Aus dem Leben eines Weihekandidaten

Liebe Leute,

Die Uhr tickt! Am 8. Juli werde ich zum Priester geweiht!

Ich bin dankbar, für jeden Menschen, der mich in dieser Zeit begleitet. Ich möchte Euch in den letzten Tagen auf meinem Weg zur Weihe mitnehmen und auf dieser Seite meine Gedanken, Gefühle und Pläne mitteilen. Ihr könnt auf dieser Seite unten auch kommentieren oder mir auf diese Weise auch eine Nachricht senden! Details zur Priesterweihe: hier (Fotos Jack Haijes)

Einfach DANKE

Der gestrige Tag war einfach beeindruckend …ich bin überwältigt, dass so viele Menschen mit unserer Klostergemeinschaft gefeiert haben, dass ich so viel Zuspruch und Wertschätzung erfahren durfte, dass es einfach so schön war. DANKE euch allen, die ihr mitgefeiert habt …DANKE für alle Begleitung im Gebet und alle Verbundenheit. Ich möchte versuchen, das zu erfüllen was mir eine Freundin in einem SMS geschrieben hat: „auf dass du ein mega-super Priester mit Vorbildfunktion bist J“ Heute geht’s zu einer kranken Frau ins Spital und dann ans

Geschenke-auspacken!

Und damit verabschiede ich mich aus diesem Blog! Habt es gut, fühlt euch gesegnet und bleiben wir im Gebet verbunden!

Euer „Neupriester“ P. Franz

HEUTE

Heute ist der „große Tag“ …ich hab gerade mit lieben Gästen gefrühstückt und möchte den weiteren Vormittag nun eher ruhig gestalten. Mittags werde ich mich dann bei Schweinsmedaillons (eine meiner Lieblingsspeisen) stärken und dann geht’s los. Irgendwie komisch, mein Gefühl heute Vormittag und auch diese Zeilen zu schreiben. Heute tritt das ein, was ich ja irgendwie doch mein (halbes) Leben lang ersehnt und geträumt habe und worauf ich mich vor allem in den letzten sechs Jahren vorbereitet habe. Geschlafen habe ich gut, Appetit hab ich auch …und es ist einfach nur schön. Ich durfte in meinem ganzen Leben und vor allem auch in den letzten Wochen so viel an Begleitung und Verbundenheit von Menschen erfahren. Und wenn ich auf meinen Weg blicke, erkenne ich auch, dass Gott mich geführt und getragen hat und ER mir auf so vielfältige Weise Seine Liebe geschenkt hat. Diese Liebe ist es, die mich zu dem gemacht hat, der ich bin. Diese Liebe ist es, die wir alle heute feiern wollen. Diese Liebe ist es, die ich in meinem Dienst erkennbar machen und weiter geben möchte. Er, der Gott des Lebens (meines Lebens) ist treu, er wird uns alle auch weiterhin begleiten und uns Seine Liebe zeigen. Das wünsch ich dir und mir heute – am Tag meiner Weihe – und alle Tage! Danke für deine Begleitung in den letzten Tagen durch das Lesen der Blog-Einträge und durch dein Gebet, danke für deinen Glauben, danke für deine Verbundenheit. Morgen werde ich noch einmal einen kurzen Rückblick auf diesen heutigen Tag schreiben und dann werde ich mich wieder aus diesem Blog verabschieden und in den priesterlichen Dienst „stürzen“ …ich freu mich auf die vielen schönen Feiern und Aufgaben (Primiz, Gottesdienste, Sakramente, …).

Sei gesegnet und behütet!

Das wünscht dir

(fast) Neupriester P. Franz

Samstag LAGE 1 !

Morgen! Uaaaahhhh …ganz ruhig bleiben …es ist alles organisiert …nur die Entscheidung ob die Agape im Freien oder doch lieber drinnen statt finden soll, muss ich morgen früh noch treffen. Heute steht „Treffpunkt.Benedikt“ am Programm mit Bischof Ludwig. Ich find das schön und auch witzig, dass er heute schon nach Kremsmünster kommt, einen Tag vor der Weihe …und dass ich heute beim Gottesdienst um 19 Uhr ein letztes Mal Diakon machen werde …wenn mein Weihe-Bischof die Messe feiert. Und danach werden wir grillen! …und heute hab ich den Tag einfach mal recht chillig angefangen …hab vor allem gelesen und versucht, „herunter zu kommen“. Dir einen schönen Tag, vielleicht sehen wir uns ja am Abend …ansonsten findest du morgen den „Weihe-Tag-Blog-Eintrag“ …es ist einfach nur schön momentan!

Glg franz

Freitag  6. Juli

Lage: 2

Heute ist Schulschluss …das brauche ich wohl niemandem zu erzählen. Die Ferien beginnen. „Jetzt ist Sommer, egal ob man schwitzt oder friert, Sommer ist was in deinem Kopf passiert. Es ist Sommer, ich hab das klar gemacht, Sommer ist wenn man trotzdem lacht.“ singt die Gruppe Wise-Guys. Jetzt ist Sommer. Heute beginnen die Ferien. Und es kommt auf dich an, ob es halt irgendein Sommer wird, oder Dein Sommer. Ich hab heuer den 14. „Sommer meines Lebens“ …dh. ich hab 1999 beschlossen, dass das der „Sommer meines Lebens“ wird …und seither hab ich das jedes Jahr beschlossen und immer war es ein toller Sommer. Heuer ist es ein besonderer Sommer …übermorgen werde ich schon zum Priester geweiht …und die vielen Feiern und Gottesdienste werden diesen Sommer prägen. Ich freu mich …und fühl mich mindestens so glücklich, wie unsere SchülerInnen, die heute Vormittag im Kaisersaal in einer traditionellen Zeremonie prämiert wurden für ihre guten Noten im Zeugnis! Es ist Sommer …es sind Ferien …das ist immer auch der Wechsel vom Alltag in eine besondere Zeit. Diese fängt jetzt an. Ich freu mich einfach …und heuer wird wirklich der „Sommer meines Lebens“ J …schön wenn du mit dabei bist!

Dein P. Franz

Donnerstag  5. Juli

Lage: 3

Drei Tage Wien waren anstrengend …und haben die Weihe „bedrohlich“ nahe rücken lassen. Gestern Vormittag war ich noch im Stephansdom …und heute sind es nur noch drei Tage …ich hoffe, dass ich jetzt schön langsam ruhiger werde. Wobei heute steht auch noch ein Begräbnis am Programm und morgen Schulschluss, aber das sind zumindest die einzigen großen „Dinge“, die vor der Weihe noch anstehen (abgesehen vom Treffpunkt am Samstag, wo wir uns ja hoffentlich sehen !).

Also zurück zu Wien …es war wirklich heiß, was sich auf die Motivation der SchülerInnen auswirkt (eben nicht unbedingt positiv), aber es waren sehr schöne Tage …ich war zum ersten Mal in meinem Leben im Tierpark Schönbrunn …ein kleiner Kindheitstraum ist damit in Erfüllung gegangen! Ansonsten waren es sehr schöne Tage mit einem doch durchaus chilligen Programm (Prater, Parlamentsführung, Kaffeehaus, …) und heute als Abschluss und Höhepunkt waren wir im Stephansdom und im Informationszentrum der österreichischen Ordensgemeinschaften „Quo vadis“. Im Dom fand ich die Führung recht interessant …nicht nur, weil ich die 343 Stufen zum Turm hinaufsteigen durfte (echt anstrengend ;-)) …sondern vor allem, weil Herr Bauchinger, der uns geführt hat, extra ein bisserl Kremsünsterer Hausgeschichte eingebaut hat. Unser Abt Anton Wolfradt (+1639) war Bischof in Wien und ist im Stephansdom bestattet. Was ich recht interessant fand ist, dass sein Wahlspruch „Frustra nisi Dominus“ frei übersetzt wurde mit „Wenn der Herrgott nicht will, nutzt das gar nichts“ und dass dieser Satz in ein bekanntes Wienerlied Eingang gefunden hat …man lernt eben nie aus …und diese Lebensweisheit find ich auch im Hinblick auf meine Weihe toll …wir müssen den Willen Gottes tun. Mit dem Thema „was soll ich tun“ beschäftigten wir uns dann auch in einem Workshop im „Quo vadis“ …wo uns P. Stefan, Sr. Hilda und Sr. Martina einen Zugang zum Thema „Entscheidung“ eröffneten, was auch den SchülerInnen durchaus gefallen hat …ebenso wie ihnen das Ambiente in diesem Zentrum gleich neben dem Stephansdom gefallen hat …dort kann man nämlich einfach hinkommen, Kaffee trinken und chillen (also ein kleiner Geheimtipp falls du mal in Wien bist …und im Jahr 2013 dürfen wir Kremsmünsterer dort mal einen Monat lang die Auslagen gestalten …da werden dann P. Bernhard und ich abwechselnd aus dem Schaufenster lächeln!)

Tja …und jetzt nur noch drei Tage …Herr ich bin dein Eigentum …diese Lied wird gerne bei Begräbnissen gesungen (wo ich ja heute noch bin) …und das ist auch meine Devise kurz vor der Weihe.

Das Leben ist schön …vergiss das nicht …heute nicht und an allen Tagen deines Lebens!

P. Franz

Montag  2. Juli

Lage: 6

So, die letzten Tage …vor der Weihe …und jetzt verabschiede ich mich auch nochmal für drei Tage …leider nicht für Einkehrtage, sondern für schulische Projekttage. Das ist halt mal so, dass ich mich, weil ich Lehrer bin, jetzt nicht einfach zurückziehen kann. Aber heute geht’s mit der 4B-Klasse bis Mittwoch nach Wien. Eine etwas andere Vorbereitung, aber ich freu mich darauf. Ich denke, dass es mir schon auch gut tut, nochmal ein bisserl Abstand zu gewinnen und außerdem ist die Klasse eine sehr nette, die Kollegin die mit dabei ist find ich super und das Programm haben wir eher so gestaltet, dass ich auch meine Auszeiten haben werde. Besonders freu ich mich auf eine Führung im Stephansdom und einen Workshop im Informationszentrum der Österreichischen Orden …bin gespannt, wie das den Kids gefällt …es geht um Entscheidung …und die steht ja bei ihnen jetzt nach der 4. Klasse an (bzw. haben sie ja schon eine Entscheidung für ihre weitere Schullaufbahn getroffen) …aber Entscheidung bleibt immer ein Thema. Ich habe mich entschieden …mit Gott zu leben und so kann ich das auch auf solchen Projekttagen ganz gut …und ich hab mich entschieden, nicht zu viel Gepäck mitzunehmen und freu mich auch darauf, ein bisserl weg zu sein (ohne Internet, Handy auf lautlos,…) …deshalb wird der nächste Eintrag vermutlich erst am Donnerstag Vormittag sein, dafür aber mit schönen Fotos aus Wien J …also unser Internet funktioniert wieder, aber dafür bin ich jetzt weg.

Dir eine gute Zeit bis zum „Wiederlesen“ viel Segen!

P. Franz

Sonntag  1. Juli

Lage: eine Woche!

Ein erfülltes Wochenende liegt hinter mir. Heute in einer Woche „gepriestert“ (wie es neulich eine Ministrantin in Vorchdorf ausgedrückt hat) …und wie es sich am Land vor ähnlichen großen „Lebensereignissen“ gehört, habe ich heute gepoltert. Wahrscheinlich etwas ungewöhnlich, auch vor einer Priesterweihe eine „Polterei“ zu machen. Aber liebe Freunde von mir – fünf junge Familien, die ich von meiner Zeit bei der Jungschar kenne – haben beschlossen, dass sich das auch vor einer Weihe gehört. Und so haben wir heute Mittag gegrillt und am Nachmittag waren wir dann im Stiftsbad. Es war ja herrliches Wetter und auch mit den vielen kleinen Kindern dieser Familien war es toll. Bei einer „normalen“ Polterei gibt es dann auch immer irgendwelche lustigen „Spiele“ …und so musste ich auch bei so einer Einlage mitmachen. Meine Freunde haben einen Text mit mir gemacht, ob ich wirklich zum Priester geeignet bin, oder doch eher eine Familie gründen hätte sollen. Das heißt zuerst musste ich einen „Familien-Vater-Stress-Test“ machen …ich musste zeigen, ob ich nervös werde, wenn ich frühstücke und dann sechs Kinder aufkreuzen und mit mir mitessen wollen. Beim „Priester-Test“ musste ich beweisen, dass ich mit verschiedenen Situationen, die in der Pastoral auf einen zukommen, fertig werde. Zum Beispiel die passende Verkleidung für ein Pfarrgschnas zum Thema „80er Jahre“ auswählen (siehe Foto) …und noch so manche Situationen aus dem Leben eines Familienvaters auf der einen Seite und Priesters auf der anderen Seite haben auf mich gewartet. Gott sei Dank, war das Resümee, dass ich zum Priester geeignet bin! Alles in allem ein schöner Nachmittag und eine witzige Art der Vorbereitung auf die Weihe, eine Woche davor.

Ich hoffe, du hattest auch einen schönen Sonntag und wünsch dir einen guten Start in die Woche!

P. Franz

Samstag 30. Juni

Lage 8:

Es gibt so viele schöne Aufgaben, die man als Seelsorger hat. Heute steht eine der Schönsten an. Ich darf zwei Menschen – Brigitte und Sam – trauen! Ich find es echt berührend, dass man als Mönch und Diakon und dann noch verstärkt als Priester Menschen an den wichtigsten Stationen des Lebens begleiten darf. Von der Taufe hab ich ja letzten Sonntag schon erzählt. Also gerade eine Trauung finde ich berührend …sie ist nämlich das einzige Sakrament, das kein „Geweihter“ spendet, sondern die Eheleute sich gegenseitig. Das heißt, dass zwei Menschen bewusst sagen, dass sie Gott als Dritten in ihrem Bund haben möchten …und ich darf ganz vorne dabei sein und dann den Ehebund, den sie geschlossen haben bestätigen und ihnen zusagen, dass Gott sie liebt und begleitet.

Ich freu mich wirklich auf die vielen schönen Aufgaben als Seelsorger und Priester und kann mir nichts Schöneres vorstellen. Wie’s mir sonst so geht eine Woche vor der Weihe …also gestern war mir ganz schön heiß, aber es war ein erfüllter Tag …und ich hab wieder gemerkt, dass es sich auszahlt, als Mönch erkenntlich zu sein. Ich war am Freitag Nachmittag am Bad Haller Bauernmarkt (meine Mama besuchen, die dort arbeitet …und weil ich vorher in Bad Hall ein paar Besuche im Altenheim gemacht habe) und dort hat mich (weil ich den Habit anhatte) ein junger Mann eher negativ angesprochen, aber es hat sich dann ein kurzes, aber sehr interessantes Gespräch mit diesem (aus der Kirche ausgetretenen) Mann ergeben …und am Ende hat er sich bedankt und gemeint, dass er froh ist, dass es auch Menschen wie mich in der Kirche gibt …das schreib ich jetzt nicht, um anzugeben, sondern damit ihr seht, dass es wichtig ist, dass man als Priester erkenntlich ist …mir wichtig ist.

So, jetzt wünsch ich euch einen tollen Tag und dass ihr auch einmal ins kühle Nass springen könnt …denkt dann daran: so wie euch das Wasser umgibt und trägt, so umgibt euch Gott!

Glg Franz

PS: das Foto ist nicht von der heutigen Trauung (da hab ich ja noch keine Bilder) sondern, das sind Julia und Bernhard, die ich am 8. Okt. 2011 getraut habe – meine allererste Trauung J

Freitag 29. Juni

Lage 9:

Gestern ist wieder unser Internet nicht gegangen. Aber heute wurde irgendein „Kastl“ ausgetauscht und jetzt dürfte es wieder funktionieren! Also erzähl ich euch, dass ich gestern beim Friseur war. Auch das gehört – für mich – dazu vor der Priesterweihe. Manche denken, ich sei eitel oder eingebildet, aber für mich hat das auch mit meiner Gottesbeziehung zu tun. Nur wenn ich mich selbst liebe – und dazu gehört eben auch, dass ich mich ordentlich anziehe und auf mein Äußeres achte – bin ich auch fähig, andere zu lieben und das hat dann natürlich auch mit Gott(esliebe) zu tun. Tja, und so bin ich froh, dass ich mir wieder besser gefalle und kann in diese letzten Tage vor der Weihe gehen, in dem Bewusstsein, dass ich begleitet bin (von euch, von IHM).

Heute ist Schulfest …der letzte „richtige“ Schultag …jetzt geht es eigentlich ganz schnell …dann sind Ferien …und dann ist auch schon der 8. Juli. Heute hatte ich noch ein Gespräch mit abt Ambros …und so gehe ich getrost auf die Weihe zu.

Ich wünsche dir, dass du dir heute einmal sagen kannst „ich bin schön, ich bin geliebt“!

Glg P. Franz

Donnerstag 28. Juni

Lage 10:

DURCH PROBLEME MIT DER INTERNETVERBINDUNG KOMMT ES LEIDER IMMER WIEDER ZU VERZÖGERUNGEN: Wir bemühen uns die Verbindung wieder ins Laufen zu bekommen um verlässlich posten zu können!

Mittwoch 27. Juni

Lage 11

Gestern war wieder das selbe Problem …ich bin voll motiviert …und das Internet funktionierte den ganzen Tag nicht. Darum heute (Donnerstag) meinen Tagebucheintrag von gestern!

Heute ist Maturafeier an unserem Gymnasium. Am Nachmittag fand das traditionelle „Valet“ statt. Da stehen alle Schüler, die Eltern der Maturanten und die Lehrer im Stiftshof und empfangen die Maturanten, die mit Zylinder und Blasmusikkapelle in den Hof einziehen. Eine interessante Zeremonie. Abschlüsse, Übergänge muss man feiern. Julia, die Schulsprecherin, sprach in ihrer Rede davon, dass nicht der „Ernst des Lebens“ beginnt, sondern eben ein neuer Abschnitt und das muss man feiern. Und so denke ich heute bei diesem traditionellen „Übergangsritual“ auch an meinen bevorstehenden Übergang …ins priesterliche Amt. Das muss auch gefeiert werden. Die Maturanten feierten vor dem Valet einen sehr stimmungsvollen Gottesdienst und jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, fahren sie gerade mit einem Anhänger durch den Ort um bis in die Nacht hinein zu feiern. Gott gehört auch für die Maturanten zu ihrer Feier …und eben auch das „ausgelassen-sein“. Gott ist der Grund, warum wir überhaupt feiern können. Das möchte ich heute, am Tag der Matura bedenken und auch am Tag meiner Weihe.

Ich wünsche dir, dass auch du immer wieder Grund zum Feiern hast und du dir dabei bewusst bist, dass Gott mitfeiert.

P. Franz

Dienstag 26. Juni

Lage 12

Gestern war ich im Kloster Steinerkirchen und hab mir mein Messkleid samt den Skapulieren in den vier liturgischen Farben abgeholt! Das heißt, ich nehm einfach das weiße Messkleid und geb das Skapulier drüber. Das hab ich mir so machen lassen, weil ich bei meiner Körperlänge ja nicht darauf vertrauen kann, dass in allen Kirchen, wo ich hinkomme ein Messgewand da ist, das lang genug ist …und vier Kleider wollte ich nicht.

Manche denken vielleicht, dass es mir jetzt um Äußerlichkeiten geht, weil ich solchen Wert auf die liturgischen Kleider lege. Aber mir hilft ein Gedanke, den mir mein Liturgieprofessor gesagt hat: „Niemand würde mit ausgelatschten Birkenstock, fettigen Haaren, dreckigen Fingernägeln und abgefuckter Kleidung zu einem Date gehen …und wie feiern wir Liturgie?“ Ich denke, es geht um Liebe …und die Feier der Eucharistie ist der Höhepunkt dieser Liebe zu Gott und deshalb soll man diese würdig feiern und dazu gehört auch ein schönes Messkleid. Und so freu ich mich schon, wenn mir die alte Mesnerin von Bad Hall am 15. Juli dieses Messkleid im Kurpark – nachdem es von Pfr. P. Johannes gesegnet wird – anzieht (das Organisations-Komitee hat extra schon überlegt, wie das passieren soll, weil ja die Mesnerin sehr klein ist J).

Also ich freu mich …und hoffe, du hast heute auch etwas, worüber du dich freuen kannst!

Viel Freude und Segen!

P. Franz

Montag 25. Juni

Lage 13

Hallo zusammen!

Das was ihr auf dem Bild seht, ist nicht mein Schreibtisch, denn ich habe heute zwei Stunden lang mein Zimmer geputzt. Ich putze leider viel zu selten, aber ich finde es eine spannende Tätigkeit. Weil ich finde, dass das auch mit der Seele zu tun hat. Also wenn man einen sehr unordentlichen Schreibtisch hat, so wie den, den ihr auf dem Bild seht (ich verrate nicht, wem er gehört), dann ist das ein Zeichen dafür, dass man vielleicht auch in seiner Seele wieder mal zusammenräumen sollte. Also ich hab heute geputzt und bin glücklich. Jetzt hatte ich zwei Religionsstunden und nun geht es nach Steinerkirchen in die Paramentik …dort hole ich meine liturgischen Gewänder ab …davon erzähl ich euch dann morgen.

Für heute wünsche ich euch, dass es euch gut geht und ihr in innerer Ruhe und Ordnung in diese Woche gehen könnt. Mir wurde heute beim Putzen bewusst, dass noch viele Dinge anstehen vor dem großen Tag. Mehr davon aber in den nächsten Tagen!

Be blessed!

P. Franz

Sonntag 24. Juni

 Lage 14

Keine Angst, ich hab gestern nicht vergessen, einen Eintrag zu schreiben und ich hab es mir auch nicht anders überlegt. Ich hab gestern Abend brav einen Blog-Eintrag geschrieben und als ich ihn hochladen wollte, musste ich feststellen, dass im Stift das Internet nicht funktioniert. Darum hier der Eintrag vom Sonntag!

Heute ist das Fest der Geburt Johannes des Täufers. Und ich durfte den kleinen Noah Matthias in der Filialkirche Mariahilf in Mondsee taufen. So eine Taufe finde ich immer besonders berührend. Ich darf im Namen der Kirche einen kleinen Erdenbürger in die Gemeinschaft der Christen aufnehmen und ihm in der Taufe zusagen, dass er/sie ein geliebtes Kind Gottes ist. Sicher kann man jetzt sehr beherzt darüber diskutieren, ob es Sinn macht, Kinder zu taufen oder überhaupt Sakramente zu spenden, wenn die Menschen, die sie empfangen, ihren Glauben nicht so besonders wichtig nehmen. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass die Gabe Gottes immer der Aufgabe, die daraus erwächst, voraus geht. Gott liebt DICH! Diese Botschaft dürfen wir vermitteln! Das berührt mich und ich freue mich schon sehr, wenn ich dann als Priester diese Zusage noch viel intensiver in der Feier der Eucharistie und vor allem auch im Sakrament der Versöhnung ausdrücken kann. Interessanterweise werden diese beiden Sakramente in der Liturgie der Priesterweihe als besonders wichtig hervorgehoben.

Also ich freu mich auf den priesterlichen Dienst …weil ich heute wieder erleben durfte, wie schön es ist, Menschen die Liebe Gottes zu vermitteln …in den Sonntagsgottesdiensten in Vorchdorf, wo ich heute gepredigt habe …in den schönen Gesprächen, die ich heute hatte …in der Taufe, die ich dem kleinen Noah heute gespendet habe.

Gott will an Deinem Leben Anteil haben, lass IHN ein! Das wünscht dir P. Franz

Samstag 23.06.2012

Lage 15 (15 Tage bis zur Weihe):

„Wie geht es dir, bist du schon nervös?“ Es ist wirklich schön, wieviele Menschen in diesen Tagen an mich denken und mich in ihren Gebeten und Gedanken begleiten. Und mir eben auch diese Frage stellen.

Also ich muss sagen, dass ich momentan (noch) nicht wirklich nervös bin. Die Einladungen sind verschickt, der Messkelch gekauft und sogar die Primizbildchen gedruckt und die Feiertexte für die Weihe gefaltet (danke liebe SchülerInnen der 7B!). Also die „Äußerlichkeiten“ sind größtenteils erledigt, auch wenn mich neulich die ehemalige Mesnerin aus Bad Hall angerufen hat, welche Altartücher ich bei meiner Weihe haben möchte.

Aber es geht mir nicht um Äußerlichkeiten. Sicher gehört so ein Fest auch vorbereitet, aber das ist alles geklärt und liegt in guten Händen. Es geht darum, wie ich auf diesen Schritt, auf dieses Fest der Weihe zugehe. Ich muss gestehen, dass ich am Samstag vor einer Woche kurzfristig ziemlich „Bammel“ hatte und mich schon noch mal kurz infrage gestellt habe und auch überlegt habe, ob die Priesterweihe für mich wirklich passt. JA! Die Entscheidung ist gefallen …und meine Lebenserfahrung sagt mir, dass ich immer, wenn ich eine Entscheidung treffe, auch die nötige Kraft für die weiteren Schritte bekomme. Ich habe lange genug überlegt und ich möchte diesen Schritt nun gehen …und ich bin getröstet durch die Gewissheit, dass Gott mich begleitet und so annimmt wie ich bin …und eben auch mich – als Franz der ich bin – berufen hat …er wird sich schon was dabei gedacht haben. Und so überwiegt momentan die Vorfreude auf das Fest und dabei fühl ich mich geliebt. Viel Liebe wünsch ich dir.

Mlg P. Franz

Freitag 22.06.2012

Lage 16 (16 Tage bis zur Weihe):

Was macht eigentlich ein Mönch so den ganzen Tag? Diese Frage bekomme ich oft gestellt! Meine Antwort: „den ganzen Tag Mönch sein“!

Jetzt besteht das Problem, dass wir bei einem „Mönch“ oft ein sehr traditionelles, verklärtes Bild haben …also ein Mönch ist ein alter Mann, der dick, langweilig, fromm ist. Ich hoffe, dass zumindest die ersten beiden Eigenschaften nicht auf mich zutreffen. Und das „fromm sein“ kann ich auch schwer beurteilen. Es ist auf jeden Fall so, dass sich manchmal halt doch so viel tut, dass ich bei den Gebetszeiten im Kloster (um 6:00, 12:00, 18:00 und 19:00 Uhr) nicht dabei bin. Das heißt aber nicht, dass ich einen Tag ohne Gott verbringe. Die Kunst besteht darin, dass in allem Gott verherrlicht wird …also heute in meinen fünf Schulstunden, dann wenn ich zum Hofer fahre um einen Gasgriller zu kaufen, bei der Vorbereitung der sonntäglichen Predigt und beim Grillen mit Jugendlichen im Pfarrhof in Bad Hall. Das macht der Mönch Franz heute den ganzen Tag. Und wenn ich davon ausgehe, dass mir Gott in den Menschen begegnet, mit denen ich heute zu tun habe, dann hab ich ja sehr viele Möglichkeiten, IHM zu begegnen und Mönch zu sein. Ich wünsche dir, dass dir Gott heute begegnet …vielleicht ja in der Schule oder beim Grillen!

Bis bald! Euer P. Franz

Donnerstag 21.06.2012

Lage 17 (17 Tage bis zur Weihe):

Der Tag der Weihe rückt näher. In den letzten beiden Tagen war ich im Rahmen meiner Ausbildung mit dem Pastorallehrgang von Micheldorf nach Kremsmünster auf Fußwallfahrt. Logisch, heute schmerzen meine Füße, dafür ist mein Kopf frei. Das unterwegs sein hat mir gut getan. Ich freue mich auf den heutigen Abschluss des Pastorallehrganges (Vorbereitungsseminar für Priesteramtskandidaten und Pastoralassistenten) bei uns im Stift Kremsmünster.  Am Abend bin ich in Linz bei der Ausstellung Treffpunkt Ordensleben im Schlossmuseum  um dort von meiner Berufung zu erzählen. Details zu der Ausstellung in Linz gibt es: hier

Gottes Segen Euer P. Franz!

11 Antworten zu “Aus dem Leben eines Weihekandidaten

  1. choco-mutschokotu

    Big Brother is writing you 😀

  2. Ja Ja das Stift Kremsmünster ist wieder Schuld….
    nicht immer die schuld bei den anderen Suchen 😉

  3. Ich glaube das obige Kommentar betrifft wirklich nur die Größe von P. Franz! 😉

  4. Christoph Neubauer

    Hallo P. Franz, ich habe soeben „entdeckt“, dass du am 8. Juli zum Priester geweiht wirst. Wir kennen uns ja aus der „Zeit in Bad Hall“, als ich selbst zwei Jahre in Bad Hall wohnen durfte. Eine sehr schöne und gesegnete Zeit. Von Herzen wünsche ich dir viel Freude, Power und Gottes Segen für diesen großen Tag!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Alles Gute und liebe Grüße sendet dir Christoph N. aus dem schönen Mühl4tel!

  5. …finde den Blog sehr nett! coole Sache!

  6. ein sehr feiner, ansprechender Blog! Wünsche dir eine segensreiche Vorbereitung hin auf deinen großen Tag. „ir sehen uns ja bei der Weihe – liebe Grüße bis dahin, Michi

  7. Hallo P. Franz,
    Ich finde es ganz toll ,wie du all die Leser an deinem „countdown“ teilhaben lässt.
    Zum Sonntag den 1.Juli muss ich sagen öhm warum eigendlich nicht? bei einer bzw. vor einer Ehe wird ja auch gepoltert.Die Priesterweihe ist ja genaugenommen nichts anderes.Die Idee find ich gut.
    ich wünsche dir viel Kraft und Gottes segen für deinen Schritt
    liebe Grüße

  8. Anonymous

    Ich wünsche Viel Glück und freude als zukünftiger Priester!
    LG Thomas

  9. Marianne Stadlhuber

    Bei gleicher Umgebung lebt doch jeder in einer anderen Welt – Arthur Schopenhauer – In dieser, deiner Welt , die du dir ausgewählt hast, wünsche ich dir viel Freude und Liebe. Es ist schön, dass du im Kloster lebst und mitgestalten darfst, für diese Aufgaben wünsche ich dir Gottes Segen.

  10. …wenn das kein guter Priester wird…!

  11. christa oehlinger

    …ich wünsch dir einen weiten horizont… und augenblicke der gewissheit, dass das göttliche allem zuinnerst ist….
    glg christa ( war bei der nachprimiz im chor aktiv)