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Nicht zu viel lesen

IMG_0922_(800_x_600)Oft betone ich die Bedeutung der Lektüre für das geistliche Leben und überbetone dabei vielleicht die Quantität. Doch was haben wir davon, viel zu lesen, aber nur wenig zu leben? So las ich bei Sr. Maria Kriegner, Ob das Liebe ist? Dem Geheimnis einer Begegnung auf der Spur, 103:

Bei Hogo M. Enomiya-Lassalle einmal gelesen: „Mit großer Leichtigkeit diesen Weg hinabsteigen in den eigenen Grund.“ Nicht zu viel lesen. Das Entscheidende ist doch, diesen Weg immer wieder in unendlicher Einfachheit und Armut anzutreten.

Unser P. David war jetzt über eine Woche am Almsee. Dort hat er – wieder „nur“ – einige Seiten in Joseph Ratzingers Einführung ins Christentum gelesen. Diese paar Seiten haben ihn tagelang beschäftigt, sagt er. Was hätte es für Sinn gehabt, noch mehr zu lesen; es käme ja aufs Gleiche heraus, viele Gedanken schnell zu lesen oder einige wenige tief einsickern zu lassen.

Gestern bin ich wieder bald schlafen gegangen. Dafür schon um 4:15 von selber aufgewacht (senile Bettflucht? J). Habe dann gleich zu meiner lectio divina in die Gebetsecke gesetzt. D.h. ein paar Verse aus der Offenbarung des Johannes meditiert, wie immer eine halbe Stunde. Da mehr zu lesen wäre der Schriftbetrachtung und dem Gebet abträglich.

Und dann hinausgeschaut in die Nacht, den Vollmond bewundert, mir einen Tee gemacht. Einige Aufzeichnungen für einen Vortrag notiert, die Gedanken kamen wahrscheinlich deshalb, weil ich nicht die ganze Zeit bis zur Laudes ausgeschöpft habe, um möglichst viel zu lesen …

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