer kann es?

Es war der gute Papst Johannes!

Von einer bekannten Heiligen heißt es in ein paar Versen:

So stark der Glaube sie erhebt,

dass sie schon mal zur Decker schwebt,

obwohl sie, was bekannt im Land,

sonst fest auf beiden Beinen stand.

Bau’n muss sie, Spenden requirieren,

ermahnen, reisen, reformieren;

oft sie ein schweres Kopfweh plagt,

und doch bleibt sie ganz unverzagt.

Nichts kann sie schrecken, auch was neu

Verwirrt sie nicht: Gott ist ja treu;

„wer IHN hat“, so sagt sie vergnügt,

„dem fehlt nichts. Basta! ER genügt!“

Einmal sagt ihr Chef: „Verreise

nach Sevilla!“ „Ach du Schande!“

denkt sie, „grade in den Süden!

da, wo Spaniens Laster blühten.

Nun, die Reise war kein Fest,

Fieber kriegt sie, wird durchnässt;

fast wär sie – ihr hat‘s gestunken –

im Guadalquivir ertrunken,

als sie, keineswegs verklärt,

unsere Heilands Stimme hört:

„Meinen Freunden“, sagt er, „du,

mut‘ ich so was schon mal zu.“

Worauf meint die Herzensreine:

„Darum hast du auch fast keine!“

Und, wer war’s? Ich hör es da:

Theresia von Avila!

Bischof Graf von Galen hat in der Silvesterpredigt im Dom von Münster geißelt die Übeltaten der Nazis gegeißelt, von denen eine ganze Reihe in Zivil unter der Kanzel sitzen, um Anklagepunkte gegen den Bischof zu finden. Der Bischof schildert, wie die Partei den Eltern die Kinder wegnimmt, sie aufhetzt, sie ideologisch auf Linie bringt. Da hält es ein Parteifunktionär nicht mehr aus und brüllt laut durch den Dom: „Wie kann jemand, der keine Kinder hat, es überhaupt wagen, über Kindererziehung zu sprechen!“ Der Bischof antwortet sofort: „Ich verbitte mir solche abfälligen Bemerkungen über den Führer!“

Hier sieht man, wie der Humor eine distanzierte Überlegenheit schenkt – es ist wirklich ein Geschenk, und wie der Humor auch den Witz mit seinem Moment des Komischen in den Dienst nehmen kann. Ein bisschen kommt das vielleicht auch in der folgenden Geschichte zum Ausdruck:

Kurz vor der Aschermittwochsmesse mit Aschenkreuzauflegung  früh um sieben spitzt der Pfarrer durch die Sakristeitür hinaus und sieht – o Schreck! – die Kirche ist übervoll! Und er muss doch um 8.00 Uhr in der Schule sein! Da sagt er zum Mesner:

„Du musst mir helfen. Du ziehst auch ein Gewand an und legst den Gläubigen das Aschenkreuz auf. Weißt du, was du sagen musst?“

„Nein“, sagt der Mesner. 

„Du musst sagen: Staub bist du, und Staub sollst du werden. Hast du’s verstanden?!“ „Ja“, sagt der Mesner. Die Glocken läuten. Unter der Sakristeitür fragt der Mesner: „Was muss ich sagen?“

Der Pfarrer sagt leise: „Du bist a Doldi und bleibst a Doldi!“

Beim Aschenkreuzauflegen stellen sich die einen beim Pfarrer an, der sagt: „Staub bist du und Staub sollst du werden.“ Die andern stellen sich beim Mesner an, der sagt: „Du bist ein Doldi und bleibst ein Doldi.“ Da gehen zwei Männer vom Mesner weg und der eine sagt zum andern: „Wenn ich net wissert, dass des lateinisch wor, hätt im a Trümmer Schelln neighaut!“

Der dreieinige Gott, der uns so wunderbar erschaffen und erlöst und geheiligt hat, er will nicht, dass wir Kinder der Traurigkeit sind. „Ihr habt nun Traurigkeit“, sagt Jesus in den Abschiedsreden, „aber eure Trauer soll in Freude verwandelt werden.“ Mit der Auferstehung des Herrn hat eine neue Schöpfung begonnen, ist ein neuer Geist der Freude in die Welt gekommen, deswegen müssen wir uns nicht zu ernst und können oft die Dinge mit Humor nehmen.

Ich schließe mit dem feinen Gebet des heiligen Thomas Morus:

„Schenke mir eine gute Verdauung, Herr, und auch etwas zum Verdauen. Schenke mir Gesundheit des Leibes, mit dem nötigen Sinn dafür, ihn möglichst gut zu erhalten. Schenke mir eine heilige Seele, Herr, die das im Auge behält, was gut ist und rein, damit sie im Anblick der Sünde nicht erschrecke, sondern das Mittel finde, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.

Schenke mir eine heilige Seele, der die Langeweile fremd ist, die kein Murren kennt und kein Seufzen und Klagen, und lass nicht zu, dass ich mir allzu viel Sorgen mache um dieses sich breit machende Etwas, das sich „Ich“ nennt.

Herr, schenke mir Sinn für Humor, gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen, damit ich ein wenig Glück kenne im Leben und anderen davon mitteile.“ Amen.

Eine Antwort zu “Februar 2012

  1. composed by hsm 2012-06-02 with continually inahoatiln of huge amountsit. the eye-stinging effects that urine can bring about won’t go away,Remove Dander -Dander is dead flakes of skin which might be shed by all warm-blooded animals as newer healthier skin replaces it, Shedding is continuous as they move by means of they everyday activities, There’s absolutely nothing you can actually do about this continual process except deal with it! Clearing it from the air keeps felines and humans healthful. Since it is so small 2 to 5 microns in size it can conveniently penetrate the inner tissue of the lungs and with continually inahoatiln of huge amounts, it could cause nodules to form. Most usually they may be benign. but clearing the air reduces the quantity attainable to become inhaled. shirly 2012-06-01 linkscorp.