Der Rabbi

IMG_3971Manche, die mich gut kennen, lächeln, wenn ich wieder von den Wüstenvätern spreche. Unser P. Franz meinte kürzlich, als ich wieder wohin fuhr, um über die frühen Mönche zu sprechen: „Ah, ein ganz neues Thema!“ Damit Ihr seht, dass ich mich auch mit anderen Sprüchen beschäftige, möchte ich eine Begebenheit von den Chassidischen Geschichten erzählen, die ich bei Martin Buber seit meiner Studentenzeit gerne lese:

Von einem jüdischen Lehrer, einem Rabbi, wird erzählt, dass er jeden Morgen vor dem Frühgebet zum Himmel aufsteige. Ein Feind von ihm lachte darüber und legte sich vor dem Morgengrauen auf die Lauer. Da sah er, wie der Rabbi als Holzknecht verkleidet in den Wald ging. Sein Feind folgte ihm unauffällig. Er beobachtete den Rabbi, wie dieser Holz sammelte und es zu einer armen, alten Frau brachte. Durch das Fenster des kleinen Häuschens sah er, wie der Gottesmann auf dem Boden kniete und den Ofen einheizte. Als die Leute später fragten, was es denn nun auf sich habe mit der täglichen Himmelfahrt des jüdischen Lehrers, gestand sein früherer Gegner wie verwandelt ein: „Er steigt noch höher als bis zum Himmel.“

 

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